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Kita: XXL-Auftrag für die Kleinsten - Studie: Land bei Kitas gut aufgestellt

Kita : XXL-Auftrag für die Kleinsten - Studie: Land bei Kitas gut aufgestellt

Die Personalausstattung der Kitas hat sich im Vergleich zum Vorjahr nicht geändert. Bundesweit ist Rheinland-Pfalz nach Einschätzung der Bertelsmann Stiftung gut aufgestellt. Doch Erzieher sehen dunkle Wolken aufziehen.

(dpa/flor) Toben, spielen, ruhen: Kleine Kinder haben es vergleichsweise gut in Rheinland-Pfalz: Eine bessere Betreuung von Krippenkindern gebe es sonst nur noch in Baden-Württemberg und Bremen, heißt es in der neuen Ausgabe des Ländermonitors zur frühkindlichen Bildung, veröffentlicht am Dienstag von der Bertelsmann Stiftung. Auf eine Fachkraft entfielen zum Stichtag am 1. März vergangenen Jahres 3,5 Kinder unter drei Jahren. 2012 lag dieses Verhältnis noch bei 1 zu 4,0.

Bei Kindern über drei Jahren liegt Rheinland-Pfalz in der Personalausstattung der Kitas bundesweit auf Platz acht. Auf eine Erzieherin kommen durchschnittlich 8,6 Kinder. Das ist wie bei den Krippenkindern derselbe Wert wie ein Jahr zuvor. Allerdings musste 2012 eine Fachkraft noch im Schnitt 9,7 Kinder betreuen.

„Wir ruhen uns nicht auf der guten Platzierung aus“, erklärte Bildungsministerin Stefanie Hubig (SPD) zu den Daten der Studie. „Die Herausforderungen an unseren Kitas werden größer und es geht längst nicht mehr nur um Betreuung.“ Daher habe die Landesregierung für das neue Kita-Gesetz zusätzliche Investitionen von rund 62 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. Diese Mittel sind für pädagogische Fachkräfte sowie für Sozialarbeiter vorgesehen.

Vor fünf Jahren habe es bei den älteren Kindern in Rheinland-Pfalz noch eine ähnliche Situation gegeben wie in Hessen, sagte Anette Stein von der Bertelsmann Stiftung. „Jetzt ist es so, dass pro Fachkraft in Hessen ein Kind mehr betreut werden muss als im Nachbarland, weil in Rheinland-Pfalz systematisch mehr investiert wurde.“

Und doch ist nicht alles eitel Sonnenschein: Zur Umsetzung der von den Experten empfohlenen Personal­schlüssel von 1:7,5 (Kindergarten) oder 1:3,0 (Krippen) fehlen in den Kindergärten rechnerisch 2569 Fachkräfte; in den Krippen sind es 2050. „Die Finanzierungslücke für den Qualitätsausbau in Kitas bleibt riesig“, sagt Bertelsmann-Stiftung-Vorstand Jörg Dräger. Die Stiftung schlägt vor, die Verteilung der Bundesmittel im geplanten „Gute-Kita-Gesetz“ an der Anzahl der Kinder in der Kindertagesbetreuung auszurichten. Rheinland-Pfalz würde dann 2021 und 2022 jährlich knapp 95 Millionen Euro erhalten, errechnete die Bertelsmann Stiftung.

Kritisch angemerkt wird in der Studie die Situation der Kitaleiterinnen. So gaben 2014 rund acht Prozent der Kitas an, keine Zeit für Leitungsaufgaben zu haben – im vergangenen Jahr waren es etwa elf Prozent. Gleichwohl schneidet Rheinland-Pfalz auch bei der Leitungsausstattung besser als ab als im Bundesschnitt. Das Landesgesetz für die Kindertagesstätten wird zurzeit neu gefasst; dabei sollen auch Zeiten für Leitung und Praxisanleitung rechtlich anerkannt und aufgewertet werden.

Die Autoren der Studie haben bis auf Stadt- und Kreisebene untersucht, wie viele Fachkräfte in der Kita auf ein Kind kommen. Dabei ergaben sich auch in Rheinland-Pfalz große regionale Unterschiede. Die beste Betreuung gibt es demnach im Landkreis Germersheim mit 7,2 Kindern je Fachkraft bei den über drei Jahre alten Kindern. Das schlechteste Verhältnis gibt es in den Städten Pirmasens (11,1), Neustadt/Weinstraße (11,0) und Koblenz (10,0).

Die geplante Kita-Novelle soll auch einen Beitrag dazu leisten, regionale Unterschiede auszugleichen, ohne dass die Kitas mit einer besseren Personalausstattung schlechter gestellt werden. Dennoch trauen Erzieher dem Braten noch nicht, weil zugleich die Anforderungen an die Kitas steigen: Ein Recht für Eltern auf eine durchgehende Sieben-Stunden-Betreuung ihrer Kinder stelle die Kitas vor eine Belastungsprobe, die nun noch Mittagspausen anbieten, sagt Erni Schaaf-Peitz, Leiterin einer Kita in Wittlich-Neuerburg und Expertin der Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft (GEW). „Eine höhere Stundenzahl bedeutet mehr Zuwendung für die Kinder. Das muss sich im Personal niederschlagen“, sagt Schaaf-Peitz.

Ähnlich sieht es das Bistum Trier. Eine Sprecherin warnt auch davor, dass sich Personal künftig nicht mehr nach Gruppen, sondern nach Plätzen bemessen soll. Es herrsche die Sorge, dass die Kitas „hinter die zurzeit gültigen Standards zurückgehen könnten“. Und: Das Bistum erwartet vom Land ein Investitionsprogramm, um die Kitas räumlich auszustatten.

Viele Fragen bleiben so offen. Bis zum 5. September haben Verbände Zeit, ihre Stellungnahmen zu dem Gesetz einzureichen. Danach soll der Entwurf ins Parlament gehen. Die Debatte um Kinderbetreuung dürfte dann richtig losgehen.

(dpa)