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Zensus 2022 - Alles Wichtige zu Fragen, Ablauf, Pflicht & Strafe

Volkszählung : Zensus 2022: Wer muss bei der Befragung mitmachen – und warum?

Seit dem 16. Mai befragen Interviewer Millionen Menschen in Deutschland. Für den Zensus 2022 sammeln sie Daten. Doch wer wird befragt? Ist Mitmachen Pflicht? Und was passiert, wenn man sich weigert? Alles Wichtige auf einen Blick.

Der Zensus 2022 ist am 16. Mai losgegangen: Bei der bundesweiten Volkszählung wollen sich Bund, Länder und Kommunen ein Bild über die Bevölkerung machen. Wie viele Menschen leben in Deutschland? In welchen Verhältnissen leben sie? Was benötigen sie? Dazu befragen Interviewer auch Menschen in ausgewählten Haushalten in persönlichen Gesprächen. Viele Menschen sind sich aber auch unsicher: Gibt es eine Pflicht mitzumachen oder darf man den Fragebogen auch verweigern? Lesen Sie hier die wichtigsten Fragen und Antworten zu der großen Deutschland-Befragung.

Zensus 2022: Warum findet die Volkszählung statt?

Alle zehn Jahre gibt es in Deutschland eine Volkszählung. Dabei sammeln sogenannte Erhebungsbeauftrage Daten über die Bürger, um ihre Lebensverhältnisse besser zu verstehen: Wie viele Menschen Leben in unserem Land? Gibt es genügend Wohnungen? Brauchen wir mehr Schulen, Studienplätze oder Wohnheime? Wo muss der Staat für seine Bürger investieren? Zu einer solchen Volkszählung ist Deutschland übrigens verpflichtet: Denn die Europäische Union verlangt von ihren Mitgliedstaaten, alle zehn Jahre eine Volkszählung durchzuführen.

Wann beginnt der Zensus – und wann endet er?

Stichtag des Zensus 2022 ist der 15. Mai (Sonntag). Von da an dauert es etwa zwölf Wochen bis alle Interviews abgeschlossen sind. Die Zensus-Befragung dauert also von Mitte Mai bis August.

Wer führt den Zensus 2022 durch?

Die Koordination übernehmen die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder. Für die konkreten Befragungen vor Ort sind die Erhebungsstellen in den Kreisen und Gemeinden zuständig.

Wer wird beim Zensus 2022 befragt?

Zunächst fließen die Informationen aus den amtlichen Melderegistern in den Datentopf – und dienen als Basis für die Volkszählung. Deshalb muss nicht jeder Bürger einzeln in Deutschland befragt werden. Bei den Meldedaten kann es aber Ungenauigkeiten geben. Deshalb ergänzen die Behörden diese Zahlen um sogenannte Haushaltebefragungen. Dabei wird ein Teil der Bevölkerung stichprobenartig befragt. Das betrifft etwa 10 Millionen Menschen in Deutschland. Die Ergebnisse rechnen die Ämter dann auf die Gesamtbevölkerung hoch. Außerdem befragen die Erhebungsbeamten alle Wohnungs- und Gebäudeeigentümer (circa 23 Millionen Menschen).

Zensus 2022: Kann ich mich freiwillig zur Befragung melden?

Nein. Die Behörden ermitteln die Anschriften für die Haushaltebefragungen per Zufall. An der Wohnanschrift werden dann alle dort lebenden Menschen befragt. Der Interviewer meldet sich vorab per schriftlicher Terminankündigung (Brief oder Postkarte) bei den Haushalten an.

Fragebogen zum Zensus 2022: Was fragen die Interviewer?

Die Fragen der Interviewer zum Zensus zielen einerseits auf persönliche Informationen der Befragten: unter anderem Name, Geschlecht, Alter, Familienstand oder Staatsangehörigkeit. Das ist aber noch nicht alles. Die Interviewer haben in ihrem Fragebogen auch Fragen zum Bildungsstand der Bewohner stehen – oder in welchen Familien- und Haushaltsverhältnissen sie leben.

Der Fragebogen kann dabei auch recht persönlich werden. Drei Beispielfragen für den Zensus 2022 lauten etwa:

  • Als was haben Sie in der Woche vom 9. bis 15. Mai 2022 gearbeitet?
  • Welchen höchsten allgemeinen Schulabschluss haben Sie?
  • Wie viele Personen haben am 15. Mai 2022 in dieser Wohnung gewohnt?

Übrigens: Die Fragen zum Zensus 2022 finden Sie auch in dem Online-Fragebogen, der auf der offiziellen Internetseite von zensus2022.de verfügbar ist.

