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"Wir richten uns nach den Kindern"

"Wir richten uns nach den Kindern"

MAINZ/TRIER. Diskussion um die frühere Einschulung: Die Reaktionen auf unsere Berichterstattung zeigen, dass viele Eltern verunsichert sind. Darüber sprachen wir mit der Mainzer Bildungsministerin Doris Ahnen.

Worin liegt der Vorteil einer früheren Einschulung? Ahnen: Wir haben die Einschulungsregelungen in der letzten Schulgesetznovelle 2004 flexibilisiert, um besser auf die individuelle Entwicklung von Kindern eingehen zu können. Die Erfahrungen zeigen, dass dieser Weg den Interessen von Eltern und Kindern näher kommt als ein generelles Vorziehen der Einschulung auf fünf Jahre. Besteht aber nicht die Gefahr, dass Kinder immer früher verschult werden?Ahnen: Bei unserem Konzept nicht. Wir wollen den Bildungsauftrag der Kindertagesstätten stärken und die alters- und kindgerechte Förderung verbessern. Kinder haben eine natürliche Neigung, Dinge zu erforschen und Neues zu entdecken. Diese Gabe gilt es, möglichst frühzeitig zu unterstützen. Worin unterscheidet sich der rheinland-pfälzische Weg von dem anderer Bundesländer? Ahnen: Mit der Stärkung des Bildungsauftrags und der Beitragsfreiheit für das letzte Kindergartenjahr setzen wir einen Schwerpunkt in den Kindertagesstätten. Wir richten unser Augenmerk auf die individuelle Entwicklung der Kinder und nicht auf starre Einschulungstermine für Fünfjährige. Deshalb können in Rheinland-Pfalz Kinder früher eingeschult werden, aber die Entscheidung treffen Eltern und Schule mit den Kindertagesstätten gemeinsam. Wie werden die Schulen auf die frühere Einschulung vorbereitet?Ahnen: In allen Schulen und Klassen gibt es schon immer Unterschiede zwischen den Kindern, im Alter und in der Entwicklung. Schulen und Lehrer berücksichtigen das in ihrer pädagogischen Arbeit. Die Zusammenarbeit von Grundschule und Kindergarten soll weiter verstärkt werden, indem die verbindliche Abstimmung der jeweiligen Bildungsprogramme gesetzlich verankert wird. Dazu gehören auch gemeinsame Fortbildungen von Lehrkräften und Erzieherinnen. Welche Konsequenzen zieht das Land noch aus der Pisa-Studie? Ahnen: Eine umfassende Qualitätsentwicklung in den Schulen, die Reform der Lehrerausbildung, den Ausbau der Ganztagsschulen und einen massiven Ausbau der Sprachförderung von Kindern. Das Interview führte unser Redakteur Bernd Wientjes.