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Zensus 2022: Warnung vor Kriminellen, die Volkszählung für sich ausnutzen

Behörden warnen : Zensus 2022: Vorsicht vor falschen Volkszählern – So erkennen Sie Betrüger

Der Zensus 2022 ist gestartet. Seit Mitte Mai ziehen Interviewer von Haus zu Haus. Doch Behörden warnen: Die Volksbefragung könnte auch Kriminelle und Betrüger anlocken. Wie können sich Bürger davor schützen?

Der Zensus 2022 in Deutschland ist gestartet. Seit dem 15. Mai ziehen Interviewer der Statistikämter mit Fragebögen von Haustür zu Haustür – bis in den August hinein. In Rheinland-Pfalz sind es rund 390.000 Adressen, die für ein Direktinterview ausgewählt sind.

Kriminelle könnten Zensus 2022 für Betrug ausnutzen

Doch neben den offiziellen Erhbungsbeauftragten könnten auch Kriminelle unter dem Schein des Zensus 2022 unterwegs sein. Davor warnen zumindest Polizei und Statistikämter. Laut Polizeilicher Kriminalprävention ist es das Ziel der Trittbrettfahrer, an sensible Daten zu kommen oder in Wohnungen und Häuser der Befragten zu gelangen. Dort könnten sie nach Bargeld, Schmuck oder anderen Wertsachen Ausschau halten. Zuletzt hat das Bayerische Landesamt für Statistik vor Trittbrettfahrern gewarnt: Kriminelle könnten sich von Bürgern sensible Daten erschummeln. Das Landesamt klärt deshalb auf: „Die Erhebungsbeauftragten dürfen nicht nach Einkommen, Religion, Bankinformationen, Ausweisdokumenten, Passwörtern, Unterschriften oder Impfstatus fragen.“

Betrugsfälle bereits bei der Volksbefragung im Jahr 2011

Die Sorge vor Trittbrettfahrern und Betrügern ist nicht unbegründet. Bereits bei der EU-weiten Volksbefragung im Jahr 2011 kam es zu Betrugsversuchen. Zwar blieb es bei Einzelfällen. Doch schon nach wenigen Wochen häuften sich Meldungen von falschen Zensus-Interviewern. Ihre Masche: Die Bürger vor dem Hintergrund der Zensusbefragungen nach Einkommen, Kontodaten oder Vermögen ausfragen. Auch ob die Menschen allein wohnten, wollten sie wissen. Die Betrüger haben ihre Opfer damals telefonisch kontaktiert oder direkt an ihren Haustüren geklingelt.

Auch falsche Fragebögen sind im Jahr 2011 vereinzelt aufgetaucht, wie der Focus damals berichtete. Diese Bögen enthielten unter anderem Fragen nach der politischen Gesinnung, Vermögensverhältnissen oder dem gesundheitlichen Zustand der Bürger. Das sind alles Fragen, die die Statistikämter auch beim Zensus 2022 nicht stellen werden. Liest man weitere Medienberichte aus dem Jahr 2011 zeigt sich zudem: Die Betrüger hatten es damals vor allem auf ältere Menschen abgesehen.

Daneben sind Fälle bekannt, in denen die Betrüger ihren Opfern kleine Geldbeträge in Aussicht stellten, um sensible Daten abzugreifen. So berichtete die Süddeutsche Zeitung im Jahr 2011 von einem Fall, bei dem sich ein Betrüger als Volkszähler ausgab und sich telefonisch bei einer Dame meldete. Für die Teilnahme an der Volkszählung hat ihr der Mann 40 Euro angeboten. Um ihr das Geld überweisen zu können, sollte die Frau dem Betrüger ihre Kontodaten und die Pin preisgeben.

Die Erfahrungen aus dem Zensus vor elf Jahren zeigen daher: Auch beim Zensus 2022 ist Wachsamkeit vor Betrugsversuchen geboten.

Wie kann ich mich beim Zensus 2022 vor Betrug schützen?

Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes hat den Bürgern einige Hinweise gegeben, wie sie sich vor Betrug schützen können. Darüber hinaus können Bürger mehrere praktische Ratschläge beachten:

  • Steht ein Interviewer vor der Tür, sollten sich die Befragten dessen Interviewer-Ausweis zeigen lassen. Wichtig: Dieser ist nur mit einem Personalausweis oder Reisepass gültig.
  • Der Erstkontakt der Interviewer mit den Bürgern findet immer schriftlich statt. Denn die Zensusbefrager kennen weder die Telefonnummer noch die E-Mail-Adressen der Bürger.
  • Die Zensus-Interviewer kündigen ihren Besuch vorab schriftlich an (per Brief oder Postkarte). Die Interviewer stehen also nie unvorangemeldet vor der Haustür.
  • Interviewer, die vor dem 15. Mai unterwegs sein sollten, sind keine offiziellen Zensus-Mitarbeiter.
  • Echte Zensus-Befrager stellen keine Fragen zum Vermögen, Einkommen oder zur Bankverbindung der Bürger. Auch zur Gesundheit (zum Beispiel Impfstatus) werden keine Fragen gestellt.
  • Um sich mit den Fragen vertraut zu machen, finden Sie auf Volksfreund.de eine Übersicht zum Musterfragebogen des Zensus 2022.
  • Für die Teilnahme an der Volkszählung gibt es keine Entschädigung und kein Geld. Wenn Interviewer Geldbeträge in Aussicht stellen, um dafür zum Beispiel Kontodaten zu erhalten, handelt es sich um Betrüger.
  • Bürger sind nicht verpflichtet, Zensus-Interviewer ins Haus zu lassen. Es ist also Vorsicht geboten, falls vermeintliche Zensus-Befrager verlangen, die Wohnung der Befragten betreten zu dürfen.