Für die Eigentümer bei der Gebäude-­ und Wohnungszählung gibt es zudem Fragen, die ihre Immobilien betreffen: zum Beispiel das Baujahr, die Größe, die Ausstattung oder Angaben zur Miethöhe.

Zensus 2022: Wie läuft das Gespräch ab?

Die Interviewer melden sich bei den Bürgern vorab schriftlich für das Zensus-Interview an. Zu dem angegebenen Termin erscheinen sie dann an der Wohnadresse der Einwohner. Das Interview selbst dauert zwischen fünf und zehn Minuten. Die Befragten können wählen, ob sie den Fragebogen gemeinsam mit dem Interviewer online am Tablet oder schriftlich auf Papier ausfüllen.

Besteht es eine Pflicht, die Interviewer des Zensus 2022 in die Wohnung zu lassen?

Nein, eine Pflicht, die Zensus-Befrager ins Haus zu lassen, gibt es dazu nicht: In die Wohnung lassen müssen Bürger die Interviewer also nicht. Es reicht aus, wenn die Anwohner die gestellten Fragen an der Haustür beantworten.

Kann ich die Zensus-Befragung auch schriftlich oder online durchführen?

Ja, das ist möglich. Wer zu der Befragung ausgewählt ist, kann den Fragebogen zum Zensus 2022 auch online auszufüllen. Die Zugangsdaten zu dem Online-Fragebogen erhalten die Bürger in dem Schreiben, das sie von der Erhebungsstelle bekommen. Bürger können sich den Fragebogen auch am Befragungstag von den Interviewern aushändigen lassen und schriftlich ausfüllen.

Zensus: Werden Menschen in Wohnheimen befragt?

Ja. Neben den zufällig ausgewählten Adressen werden beim Zensus 2022 auch die Bewohner sämtlicher Wohnheime und Gemeinschaftsunterkünfte befragt: also etwa Studierende in Studentenwohnheimen oder die Bewohner von Altenheimen. und Kinderheimen. Denn gerade bei Gemeinschaftsunterkünften sind die Meldedaten oft ungenau. Deshalb sollen die Daten im Jahr 2022 bereinigt werden.

Pflichten und Weigerung: Darf ich die Befragung beim Zensus 2022 verweigern oder gibt es eine Strafe bei Weigerung?

Wer zum Zensus 2022 ausgewählt wurde, kann die Befragung nicht verweigern. Es besteht eine Auskunftspflicht. Wer zur Befragung aufgerufen worden ist, muss laut Paragraf 23 Zensusgesetz 2022 also Auskünfte geben. Diese Pflicht ist laut Statistischem Bundesamt notwendig, um die geforderte hohe Qualität und Genauigkeit der Zensus-Ergebnisse zu erreichen. Auch eine Strafe ist vorgesehen, wenn ein Befragter der Auskunftspflicht nicht nachkommt: Wer die Befragung verweigert, muss mit einem Zwangsgeld von 300 Euro rechnen.

Ich habe Angst, dass sich Betrüger als Interviewer ausgeben könnten? Wie soll ich mich verhalten?

In der Tat besteht die Möglichkeit, dass sich Trittbrettfahrer als Interviewer ausgeben. Davor warnt die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Die Bürger sollten sich deshalb zur Sicherheit den Interviewerausweis des Erhebungsbeauftragen zeigen lassen: Dieser ist nur zusammen mit einem Personalausweis oder Reisepass gültig. Außerdem gilt: Wenn vermeintliche Interviewer vor dem 15. Mai unterwegs sein sollten, sind das keine Zensus-Mitarbeiter. Die Polizei warnt: Das Ziel der Trittbrettfahrer sei es, an sensible Daten zu kommen oder in Wohnungen und Häuser zu gelangen, um dort nach Bargeld, Schmuck oder anderen Wertsachen zu suchen. „Die tatsächlichen Zensusbefrager melden sich stets schriftlich an und stellen beim Interview keinesfalls Fragen nach dem Einkommen oder der Bankverbindung“, sagt die Polizeiliche Kriminalprävention.

Wie viel kostet der Zensus 2022 eigentlich?

Die Durchführung des Zensus kostet den Staat etwas. Das Statistische Bundesamt kalkuliert derzeit mit Kosten für den Zensus 2022 in Höhe von etwa 1,5 Milliarden Euro. Für den Bund entstehen dabei Kosten von 570 Millionen Euro, während die Länder etwa 940 Millionen Euro tragen.

Wann stehen die Ergebnisse des Zensus 2022 fest?

Nach der Erhebung führen die Statistischen Bundesämter die Ergebnisse des Zensus zusammen und bereiten die Daten auf. Die Ergebnisse werden aber erst im November 2023 erwartet.

Weitere Hintergrundinformationen finden Sie auch in dem offiziellen „Factsheet“ des Statistische Bundesamtes.