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Wirtschaftsprüfer wollen sich wehren, dürfen es aber nicht - Hahn-Verkauf: Land beharrt auf Verschwiegenheit

Wirtschaftsprüfer wollen sich wehren, dürfen es aber nicht - Hahn-Verkauf: Land beharrt auf Verschwiegenheit

Der Verkauf des Flughafens Hahn geht in die nächste Runde: Die Ausschreibung steht nun wieder neuen Bietern offen. Im Streit zwischen dem Land und den Wirtschaftsprüfern von KPMG verhärten sich die Fronten.

Hahn. Kyle Wang gehört wahrscheinlich zu den wenigen Chinesen, die fast jeder Hunsrücker kennt. Der Mann protzt auf Facebook gerne mit teuren Autos, bunten Blazern, jungen Frauen und einem Satz, der zur traurigen Legende wurde. "I got the Hahn". Übersetzt: Ich habe den Hahn bekommen. Hat Wang letztlich nicht. Denn er ist Mitgesellschafter der dubiosen Firma SYT, deren Kaufvertrag für den Hunsrück-Flughafen die rheinland-pfälzische Landesregierung längst angefochten hat, weil eine Teilzahlung ausblieb und ein Bankbeleg offenbar gefälscht war.
Nun ist die Ausschreibung um den Flughafen-Verkauf wieder offen. Sieben Tage haben mögliche neue Bieter Zeit, ein Interesse am Hahn zu bekunden. Bis zum 1. September müssten sie dann detaillierte Pläne vorlegen.
Das Verfahren nennt das Innenministerium auch als Grund, das Unternehmen KPMG nicht von einer Verschwiegenheitspflicht zu entbinden. Das Wirtschaftsprüfungsunternehmen teilte am Dienstag mit, bei der Landesregierung einen Antrag gestellt zu haben, von dieser befreit zu werden. Der Grund: Die Prüfer wollten der Öffentlichkeit verdeutlichen, was ihr Auftrag bei der Käufer-Suche war, was nicht, welche Empfehlungen sie aussprachen und welche Hinweise sie gaben. Sie fühlten sich zuletzt durch öffentliche Vorwürfe "nicht zutreffend wiedergegeben". Von der Landesregierung gab es Kritik, wie die KPMG die SYT geprüft hat. Das Handelsblatt hatte dagegen von einer geplanten Stellungnahme der Wirtschaftsprüfer geschrieben, die die Verantwortung für den geplatzten Deal bei Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz sehe. Was das Unternehmen nun zu sagen hat, bleibt nun zunächst geheim. Das Ministerium beharrt auf Verschwiegenheit. In einer Mitteilung heißt es: "Für das Land Rheinland-Pfalz steht bei allen Bemühen im Vordergrund, das laufende Bieterverfahren zu einem erfolgreichen Abschluss zu führen. Daneben wird intern der gescheiterte Verkauf an SYT aufgearbeitet."
Für Luftfahrtexperte Christoph Brützel steht fest, dass sich eine Panne wie mit dem chinesischen Bieter nicht wiederholen darf. "Ich kann mir bis heute nicht erklären, wie ein professionelles Unternehmen wie KPMG keine Vorbehalte gegen den Bieter und ihren Wirtschaftsplan haben konnten." Er fordert nun, mögliche Käufer "seriös" zu prüfen.
Ein Mann, der Interesse am Flughafen zeigt, ist Siegfried Englert mit der pfälzischen Firma ADC. Der einstige Staatssekretär setzt auf eine Zusammenarbeit mit der chinesischen Luftverkehrsgruppe HNA. Ein erstes Gespräch mit der KPMG wurde am Montag vertagt. "Das hängt mit EU-Regeln zusammen, weil die Ausschreibung wieder von vorne anfängt", sagt Englert.
Große Versprechungen für die Zukunft gibt er nicht ab. Im August gebe es ein Treffen, bei dem er mit Delegierten von HNA über das Zahlenwerk sprechen werde. Die Chancen, dass es für das pfälzisch-chinesische Konsortium mit dem Flughafen klappt, beziffert er vorsichtig. "Ich sage mal 51 Prozent." Auch eine öffentlich bislang unbekannte amerikanisch-chinesische Firma gehört zu den Bietern. Innenminister Lewentz sagte zuletzt, dass sich daneben noch weitere Hahn-Interessen gemeldet hätten. "Wie belastbar diese sind, können wir noch nicht sagen."
Eins ist sicher: Kyle Wang bekommt den Hahn nicht. Dafür gibt es auf Facebook inzwischen die neue Gruppe "Freunde von Kyle Wang". Mitglieder lästern dort über die schrille Kleidung des angedachten Käufers, betitelt wird die Gruppe mit den Worten "I got the Hahn". Wer den Schaden hat, braucht für den Spott wahrlich nicht zu sorgen.