Wissenschaftler streiten in Rheinland-Pfalz über Gefahren von 5G

Mainz : Wie gefährlich ist das schnelle Supernetz?

Forscher warnen vor gesundheitlichen Risiken, wenn neue Funkmasten für 5G entstehen. Ihre Kritiker laden sie dabei nicht ein.

 Autos fahren autonom durch die Städte, Internetnutzer surfen hundertmal schneller durch das Netz als jetzt: Geht es um den künftigen Mobilfunkstandard 5G, verbinden Technikfans damit große Hoffnungen. Doch wie gefährlich ist das neue Supernetz für die Menschen?

Wissenschaftler aus aller Welt warnen momentan bei einem Kongress in Mainz eindringlich vor gesundheitlichen Risiken, die mit dem künftigen Mobilfunknetz, höheren Frequenzen und neuen Sendemasten verbunden sind. Die US-amerikanische Epidemiologin Devra Davis drückt es drastisch aus: „5G ist so gefährlich wie der Klimawandel. Es gibt Konsequenzen für Gesundheit, Ökologie und Bienen, über die gar nicht gesprochen wird.“

Die internationalen Risikoforscher, die in Rheinland-Pfalz den möglichen Folgen von 5G auf den Grund gehen, vermissen vor allem verlässliche Daten. Der Wiener Biologe Wilhelm Mosgöller spricht von einer „grottenschlechten Forschungslage“ und kritisiert: „Wenn wir in der Apotheke ein Medikament kaufen, wissen wir um die Nebenwirkungen. Wenn Handystrahlen in den Kopf eindringen, wissen wir nichts.“

Der schwedische Onkologe Len­nart Hardell fordert, den 5G-Ausbau europaweit aufzuschieben, bis gesundheitliche Folgen wissenschaftlich aufgeklärt seien. Er spricht von bereits jetzt von einem „erhöhten Risiko für Tumore“, das mit neuen Masten und Strahlungen von 5G noch steigen werde. Die Umwelt- und Verbraucherorganisation „diagnose:funk“ warnt vor W-Lan an Kitas und Schulen. Das Erinnerungsvermögen werde schlechter, der Stress größer, Fruchtbarkeit werde geschädigt.

Der französische Mediziner Dominique Belpomme rechnet mit einer rasanten Zunahme an elektrosensiblen Patienten, die behaupten, elektromagnetische Felder wahrnehmen zu können und darauf Beschwerden wie Kopfschmerzen, Müdigkeit bis hin zu Depressionen zurückführen. Belpomme sagt, er kämpfe dafür, dass die Weltgesundheitsorganisation (WHO) Elektrosensibilität als Krankheit anerkenne. In seiner Heimat wurde der Franzose wiederum von der Ärztekammer verwarnt, weil seine Methode wissenschaftlich nicht anerkannt ist. In manchem Forum kritisieren Nutzer auch überteure Behandlungen von Belpomme.

Seine Warnungen vor 5G liegen aber im Trend: Bei der Internet-Suchmaschine und dem Videoportal Youtube suchen Nutzer häufig nach möglichen Gefahren, die mit der Technik verbunden sind.

Das Bundesamt für Strahlenschutz teilt die Sorgen wiederum nicht und gibt Entwarnung. „Nach dem aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand gehen von den elektromagnetischen Feldern, unabhängig von der genutzten Technologie, bei Einhaltung der Grenzwerte keine gesundheitlichen Risiken aus“, sagt Sprecher Jan Henrik Lauer. Der Frequenzbereich, der im Mobilfunk genutzt werde, sei „sehr gut erforscht“. Die Weltgesundheitsorganisation WHO kam 2011 wiederum zu dem Ergebnis, dass Handystrahlung „möglicherweise krebserregend“ sein könne. Viele Experten raten daher, das Smartphone nicht direkt in die Hosentaschen zu stecken, beim Telefonieren  ein Headset oder die Lautsprecherfunktion zu nutzen und nachts in den Flugmodus zu schalten. An verbindlichen Beweisen fehlt es aber. Die Risikoforscher schieben dafür der Industrie die Schuld in die Schuhe. „Die Risiken von 5G tauchen im öffentlichen Diskurs leider kaum auf. Wenn wissenschaftliche Ergebnisse nicht passen, bekämpft die Industrie uns mit Kriegsspielen“, moniert Devra Davis. Die Wissenschaft scheue Gespräche nicht. Gleichzeitig haben die Risikoforscher es beim Kongress in Mainz doch  versäumt, Vertreter der Industrie einzuladen, um sich über 5G auszutauschen. Sie bleiben lieber unter sich. Der Österreicher Mosgöller meint: „Wenn die CSU einen Parteitag hat, lädt sie doch auch nicht die AfD ein.“