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Zehntausende Menschen in der Region können nicht lesen und schreiben

Zehntausende Menschen in der Region können nicht lesen und schreiben

Mehr als 35 Institutionen aus der Region unterzeichnen am Wochenende eine umfangreiche Charta für Alphabetisierung und Grundbildung. Sie ziehen damit die Konsequenz aus einer bundesweiten Studie, nach der 14 Prozent aller Menschen im Erwerbsalter "funktionale Analphabeten" sind.

Die Zahl schockiert: Auf 10 000 haben örtliche Bildungsexperten allein in der Stadt Trier die Zahl von Bürgern zwischen 18 und 64 Jahren hochgerechnet, deren Lese- und Schreibfähigkeit nicht ausreicht, um den Erfordernissen des Alltags gerecht zu werden. Überträgt man das auf die gesamte Region, kommt man schnell auf 50 000 Betroffene.

Spätestens seit die Hamburger Professorin Anke Grotlüschen im Frühjahr ihre groß angelegte, von der Bundesregierung geförderte Studie über Analphabetismus in Deutschland vorlegte, schrillen überall die Alarmglocken. Vor allem die Wirtschaft, auf qualifizierte Arbeitskräfte angewiesen, drängt auf wirksame Alphabetisierungsmaßnahmen.

Denn die Schwäche bei Lesen und Schreiben betrifft keineswegs nur "bildungsferne Schichten" oder Migranten. 58 Prozent der Betroffenen haben einen Job - was im Alltag aber oft mit vielen Problemen verbunden ist, weil sie Anforderungen nicht gerecht werden können, die heute mit fast jeder Tätigkeit verbunden sind. Viele haben sogar einen Schulabschluss geschafft. "Wir müssen uns von manchen Vorurteilen verabschieden", sagt der Leiter des Trierer Bildungszentrums, Rudolf Hahn.

Schon 35 Organisationen hat er zusammengetrommelt, die am Samstag anlässlich der Bildungsmesse im Trierer Messepark ein "Trierer Bündnis für Alphabetisierung und Grundbildung" ins Leben rufen wollen. Kammern und Gewerkschaften sind darunter, Unternehmen wie JTI, Sparkassen, Caritas, Wohlfahrtsverbände, aber auch die örtlichen Agenturen für Arbeit, die Job-Center und Bildungseinrichtungen.

Sie verpflichten sich, die Arbeit öffentlicher Einrichtungen und privater Initiativen zu vernetzen, neue Projekte zur Grundbildung zu initiieren, die vorhandenen Angebote besser nach außen zu präsentieren und das Thema an die Öffentlichkeit zu bringen. "Wir müssen aus der Schmuddelecke raus", sagt Bildungsexperte Hahn, der aus Erfahrung mit Alphabetisierungskursen weiß, wie schwer sich mancher mit dem Bekenntnis tut, nicht oder kaum lesen und schreiben zu können. Das Trierer Bündnis ist nach seiner Kenntnis das bundesweit größte.

Hintergrund: Als wäre es eine ansteckende Krankheit