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"Wir wollen den Fehlentwicklungen einfach nicht mehr zusehen"

"Wir wollen den Fehlentwicklungen einfach nicht mehr zusehen"

Die Studie "Zukunft Bildung in der Region Trier" deckt Schwachstellen auf. Die Nikolaus-Koch-Stiftung will mit insgesamt 275 000 Euro dazu beitragen, zumindest einige dieser Schwächen zu beseitigen.

Trier. Eine so komplexe Studie über die Bildungssituation in der Region Trier hat es bislang nicht gegeben. Auf der Basis von empirischen Daten, Dokumentenanalysen, Experteninterviews und Gruppendiskussionen mit Jugendlichen hat die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung (DKJS) im Auftrag der Nikolaus-Koch-Stiftung untersucht, wie in der Stadt Trier und den vier Landkreisen Bildungswege von der Kindertagesstätte bis ins Studium oder den Beruf derzeit verlaufen. 35 000 Euro hat die Untersuchung gekostet, die am Freitag der Öffentlichkeit vorgestellt worden ist. "Wir sind sehr froh, dass wir uns dazu entschieden haben", sagt Manfred Bitter, Vorsitzender der Nikolaus-Koch-Stiftung. "Wir wollen selbst Prioritäten setzen. Deshalb war nicht nur die Analyse, sondern auch die Erarbeitung von Handlungsempfehlungen der Auftrag." Auf 85 Seiten finden sich davon viele. Das betont auch Julia Schneider, kommissarische Leiterin der DKJS-Regionalstelle. So gebe es zum Beispiel Handlungsbedarf bei der Suche nach einem einheitlichen Verständnis von Inklusion. Sprachförderung sei ebenso ein wichtiges Thema wie die wohnortnahe Familienbildung. "Wichtig ist es darüber hinaus, den Übergang von der Kindertagesstätte in die Grundschule zu verbessern", sagt Schneider. Der Handlungsschwerpunkt, für den sich die Nikolaus-Koch-Stiftung entschieden hat, setzt in den Schulen an. Denn die Studie dokumentiert einen spürbaren Fachkräftemangel. Gleichzeitig können Ausbildungsplätze oft nicht besetzt werden. "Viele Schüler wissen gar nicht, welche beruflichen Möglichkeiten sie haben", sagt Julia Schneider. Oft gebe es Frust und Resignation bei Lehrkräften und Berufsberatungen angesichts der mangelnden Lernmotivation und der nachlassenden Reife der Jugendlichen. Manfred Bitter formuliert es drastisch: "Wir wollen bei den Fehlentwicklungen einfach nicht mehr zusehen." Deshalb lobt die Nikolaus-Koch-Stiftung zum dritten Mal einen Preis aus. Mit insgesamt 195 000 Euro sollen mindestens drei Schulen unterstützt werden, die Projekte, Konzepte und Modelle zum Thema "Übergang Schule-Beruf und Stärkung des mittleren Bildungsweges" in besonderer Weise entwickeln und umsetzen. Zum Beginn des neuen Jahres werden die Teilnahmebedingungen auf der Internetseite der Stiftung eingestellt, bis zum Sommer soll dann eine kompetent besetzte Jury entscheiden. Die Studie belegt, dass bei der Wahl der Schule das Image der Bildungseinrichtung eine große Rolle spielt. Auch das haben die Vorstandsmitglieder der Nikolaus-Koch-Stiftung mit ihren Preisen und Projekten im Blick. "Uns geht es darum, die Dinge in die Fläche zu tragen", sagt Manfred Bitter. 80 000 Euro stellt die Stiftung deshalb der DKJS für die Fortbildung von mehr als 360 Fachkräften zur Verfügung. Diesen werden die Erkenntnisse aus den bisher geförderten Projekten zur frühen Bildung, Betreuung und Erziehung vermittelt. Extra

Die Nikolaus-Koch-Stiftung engagiert sich für frühe Bildung, Schulbildung, Berufsbildung und Fortbildung in der Region Trier. Sie unterstützt Schulen, Universität und Hochschule und vergibt Stipendien für Studierende. Zudem unterstützt die Stiftung Waisenhäuser und Institutionen für behinderte Menschen. Die Stiftung, deren Kapital aus dem Nachlass der Verlegerfamilie Nikolaus und Luise Koch stammt, gehört zu den wichtigsten Förderern in der Bildungs- und Forschungsfinanzierung der Region Trier. red nikolaus-koch-stiftung.de