Zeit, dass sich was dreht

TRIER. Geredet wird viel über Saar-Lor-Lux, Quattropole und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im Dreiländereck. Was davon beim Bürger ankommt, hat eine Studie von Fremdenverkehrsgeographen der Uni Trier erforscht. Mit teilweise recht überraschenden Ergebnissen.

Wer von Trier aus mit dem Auto nach Metz fährt, braucht heutzutage dank Luxemburger Autobahn für die 112 Kilometer eine gute Stunde. Da überrascht es zumindest auf den ersten Blick, dass mehr als 50 Prozent der Trierer die Wegstrecke in die älteste Partnerstadt zwischen eineinhalb und zweieinhalb Stunden ansiedeln. Die engagierte Studie des Geo-Fachbereichs der Uni Trier enthält eine ganze Reihe solcher Erkenntnisse. 289 Trierer haben die 14 Studenten im Frühjahr befragt, auf der Suche nach Wunsch und Wirklichkeit im kleinen Saar-Lor-Lux-Grenzverkehr. Im Mittelpunkt: Das Städtenetz Quattropole, in dem sich Trier, Saarbrücken, Luxemburg und Metz zusammengeschlossen haben. 2000 wurde es gegründet, und die Oberbürgermeister waren so stolz auf sich, dass sie schon den vierten Geburtstag als Jubiläum mit großem Festakt feierten.Bei den Bürgern ist nicht viel angekommen

Bei den Bürgern ist davon bislang nicht sehr viel angekommen. Drei Viertel der Trierer haben den Begriff "Quattropole" noch nie gehört, und von der scheinbar kundigen Minderheit weiß längst nicht jeder die tatsächliche Bedeutung. Anders übrigens das alt-eingesessene "Saar-Lor-Lux", das immerhin 72 Prozent kennen. Der Quattropole-Bekanntheitsgrad sei "noch ausbaufähig", sagte Projektleiter Peter zur Nieden diplomatisch, als er die Ergebnisse kürzlich im Kreis der vier Stadtoberhäupter präsentierte. Dabei fällt auf, dass die wechselseitigen Kenntnisse und Unkenntnisse deutlich differieren. So ist das Verhältnis zwischen Trier und Luxemburg im Laufe der letzten Jahre sehr eng geworden. Sightseeing, Einkaufen, Kultur: Zwei Drittel der Trierer haben die Stadt Luxemburg im letzten Jahr besucht, viele sogar mehrfach. Fragt man, was die Bürger spontan mit der Nachbar-Metropole assoziieren, fallen Begriffe wie "schöne" oder gar "mondäne" Stadt, "Banken- und Wirtschaftszentrum" und natürlich "billig tanken". Fragt man dagegen nach spontanen Eingebungen zu Metz, antwortet die Hälfte mit "nichts", höchstens die Kathedrale haben einige im Kopf. Kein Wunder, hat doch nur jeder Fünfte die Partnerstadt in einem überschaubaren Zeitraum privat besucht. Interessanterweise spiegelt die Analyse der regionalen Zeitungen im Quattropole-Land die Befindlichkeit der Bevölkerung recht genau wider. So erntet der Trierische Volksfreund in der Studie ein Sonderlob für die Luxemburg-Berichterstattung ("vorbildhaft, vor allem in Sachen Kultur"), muss aber auch Kritik einstecken für Defizite in Sachen Metz ("deprimierend"). Im Gegenzug findet Trier im Metzer "Républicain Lorrain" allenfalls als Weihnachtsmarkt-Standort statt. Im "Luxemburger Wort" hingegen schlagen Trierer und Großregion-Themen die Berichte aus dem Saarland oder Lothringen um Längen. Da gebe es Optimierungsbedarf, sagt Wissenschaftler zur Nieden und schlägt eine regelmäßige Quattropole-Ecke in allen vier großen Tageszeitungen der Region vor. Die Info-Säulen rotieren nicht mehr

Aber nicht nur in den Medien lässt sich manches verbessern. Die Jung-Geographen haben in ihrer akribischen Arbeit auch mancherlei Eigen-Defizite der Städte ans Tageslicht gefördert. So beschlossen die Oberbürgermeister 2004 kategorisch einen besseren Informationszugang für die Bürger, unter anderem durch die Aufstellung einheitlich gestalteter, auffällig beleuchteter, sich drehender Info-Säulen in den Rathäusern. Die Praxis sieht anders aus. In Metz gibt es zwar die Säule, aber der Strom zum Drehen und Leuchten fehlt ebenso wie der zugehörige Info-Ständer. Dafür gibt es ganz passable Broschüren bei der Tourist-Information. In Saarbrücken steht die Säule dunkel und unauffällig im seitlichen Rathaus-Foyer. Auch dort wäre es Zeit, dass sich was dreht. Immerhin: Wer sich in diese Ecke verirrt, findet eine gut bestückte Info-Theke. Im Luxemburger Rathaus gibt es weder Säule noch Infos, das gute Stück ist im Foyer des Theaters versteckt - was nicht weiter tragisch ist, weil Infos über die Partnerstädte ohnehin fehlen. Trier kommt in diesem Punkt ganz gut weg: "Quattropole" steht hier beleuchtet und sich drehend mitten im Foyer am Augustinerhof. Zum Jubeln ist freilich kein Grund: Das Informationsangebot, befinden die studentischen Tester knapp, sei "insgesamt spärlich".