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Zahlen in Rheinland-Pfalz: So wirkt die Impfung gegen das Coronavirus

Corona-Pandemie : Neue Zahlen beweisen, wie gut die Impfung im Land wirkt

Ein schwerer Corona-Verlauf trifft in Rheinland-Pfalz zu 99 Prozent an Menschen, die keinen oder unvollständigen Impfschutz haben. Warum sich auch Menschen trotz Impfung infizieren und wie schwer der Verlauf ist, ordnen ein Virologe und neue Zahlen ein.

Geht es nach den Zahlen des Landes und täglichen Erfahrungen in der Region, schützen Impfungen massiv vor Corona-Erkrankungen und retten Leben. Wie im Morbacher Seniorenzentrum St. Anna. Dort sind inzwischen 14 Menschen positiv auf das Coronavirus getestet worden, darunter acht Bewohner und sechs Mitarbeiter. Schwere Verläufe habe es aber nicht gegeben, teilt der Betreiber der Senioren­einrichtung mit. Von den durchweg geimpften Bewohnern habe nur einer Symptome gezeigt, die inzwischen vollständig abgeklungen seien. Unter den Mitarbeitern hätten zwei Ungeimpfte deutliche Erkältungsbeschwerden gehabt, die sich inzwischen auch gebessert hätten. Wo die Folgen vor einem Jahr möglicherweise dramatisch gewesen wären, als es keinen Impfstoff gab, sagen die Betreiber nun immerhin: „Die Impfungen zeigen Wirkung.“

Zwar kann das Virus auch geimpfte Menschen erwischen, wie sich in Morbach zeigt. Das Risiko eines schweren Verlaufs sei aber extrem gering, sagt der Mainzer Virologe Bodo Plachter unserer Zeitung. „Aus Studien ist aber bekannt, dass die Corona-Impfung bis zu 95 Prozent vor schwerer Erkrankung und Tod schützt“, sagt er.

Zahlen, die das Landesuntersuchungsamt (LUA) auf Anfrage unserer Zeitung aufbereitet hat, dokumentieren den Schutz in Rheinland-Pfalz. Geht es um Infektionen, Krankenhaus-Einweisungen, Behandlungen auf der Intensivstation oder Todesfälle, die in diesem Jahr in Verbindung mit Corona stehen, sind die Betroffenen zu mindestens 99 Prozent ungeimpft oder haben noch keinen vollständigen Impfschutz. Heißt im Umkehrschluss: Geimpfte gehören bloß mit einem Prozent oder weniger zu den Betroffenen.

Die Auswertung des LUA zeigt: Menschen, die nicht oder unvollständig geimpft waren, machten in diesem Jahr von 84 791 Corona-Fällen 84 230 aus (99,3 Prozent), von 2186 Krankenhaus-Einlieferungen 2166 (99,1 Prozent), von 484 Behandlungen auf der Intensivstation 482 (99,6 Prozent) und von 1162 Todesfällen 1174 (99 Prozent).

Zwölf Menschen, die trotz Impfung in Verbindung mit dem Virus gestorben sind, waren demnach alle älter als 70 Jahre. Virologe Bodo Plachter erklärt: „Gerade ältere Menschen reagieren weniger gut auf Impfungen als junge Menschen. Sie haben am Anfang relativ guten Schutz, der kann aber schnell wieder abnehmen, weil das Immunsystem schwächer reagiert oder sie vielleicht unter Vorerkrankungen leiden.“ Der Mainzer betont, ein Virus könne sich immer irgendwo einnisten, weil die Atemwege relativ groß und weit seien und eine menschliche Lunge glatt gebügelt die Größe eines Squash-Feldes habe. Es sei richtig zu prüfen, ob es Sinn mache, gerade bei Senioren die Impfung ab September aufzufrischen, um den Schutz erneut zu erhöhen. Dass eine Impfung nie hundertprozentigen Schutz biete, sei auch beim jährlichen Grippeschutz der Fall. Plachter stellt – mit Blick auf Covid-19 – aber klar: „Ältere Menschen haben eine deutlich geringere Krankheitslast als vor einem Jahr ohne Impfung. Kommt es zu Impfdurchbrüchen, dann werden die meisten Senioren das nun eher als Schnupfen wahrnehmen. Wir sehen das auch bei der geringen Belegung der Intensivstationen in den Krankenhäusern.“

Geht es nach den Zahlen des LUA, sind in den vergangenen vier Wochen 47 Menschen wegen Covid-19 in Krankenhäuser eingeliefert worden. Darunter war ein Geimpfter. Unter den sechs Patienten, die in dieser Zeit in Rheinland-Pfalz auf der Intensivstation behandelt werden mussten, waren nur Menschen ohne Impfung oder vollständigen Impfschutz. Eine Sprecherin des LUA folgert aus den Zahlen: „Erwachsene, die sich impfen lassen, haben einen klaren Überlebensvorteil.“