Wird Joachim Paul doch nicht AfD-Chef in Rheinland-Pfalz?

Paul, Frisch oder Junge? : Wer wird der neue AfD-Chef im Land?

Joachim Paul steht nach Vorwürfen unter Druck. Ein Bundestagsabgeordneter fordert ihn auf, auf den Landesvorsitz zu verzichten und setzt auf den Trierer Michael Frisch.

In der rheinland-pfälzischen AfD wächst wenige Tage vor dem Parteitag in Bingen der Druck auf Joachim Paul, der unter Verdacht steht, vor Jahren einen Beitrag für eine NPD-nahe Zeitschrift geschrieben zu haben. Der pfälzische AfD-Bundestagsabgeordnete Heiko Wildberg fordert Paul auf, die angekündigte Kandidatur zum AfD-Landeschef aufzugeben. „Joachim Paul sollte in dieser Situation Größe zeigen und darüber nachdenken, auf die Kandidatur zu verzichten. Wenn er nicht nachhaltig beweisen kann, mit den Vorwürfen nichts zu tun zu haben, nimmt die Partei Schaden“, sagte Wildberg unserer Zeitung. Wer morgens in den Rasierspiegel schaue, müsse sich aufrecht und ohne schlechtes Gewissen betrachten können, betonte der Bundestagsabgeordnete spitzfindig.

Als Nachfolger von Uwe Junge hat Wildberg einen ganz eigenen Favoriten, der aus Trier kommt. „Mein Wunschkandidat für den Parteivorsitz ist Michael Frisch, der integrierend wirkt. Ich kann mir keinen Besseren vorstellen.“ Der Trierer gilt in der AfD als Kandidat, der zwischen den Lagern vermittelt, in der Partei eine hohe Wertschätzung genießt und mit seinem konservativen Profil wenig Angriffsfläche bietet. Der Trierer hält sich offen, Samstag als AfD-Landeschef anzutreten: „Wenn sich die Situation stellt, dass Joachim Paul nicht antreten sollte, würde ich mich zur Verfügung stellen, um eine Lösung in dieser schwierigen Situation zu finden“, sagt Frisch.

Joachim Paul, der die Vorwürfe gegen sich abstreitet, schließt einen Verzicht auf die Kandidatur aber bislang aus. „Die Situation hat sich nicht geändert. Ich werde in Bingen antreten. Ich will die gute Arbeit der AfD Rheinland-Pfalz fortführen“, sagte der 49-Jährige am Donnerstagabend auf Anfrage. Dennoch erscheint fraglicher denn je, ob Joachim Paul tatsächlich Nachfolger von AfD-Landeschef Uwe Junge wird, der in den Bundesvorstand strebt. Auch Junge selber schloss eine erneute Kandidatur am Donnerstag plötzlich nicht mehr kategorisch aus. „Ich bleibe dabei: Ich strebe es nicht aus eigenem Antrieb an“, sagte Junge unser Zeitung zwar, schränkte aber ein: „Auf einem Mitgliederparteitag kann man aber auch nichts ausschließen.“

Die Windrichtung in der AfD drehe sich heftiger gegen Paul, heißt es aus Parteikreisen. Mehrere Mitglieder sagen hinter vorgehaltener Hand, sie würden Paul nicht zur Kandidatur raten, da die Partei Schaden zu nehmen drohe. Eine Sorge bestehe in neuen Enthüllungen, die den Verdacht gegen den AfD-Fraktionsvize weiter nähren könnten und damit auch die Partei belasten, die 2021 im Land und Bund zweistellige Ergebnisse einfahren will. „Die Stimmung ist hochexplosiv, heißt es aus Parteikreisen. Auch Uwe Junge könne als Retter reinspringen, wenn die Stimmung sich beim Parteitag zu stark gegen Paul wende. Junge will aber eigentlich für den Bundesvorstand kandidieren. Bei der Basis gilt der in der Fraktion umstrittenere Junge nach wie vor als beliebt, weil er für Konstanz steht, einen im bundesweiten Vergleich ruhigen Landesverband hinterlässt und bürgerlich-konservatives Profil verkörpert.  Eine erneute Spitzenkandidatur im Land hat Junge nicht ausgeschlossen, der in dieser Woche im Mainzer Parlament eine Einladung an CDU und FDP ausgesprochen hat, in einer gemeinsamen Koalition eine „bürgerliche Bildungswende einzuleiten“. Ein Wechsel zu Joachim Paul könne angesichts der neuen Vorwürfe als „Rechtsruck“ interpretiert werden, sagen Parteimitglieder. Das helfe der AfD in Rheinland-Pfalz nicht. Eine plötzliche Kandidatur vom Bundestagsabgeordneten Sebastian Münzenmaier kommt kaum in Frage, der Mainzer ist jüngst zum AfD-Fraktionsvize im Bundestag gewählt worden und begnügt sich in der Landespartei offenbar damit, sich am Samstag erst einmal als stellvertretender Vorsitzender zur Wahl zu stellen.

Und Paul? Aus Parteikreisen heißt es, für ihn sei es gar von Vorteil, wenn er eine Kandidatur fallen lassen würde. Wenn er die Vorwürfe, für ein NPD-nahes Magazin geschrieben zu haben, aus der Welt räumen könne, könne er immer noch Parteichef werden. Als Fachpolitiker in der Fraktion werde er weiterhin geschätzt. „Eine Ablösung nach einer Wahl zum Landeschef, falls sich Vorwürfe gegen ihn weiter verdichten würden, wäre das Ende seiner politischen Karriere“, heißt es.

TV Redaktionsgespräch mit den Kandidaten zur Stadtratswahl 2019 im Verlagshaus. Michael Frisch (AfD) Ve./Foto: Friedemann Vetter. Foto: Friedemann Vetter

Skurril: „Was am Samstag passiert, weiß keiner“, heißt es von Kennern der Partei. Alles scheint möglich, wenn es um den künftigen AfD-Landeschef geht. Ein überraschendes Comeback von Uwe Junge, ein Kompromiss-Kandidat Michael Frisch  oder der angeschlagene Joachim Paul, der aber mit dem stärksten Gegenwind zu kämpfen hat.

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