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Wink vor dem Dorffest: Wir wollen keine Kinderschänder dabeihaben

Wink vor dem Dorffest: Wir wollen keine Kinderschänder dabeihaben

Vor dem Trierer Landgericht ist gestern der Missbrauchsprozess gegen einen mutmaßlichen Kinderschänder aus Mayen fortgesetzt worden. Als Zeuge sagte ein Mann aus, der die Behörden frühzeitig vor dem Angeklagten Christoph G. gewarnt hatte.

Wahrscheinlich, ja sogar ganz sicher hätten einige der Christoph G. zur Last gelegten Übergriffe auf Kinder und Jugendliche verhindert werden können. Der 38-jährige Mayener wird beschuldigt, sich unter anderem mehrfach an zwei heute elfjährigen Brüdern aus dem Vulkaneifelkreis vergangen zu haben. Eine ehemaliger Nachbar, der gestern als Zeuge aussagte, hatte die Polizei bereits im Mai 2006 über den möglichen Missbrauch der Zwillinge informiert. Die beiden Jungs waren Spielkameraden seines gleichaltrigen Sohnes gewesen. Der hatte eines Abends seinen Eltern berichtet: "Der Christoph weiß, wie man Pippimännchen dick macht."

Weil der Vater nach eigenen Angaben bereits vorher den Verdacht hatte, "dass da etwas nicht ganz sauber läuft", meldete er sich bei der Polizei. Die Beamten ermittelten auch eifrig. Doch weil die Zwillinge später ihre Aussagen widerriefen und auch ein Gutachten nichts Handfestes brachte, wurde das Verfahren nach einigen Monaten mangels Tatverdachts wieder eingestellt. "Ich glaube nicht, dass die Zwillinge freiwillig widerrufen haben", sagte gestern der ehemalige Nachbar, "da muss ein enormer Druck dahinter gewesen sein." Nach seinen Angaben gingen die Besuche des mutmaßlichen Kinderschänders in der Familie anschließend weiter - trotz eines von den Behörden immerhin verhängten Kontaktverbots.

In dem kleinen Eifel-Ort hatte der Kellner schnell seinen Ruf weg. Als Christoph G. bei einem Dorffest mithelfen wollte, wurde er von den Frauen des Ortes mit den Worten weggeschickt: "Wir wollen keine Kinderschänder dabeihaben."

Sehnsucht nach dem inhaftierten Vater



Neben der Mutter der Zwillinge wurde gestern auch der Vater als Zeuge gehört. Die Eltern sind längst wieder getrennt, der 52-jährige Vater sitzt in U-Haft. Er muss sich seit dieser Woche vor dem Koblenzer Landgericht verantworten, weil er seine Stieftochter missbraucht haben soll. Im Trierer Prozess schwebt über ihm das Damoklesschwert eines drohenden Ermittlungsverfahrens - etwa wegen Beihilfe zum Missbrauch durch Unterlassung. Logische Konsequenz: Der Zeuge gab sich wortkarg: "Dat möchte ich jetzt mal nicht sagen", entgegnete er auf die meisten Fragen des Vorsitzenden Richters. Was der Mann verriet: Den in einem Jugendheim untergebrachten Kindern "geht's gut, sie schreiben mir regelmäßig und sind traurig, dass ich nicht da bin".

Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Das Urteil fällt voraussichtlich am 12. März.

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