„Wo bleibt der große Wurf?“: Nach der dritten Vollversammlung hat die Bistumssynode ihre Richtung gefunden

Saarbrücken. · Konkrete Ergebnisse gab es nach der dreitägigen Versammlung keine – sie waren auch nicht erwartet worden. Eine zentrale Erkenntnis lautet jedoch: Kirche muss in der sich wandelnden Gesellschaft den einzelnen Menschen im Blick haben.

Die Pubertät und damit Fragen wie "Wie läuft der Laden? Wo ist mein Ort?" hat die Trierer Synode hinter sich gelassen. "Wir sind in die Rolle des jungen Erwachsenen gekommen, der schaut, in welche Richtung es geht und wo er anfangen kann, Verantwortung zu übernehmen", umschrieb Synoden-Moderator Wolfgang Drehmann den Entwicklungsfortschritt der ersten katholischen Synode in Deutschland seit 24 Jahren.

"Die Synode ist jetzt im Arbeitsmodus", drückte es Bischof Stephan Ackermann am Ende der dritten Vollversammlung aus. Vom 2. bis 4. Oktober standen im Saarbrücker E-Werk die Zwischenberichte der zehn Sachkommissionen im Mittelpunkt ebenso wie die Frage ihrer Vernetzung.
280 Synodale - zu 60 Prozent Laien - sollen den Bischof bei von ihm festgelegten kirchlichen Themen beraten und Empfehlungen für das Bistum im dritten Jahrtausend aussprechen. Das Spektrum reicht dabei von der Gottesdienst- und Gebetsgestaltung, der Arbeit in Pfarreien bis zur Bedeutung der Familie. Zu Themen wie die Rolle der Frau in der Kirche, der Umgang mit Wiederverheirateten oder die Sexualmoral kann die im Dezember 2013 gestartete Synode keine Empfehlungen aussprechen.

Kirche muss nah am Menschen sein

Die Kirche müsse in einer wandelnden Gesellschaft nah am einzelnen Menschen sein - so lautet eine bisherige Erkenntnis. Die Frage, wie dies gelingen kann, sei in allen Berichten hervorgetreten, so der Bischof und betonte: "Wir wollen nicht für das System Kirche sorgen, sondern für den Menschen. Nicht nur für den Gläubigen."
Dafür sei ein radikales Umdenken notwendig. Er forderte Mut zu neuen Ideen, etwa beim Thema "Zukunft der Pfarrei" nicht nur in den bekannten Bahnen zu denken. "Das System der Volkskirche ist noch da, an vielen Stellen bröckelt es aber", sagte Ackermann.

"Wir brauchen den Perspektivwechsel und müssen auf andere Lebenssituationen schauen", forderte auch die Synodale Cordula Scheich. Sie leitet die Sachkommission "Der Sonntag und die Gestaltung des Sonntagsgottesdienstes". "Wir schauen, welche alternativen Gottesdienstformen statt der Eucharistiefeier möglich sind und fragen: Was prägt die Sonntagskultur? Was wollen die Menschen an Sonntagen?" Viele sähen den Sonntag als Tag der Begegnung. "Was kann die Kirche hier anbieten - auch statt Gottesdiensten?" Sie bezeichnete die Vollversammlung als "inhaltliches Ringen": "Es hat sich gezeigt, dass es Ideen und Visionen gibt. Aber es braucht noch ein Stück Mut, Wege zu gehen und zu schauen, was möglich ist."

Veränderungen brauchen Zeit

Abseits der Versammlungen konnten die Synodalen auf sogenannten "Sehwegen" Saarbrücken kennenlernen: in Begegnungen mit Obdachlosen, mit jungen Bands in der Innenstadt oder aber auch beim Besuch einer Moschee und einem muslimischen Abendgebet. "Wo bleibt der große Wurf?", fragte ein Synodaler im Plenum - eine Äußerung, die die bischöfliche Pressestelle auch im Internetdienst Twitter bekannt gab. Ergebnisse gab es bei dieser Vollversammlung keine - sie waren auch nicht erwartet worden. "Wenn der große Wurf hier verkündet worden wäre, dann wäre ich erschüttert", konterte Bischof Ackermann. "Nach dem Motto: Wieso bin ich nicht früher drauf gekommen? Ich hätte keine Synode ausgerufen, hätten wir mit unseren normalen Mitteln auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren können." Seiner Ansicht nach müssen sich die Kommissionen, die sich im Mai gebildet haben, noch sortieren und besser zusammenfinden. "Das braucht Zeit."

Erste Ausblicke auf mögliche Ergebnisse soll die nächste Vollversammlung im Mai in Koblenz bringen.
Ende 2015 soll die Synode ihren Abschluss finden und konkrete Empfehlungen vorlegen. Diese sind für Bischof Ackermann zwar nicht bindend, aber er hat angekündigt, die Empfehlungen umsetzen zu wollen.