1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Xavier Bettel ist Luxemburgs neuer Liebling

Xavier Bettel ist Luxemburgs neuer Liebling

Xavier Bettel ist nun Luxemburgs neuer Regierungschef. Schon lange gilt der 40-jährige Jurist bei seinen Landsleuten als beliebtester Politiker. Ein Sympathie-Vorsprung, den er über die nächsten fünf Jahre seiner Regierungszeit retten muss.

Luxemburg. Ein bisschen ist Xavier Bettel ein bunter Hund im Polit-Zirkus des Großherzogtums. Nicht nur, dass er sein Bürgermeisterbüro in Luxemburg wie ein "Museum für Pop-Art" mit vielen schrillen Comic-Szenen und quietsch-grellen Kunstwerken drapiert hat, wie es jüngst der Berliner Tagesspiegel formulierte. Bettel hat auch bereits 2008 via Fernsehsendung bei RTL im erzkonservativen Großherzogtum seine Homosexualität geoutet und damit in der Luxemburger Öffentlichkeit tüchtig an Popularität und Sympathie gewonnen.
"Ehrlich" will er sein und "den Leuten die Wahrheit sagen" - dies hat er zumindest für sein privates Leben eingehalten: Seit drei Jahren lebt er in einer festen Lebenspartnerschaft mit dem belgischen Architekten Gauthier Destenay, tritt mit ihm auch gern öffentlich auf, wie etwa bei der Hochzeit des luxemburgischen Erbgroßherzogs Guillaume im vergangenen Jahr.
Ob der liberale Regierungschef und Parteivorsitzende der "Demokratesch Partei" (DP) im Nachbarland diese Offenheit auch in der Politik beibehält, bleibt abzuwarten. Immerhin stimmt Xavier Bettel seine Landsleute bereits vor seiner Vereidigung auf eine "Krisenzeit" ein. So will er mit dem ersten Regierungsprogramm einer Koalition aus DP, Sozialisten (LSAP) und Grünen in Luxemburg "ein Stück weit Geschichte schreiben", wie er sagt. Wohl wissend, dass in dem 193 Seiten starken Werk auch bittere Pillen für die Luxemburger enthalten sein werden - ist doch sein Hauptziel die Sanierung der öffentlichen Finanzen.
Doch der 40-jährige Jurist genießt jede Menge Vorschusslorbeeren beim Volk. Schon seit gut einem Jahr rangiert Bettel in den Meinungsumfragen vor Jean-Claude Juncker, also selbst zu dem Zeitpunkt, als der Polit-Dino mit seiner 18 Jahre andauernden Regierungszeit von der Abhör-Affäre des Geheimdienstes noch unbelastet war.
Beliebte Sprechstunde


Denn Xavier Bettel mag die Menschen, vielleicht mehr noch als sein Vorgänger. So grüßt der Bürgermeister der Stadt Luxemburg seine Anhänger, winkt ihnen zu, schüttelt hier und dort Hände. Vor allem seine wöchentliche Bürgersprechstunde per Internet und Facebook-Profil hat ihm gerade bei der jüngeren Bevölkerung viel Respekt eingebracht.
"Ich brauche den Kontakt zu den Menschen", sagt der neue Regierungschef , der als Staatsminister für Medien und Kommunikation selbst zuständig ist. Was viele Luxemburger seinem Vorgänger Juncker inzwischen absprechen, sei der doch zuletzt viel zu sehr auf sich und sein europapolitisches Profil erpicht gewesen.
Dabei hat Xavier Bettel politisch auch die Ochsentour gemacht: Mit 15 tritt er in die DP ein, ist acht Jahre Chef der Jungliberalen Luxemburgs, rückt 1999 erstmals ins Parlament, in die Chamber, - mit 26 Jahren als bis dahin jüngster Abgeordneter des Großherzogtums. Im selben Jahr kommt er auch in den Gemeinderat der Hauptstadt. Unaufhaltsam geht Bettel seinen Weg: als studierter Straf- und Kirchenrechtler sowie Anwalt genauso wie als Politiker. Ende 2011 drängt er den amtierenden Bürgermeister Luxemburgs und eigenen Parteifreund, Paul Helminger, aus dem Amt - mit Charme und freundlichem Lächeln, aber auch mit dem Ziel des Kurswechsels.
Den strebt Bettel nun auch fürs ganze Land an. Nach seiner ersten Regierungserklärung wird schon in zwei Wochen sein Geschick auf internationaler Ebene gefragt sein. Dann steht die erste große Bewährungsprobe beim EU-Gipfel auf dem Brüsseler Parkett auf dem Plan. Vom Polit-Profi Jean-Claude Juncker erntete Xavier Bettel bereits vor einem Jahr ungewohnt ehrliche Vorschusslorbeeren. "Ich halte ihn für eine der großen Hoffnungen der Luxemburger Politik, auch wenn sein Politik-Stil nicht der meine ist", sagte der langjährige Staatschef. Damals rechnete Juncker freilich selbst nicht damit, dass er bei den Nationalwahlen als langjähriger Regierungschef abgelöst werden würde.
Extra

Malu Dreyer, rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin: "Die partnerschaftlichen Beziehungen zwischen Luxemburg und Rheinland-Pfalz liegen mir sehr am Herzen. Ich freue mich daher, künftig die gute und intensive Zusammenarbeit mit Xavier Bettel als neuem Premierminister Luxemburgs fortsetzen zu können. Ihm und der neuen Regierung wünsche ich eine erfolgreiche Regierungszeit. Die vertrauensvolle und enge Kooperation zwischen Luxemburg und Rheinland-Pfalz, insbesondere im Rahmen der Großregion, prägt das Zusammenleben und die Entwicklung in den Ländern seit Jahren positiv. Gemeinsam mit Luxemburg und den anderen Partnern haben wir seit der Gründung der Großregion vieles auf den Weg gebracht, das sich konkret auf die Lebensbedingungen der Menschen vor Ort auswirkt." wie