XXL-Pfarreien: Bistum stellt sich in Neuerburg der Kritik (Update)

XXL-Pfarreien: Bistum stellt sich in Neuerburg der Kritik (Update)

In der Neuerburger Stadthalle fand am Freitagabend die Informationsveranstaltung des Bistums zur geplanten Neuregelung der Vermögensfragen von Kirchengemeinden statt.

Mehr als 300 katholische Gläubige haben gestern Abend in Neuerburg (Eifelkreis Bitburg-Prüm) die Gelegenheit genutzt, um mit Verantwortlichen des Bistums Trier über den geplanten Neuzuschnitt der Pfarreien und die damit zusammenhängenden Vermögensfragen zu diskutieren. Nach den Plänen des Bistums sollen die Immobilien, Grundstücke und Ländereien der 887 Pfarreien den 35 neuen Großpfarreien zugeschlagen werden.

Nachdem unsere Zeitung die Pläne publik gemacht hatte, gab es teils heftige Kritik daran. Einer der Gründe: Etliche Räte fühlen sich von Triers Bischof Stephan Ackermann über den Tisch gezogen und vor vollendete Tatsachen gestellt. Das Bistum spricht dagegen von einer Vorentscheidung. "Wir sind auch da, um zu hören und etwas mitzunehmen", sagte Generalvikar Ulrich von Plettenberg in Neuerburg.

Zu hören bekam die Bistumsdelegation in der Tat eine Menge. Eine junge Pfarrgemeinderätin aus Arzfeld zeigte sich besorgt darüber, das sich jetzt auch die Kirche zurückziehe, statt auf die Menschen zuzugehen. "Ich habe Angst, dass meine Kirche zerbricht." "Warum hat man nicht erst die Basis gefragt und dann entschieden", kritisierte ein Mann aus dem Eifelort Kruchten. Ein Mann aus dem Nachbarort Ammeldingen sagte, er sei enttäuscht und entsetzt darüber, "dass da jetzt alles ohne Grund kaputtgemacht wird". Er sprach sich dafür aus, dass die einzelnen Kirchengemeinden zunächst ihr Vermögen behalten sollten. Auch Priester äußerten Kritik. "Warum ist die Zeitspanne für derartige Umwälzungen so kurz?", wollte der Irreler Geistliche Eugen Monshausen wissen.

Die Finanzchefin des Bistums, Kirsten Straus, warb für die Pläne der Bistumsleitung. Einige Befürchtungen seien überzogen, und es gebe auch künftig noch Möglichkeiten, dass Gelder zweckgebunden eingesetzt würden. Generalvikar Ulrich von Plettenberg lobte die "hohe Aufmerksamkeit und Konzentration" bei den Infoveranstaltungen. Dass sich womöglich nur wenige Skeptiker überzeugen ließen, nahm der bischöfliche Verwaltungschef gelassen. Man habe nicht erwarten können, "dass alle Kritiker mit wehenden Fahnen überlaufen". Den um das zukünftige ehrenamtliche Engagement in einer XXL-Pfarrei bangenden Gläubigen sagte von Plettenberg: "Sie werden nicht überflüssig, wir werden Sie weiter in die Verantwortung nehmen."

Einige Kritiker, wie das Führungstrio des Prümer Kirchengemeindeverbands, blieben der gestrigen Veranstaltung fern. Sie wollen am Dienstagabend über das weitere Vorgehen beraten. "Wir prüfen juristische Schritte", sagte Vorsitzender Peter Meyer unserer Zeitung.

Nach Neuerburg ist noch eine weitere Infoveranstaltung zum geplanten Umgang mit dem Vermögen der Kirchengemeinden am Freitag, 13. Oktober, 19 Uhr, im Trierer Robert Schuman-Haus.

So geht's jetzt weiter
(sey) Noch ist in Sachen Neuzuschnitt der Pfarreienlandschaft nichts endgültig in trockenen Tüchern. Die sogenannte Resonanzphase, in der die Gläubigen Änderungsvorschläge machen können (bislang sind laut Generalvikar Ulrich von Plettenberg über 2500 eingegangen), läuft noch bis Ende September. Am 24. November soll von den Räten, den Leitungsgremien des Bistums und Vertretern kirchlicher Berufsgruppen und Einrichtungen abschließend über das Thema beraten werden. Bis Ende des Jahres wird Bischof Stephan Ackermann die Neugliederung in Kraft setzen.

Mehr von Volksfreund