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Winzer fürchten Umsatzeinbußen

Winzer fürchten Umsatzeinbußen

Die sechs rheinland-pfälzischen Weinbauverbände schlagen gemeinsam Alarm. Sie wehren sich gegen eine zu umfängliche Vergrößerung der Rebfläche in Deutschland, die zu Umsatzeinbußen der Winzer führen werde.

Mainz. Die Weinerzeuger kämpfen nach Einschätzung von Rolf Haxel aus Cochem, Präsident des Weinbauverbands Mosel, mit einer schwierigen Ertragslage. "Das Geschäft stagniert", sagt Haxel und verweist unter anderem auf die im vergangenen Jahr geschrumpften Exporte ins Ausland. Die Lieferungen gingen laut Industrie- und Handelskammer Trier 2014 um zwölf Millionen auf 117 Millionen Liter zurück.
Ausgerechnet in dieser Situation droht den Weinbauverbänden weiteres Ungemach. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft hat vor wenigen Tagen einen Gesetzentwurf zur Änderung des Weingesetzes vorgelegt. Damit soll das ab dem 1. Januar 2016 geltende neue EU-Genehmigungssystem für Rebanpflanzungen in nationales Recht umgesetzt werden. Brüssel lockert den 1976 verhängten Anbaustopp für Reben und ermöglicht es den Staaten, die Anbaufläche für Wein pro Jahr um bis zu ein Prozent zu vergrößern.

Der Berliner Gesetzentwurf sieht eine Ausdehnung der Rebfläche nur um 0,5 Prozent pro Jahr vor, doch selbst das halten die rheinland-pfälzischen Weinbauverbände Ahr, Mittelrhein, Mosel, Nahe, Pfalz und Rheinhessen für zu viel. "Der Markt kann neue Flächen in dieser Größenordnung gar nicht aufnehmen", warnt Ingo Steitz, Präsident des Weinbauverbandes Rheinhessen. Seine Befürchtung: "Wir Erzeuger sind die Betroffenen und müssen das Ganze ausbaden."

Zurzeit gibt es in Deutschland eine mit Reben bepflanzte Gesamtfläche von 100 000 Hektar. Davon entfallen 60 000 Hektar auf Rheinland-Pfalz, das also das größte Weinbau-Bundesland ist. 0,5 Prozent mehr Fläche hieße: 500 Hektar mehr pro Jahr. "Es gibt schon einen erheblichen Marktdruck. Ein Mengenzuwachs führt unweigerlich zu Umsatzeinbußen", sagt Steitz. Die Verbände plädieren für maximal 0,1 Prozent mehr Fläche pro Jahr.
Mosel-Kollege Rolf Haxel ergänzt, deutschlandweit existierten noch für rund 3000 Hektar Pflanzrechte, die bislang ungenutzt seien, davon allein 864 Hektar an der Mosel. "Diese brachliegenden Flächen wollen wir zunächst aufbrauchen."

Ein weiterer Kritikpunkt der Weinbauverbände: In dem Gesetzentwurf seien Prioritätskriterien zur Zuteilung der Neuanpflanzungen zu finden, die nicht den Interessen der rheinland-pfälzischen Winzer entsprächen. Nur zwei Kriterien sollen zugelassen werden: Steillage und geschützter Ursprung.
Die rheinland-pfälzischen Weinbauverbände sind sauer auf Weinbauministerin Ulrike Höfken (Grüne), von der sie sich im Stich gelassen fühlen. Höfken sieht wenig Chancen, die vom Landtag im Sommer 2014 einstimmig beschlossene Quote für Neuanpflanzungen auf 0,1 Prozent zu begrenzen. Andere Länder forderten eine Ausweitung um ein Prozent. "Die im Entwurf des Weingesetzes geplante Ausweitung um 0,5 Prozent könnte einen möglichen Kompromiss darstellen", sagt Höfken.
Christine Schneider (CDU), Vorsitzende des Agrarausschusses des Landtags, übt Kritik: "Das Vorgehen der Ministerin ist nicht nur ein Affront gegen das Parlament, sondern auch gegen die Auffassung aller Weinbaupräsidenten." Höfken müsse sich für die 0,1-Prozent-Quote einsetzen.