Zahlen zum Wohnen im Land: Für Mieter wird’s immer teurer

Zu wenige Wohnungen : Zahlen zum Wohnen im Land: Für Mieter wird’s immer teurer

In allen Kommunen schnellen 2019 die Mieten nach oben. Kritiker warnen vor einer rasant sinkenden Zahl an sozialen Wohnungen.

Das Wohnen wird für Rheinland-Pfälzer immer mehr zum Luxus. In allen Städten und Kreisen sind die Mieten im ersten Halbjahr 2019 gestiegen, teilte die Investitions- und Strukturbank (ISB) in Mainz mit.

Besonders Trierer erlebten dabei manch böse Überraschung. Die Miete in der Stadt wuchs um 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und damit stärker als im landesweiten Schnitt (3,6 Prozent). Wer in Trier eine Wohnung suchte, zahlte pro Quadratmeter im Schnitt 9,41 Euro. In Mainz, dem teuersten Pflaster in ganz Rheinland-Pfalz, mussten Mieter gar 11,45 Euro berappen. Bei den Kreisen ist in der Region Trier-Saarburg (7,18 Euro pro Quadratmeter) am teuersten, die Vulkaneifel (5,35 Euro) am günstigsten.

Doch überall gingen die Preise hoch. Nicht nur bei den Mieten, sondern auch bei den Eigentumswohnungen (8,9 Prozent) und Familienwohnhäusern (5,8 Prozent). Wie stark die Preise explodieren, zeigt sich im landesweiten Vergleich mit dem Jahr 2012: Mieten stiegen bei neuen Verträgen seitdem um 26,4 Prozent, Kaufpreise für Eigentumswohnungen um 80,1 Prozent, für Ein- und Zweifamilienhäuser um 38,1 Prozent.

Der Bauboom hält dennoch ungebrochen an. Rund 13 400 neue Wohnungen sind laut der ISB im vergangenen Jahr in Rheinland-Pfalz entstanden, 2500 mehr als im Vorjahr. Der Kreis Mainz-Bingen lag mit 1500 bei den Kreisen an der Spitze, bei den Städten Mainz (1349). Pirmasens und der Kreis Birkenfeld liegen abgeschlagen am Ende. ISB-Vorstand Ulrich Dexheimer rechnet damit, dass künftig weitere Bagger rollen. Denn auch die Zahl genehmigter Wohnungen stieg im vergangenen Jahr um 14 400 um damit um 6,5 Prozent an.

Das teure Wohnen habe Folgen, warnt Katrin Werner, Landeschefin der Linken. Die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linken, die unserer Zeitung vorliegt, zeige, dass in Rheinland-Pfalz die Zahl von Vollstreckungsaufträgen für Zwangsräumungen „auf hohem Niveau“ um 2500 Fälle pro Jahr liege – Geschäftsräume eingerechnet. Es sei kein Geheimnis, dass es mit einem mittleren Einkommen schwer sei, eine Wohnung in Ballungsgebieten zu finden, sagt die Bundestagsabgeordnete und kritisiert gleichzeitig knapper werdende Sozialwohnungen. Gab es in Rheinland-Pfalz 2008 noch 80 348 davon, waren es 2018 nur noch 52 568, zeigt die Anfrage.

„Diese Erkenntnisse werfen die Frage auf, ob Bund und Land Menschen ausreichend vor Obdachlosigkeit schützen“, kritisiert Werner, die mehr Sozialwohnungen, eine flächendeckende Mietpreisbremse und einen Deckel für Bestandsmieten fordert. „Es ist ein Skandal, dass sich der Staat Jahr für Jahr mehr aus der Verantwortung stiehlt, wenn es um die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum geht“, sagt sie.

Den Rückgang von Sozialwohnungen führt die rheinland-pfälzische Bauministerin Doris Ahnen (SPD) darauf zurück, dass Immobilien nach einer Zeit diesen Status verlieren und Eigentümer diese für mehr Geld vermieten dürfen. Sie sagt: „Neue Sozialwohnungen zu schaffen ist eine Aufgabe für die kommenden Jahrzehnte.“ Rheinland-Pfalz habe damit bereits im Jahr 2015 angefangen, „als die Frage noch keinen Menschen interessiert hat“ und fördere den sozialen Wohnraum mit immer höheren Mitteln.

Die ISB bezuschusste im vergangenen Jahr alleine 3008 Wohnobjekte mit 235,6 Millionen Euro. Für Kommunen, die sich bereit erklären, in einem neuen Baugebiet mindestens 25 Prozent an sozialem Wohnraum zu schaffen, gebe es Landesförderungen, sagt Ahnen, die auch die umstrittene Mietpreisbremse verteidigt. Erste Indikatoren – wie seit 2016 im Landesvergleich eher unterdurchschnittlich gestiegene Mieten in Mainz – wiesen darauf hin, „dass die Bremse eine Wirkung erzielt“.

ARCHIV - 04.12.2018, Sachsen, Dresden: ILLUSTRATION - Zahlreiche Banknoten zu 10, 20 und 50 Euro liegen auf einem Tisch. (Zu dpa "Börsenflaute nagt am Geldvermögen der Menschen") Foto: Monika Skolimowska/zb/dpa +++ dpa-Bildfunk +++. Foto: dpa/Monika Skolimowska
Doris Ahnen ARCHIV - Die damalige Bildungsministerin von Rheinland-Pfalz, Doris Ahnen (SPD), spricht am 23.07.2014 im Landtag in Mainz (Rheinland-Pfalz). Foto: Fredrik von Erichsen/dpa (zu lrs "Doris Ahnen stellt eine neue Förderung für Wohngenossenschaften vor" vom 13.08.2015) +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Verwendung weltweit. Foto: Fredrik von Erichsen

Dietmar Muscheid, Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, fordert dagegen mehr Wohnungen in öffentlicher Hand und in den Landkreisen.

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