Zahl der Islamisten in Rheinland-Pfalz steigt

Zahl der Islamisten in Rheinland-Pfalz steigt

Die Zahl der in Rheinland-Pfalz lebenden Islamisten hat sich nach Volksfreund-Recherchen im vergangenen Jahr erhöht. Der Verfassungsschutz geht von 845 extremen Muslimen aus, zehn mehr als noch 2012.

Trier. Der Fall sorgte bundesweit für Schlagzeilen: Eine 19-jährige Triererin soll Verbindungen zu radikal-islamistischen Salafisten haben und im Herbst 2013 in einem syrischen Terrorcamp ausgebildet worden sein. Die Ermittler vermuten, dass sie sich dort auch im Umgang mit Sprengstoff und Waffen schulen ließ. Experten für politisch motivierte Kriminalität des Trierer Polizeipräsidiums ermitteln gegen die mittlerweile in Köln lebende ehemalige Gymnasiastin aus Trier.
Die Ermittlungen dauerten noch an, bestätigte sowohl ein Sprecher des Trierer Polizeipräsidiums als auch ein Sprecher der für den Staatsschutz in der Region zuständigen Staatsanwaltschaft Koblenz unserer Zeitung. Mittlerweile sei die Wohnung der 19-Jährigen in Köln durchsucht und Beweismittel sichergestellt worden. Um welche Beweismittel es sich handelt, sagte der Sprecher der Staatsanwaltschaft allerdings nicht.
Es gebe immer wieder Ermittlungsverfahren gegen Islamisten und Salafisten. Nach TV-Recherchen hat sich die Zahl der Islamisten, also Muslime, die ex tremistisches Gedankengut vertreten und verbreiten, im vergangenen Jahr von 835 auf 845 erhöht. Eine Bestätigung dafür gab es aus dem rheinland-pfälzischen Innenministerium nicht - mit Verweis auf den Verfassungsschutzbericht, der am Mittwoch vorgestellt werden soll. Nach Erkenntnissen der rheinland-pfälzischen Sicherheitsbehörden sind einzelne Islamisten aus Rheinland-Pfalz nach Syrien und in andere radikal-islamistisch geprägte Länder ausgereist. Dem Verfassungsschutz liegen aber wohl keine gesicherten Erkenntnisse vor, dass sich diese Islamisten der irakischen Terrorgruppe Isis angeschlossen haben.Extra

Der Salafismus ist eine religiöse und politische Bewegung des Islams, die nur von einer kleinen Minderheit der Muslime getragen wird. Salafisten lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine "islamische Ordnung" mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an. Sie vertreten einen rückwärtsgewandten Ur-Islam und wenden sich gegen jede theologische Modernisierung. Die Gleichberechtigung der Geschlechter lehnen Salafisten ab. Aus ihrer Sicht weist der Islam Frauen allein die Rolle der Ehefrau und Mutter zu. Die Zahl der Salafisten in Deutschland ist nach Einschätzung des Bundesamts für Verfassungsschutz bis Ende 2013 auf 5500 gestiegen. Die Zahl dürfte jedoch höher sein. Im syrischen Bürgerkrieg sind nach unbestätigten Hinweisen des Bundesamts für Verfassungsschutz mehr als 25 aus Deutschland stammende Islamisten ums Leben gekommen. Die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) hat vor allem im Nordosten des Landes die Kontrolle erlangt. Dort greift die Gruppe kurdische Städte an und massakriert Zivilisten. Die Gruppe überwarf sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front. Im April 2014 sagte sich Isis von Al Kaida los. dpa

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