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Wird beim Löschen bald auf die Uhr geschaut?

Wird beim Löschen bald auf die Uhr geschaut?

Schon heute haben viele freiwillige Feuerwehren in der Region Nachwuchssorgen. Das Problem könnte sich sogar noch verschärfen, wenn Pläne der EU-Kommission zur Arbeitszeit in die Tat umgesetzt werden. Einige Funktionäre und Politiker malen bereits den Teufel an die Wand; andere vertrauen auf die Behäbigkeit der EU.

Trier. Der Aufschrei des Deutschen Feuerwehrverbands (DFV) war kaum zu überhören. Werde die neu gefasste Arbeitszeitrichtlinie der Europäischen Union Wirklichkeit, mahnte unlängst DFV-Präsident Hans-Peter Kröger, stehe die Existenz der freiwilligen Feuerwehren auf dem Spiel. Ähnlich drastisch formulierten es auch Krögers Kollegen aus den Bundesländern. "Wenn das so kommt, ist das das Ende der freiwilligen Feuerwehren", heißt es aus Schleswig-Holstein, "dann ist die Sicherheit der Bevölkerung nicht mehr gewährleistet", prophezeit der rheinland-pfälzische Feuerwehrchef Otto Fürst.
Darum geht\'s: In der EU-Arbeitszeitrichtlinie ist festgelegt, dass die wöchentliche Arbeitszeit in den Ländern der Europäischen Union 48 Stunden nicht übersteigen darf.
Nun gibt es aber Pläne der Kommission, ehrenamtliche Tätigkeiten auf die reguläre Arbeitszeit anzurechnen, wenn die Jobs auch von Angestellten und Beamten gemacht werden. Bei den Feuerwehren ist das der Fall. Heißt im Klartext: Wer sich neben seinem normalen 40-Stunden-Job ehrenamtlich bei der Freiwilligen Feuerwehr engagiert, darf dort höchstens acht Stunden in der Woche aktiv sein.
Übungen und Fortbildungen


Ein Witz, finden die Floriansjünger. Denn die acht Wochenstunden zusätzlich sind bei der Feuerwehr schnell erreicht, weiß auch Landespräsident Otto Fürst. Größere Wehren kommen leicht auf mehrere Einsätze pro Woche, daneben gibt es für die Feuerwehrleute regelmäßig Übungen, Gerätewartungen und Fortbildungen.
Würde die Neuregelung eingeführt, könnte es zu der paradoxen Situation kommen, dass ehrenamtliche Feuerwehrleute nur deshalb nicht eingesetzt werden dürfen, weil sie ihr wöchentliches Stundendeputat bereits erfüllt haben. "Dann bräuchten wir noch mehr ehrenamtliches Personal", sagt Landesverbandspräsident Otto Fürst, "dabei haben wir schon jetzt vielerorts Personalprobleme."
Quer durch die Republik haben die Feuerwehrfunktionäre inzwischen Kommunal-, Landes-, Bundes- und Europapolitiker auf das drohende Dilemma aufmerksam gemacht. "Die Arbeitszeitrichtlinie sollte Arbeitnehmer schützen, sie aber nicht im privaten Bereich bevormunden", heißt es aus den Reihen der Unionsfraktion im Bundestag. Wer ehrenamtlich tätig sei, dürfe nicht noch durch unsinnige Bürokratie belastet werden.
Das sehen auch die Funktionäre des Feuerwehrverbands so. Sie befürchten, dass von einer Neuregelung der Arbeitszeitrichtlinie auch andere Bereiche mit einem hohen Anteil Ehrenamtlicher betroffen wären. "Wenn die Ehrenamtlichkeit unter den Arbeitnehmerbegriff fällt, wäre dies auch für Sanitätsorganisationen wie das Rote Kreuz oder Trainer in Sportvereinen problematisch", meint auch die regionale CDU-Europaabgeordnete Christa Klaß.
Bei der Europäischen Kommission hält man sich einstweilen bedeckt, verweist auf die derzeit laufenden Gespräche zwischen Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Sozialverbänden.
Letzte Richtlinie gescheitert


"Erst wenn diese entschieden haben, liegt der Ball wieder bei der Kommission", sagt Sprecherin Kerstin Streich und fügt hinzu: Natürlich sei sich die Kommission "der unverzichtbaren Dienste der freiwilligen Feuerwehren bewusst".
Andere vertrauen da schon lieber auf die Erfahrungen in der Vergangenheit. Nach Angaben des schleswig-holsteinischen Europa-Staatssekretärs Heinz Maurus ist die letzte Überarbeitung der Arbeitszeitrichtlinie 2009 nach fünfjähriger Kompromisssuche am Ende gescheitert.
Womöglich droht diesem Vorhaben ja nun ein ähnliches Schicksal.