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Landwirtschaft und Weinbau: Zoff um Stand des Landes bei der Grünen Woche: „Wie ein Obststand im tiefsten Sozialismus“

Landwirtschaft und Weinbau : Zoff um Stand des Landes bei der Grünen Woche: „Wie ein Obststand im tiefsten Sozialismus“

Die rheinland-pfälzische CDU wettert gegen die Präsentation des Landes auf der Grünen Woche und erntet dafür nicht nur Applaus.

Ein auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichter Beitrag der Bad Kreuznacher Landrätin Bettina Dickes sorgt für Zoff. Hintergrund ist der Auftritt des Landes Rheinland-Pfalz auf der am Sonntag zu Ende gegangenen Grünen Woche. Landrätin Dickes, die nach eigenen Angaben in diesem Jahr zum ersten Mal die Berliner Verbraucher­ausstellung besuchte, lästerte unter Verweis auf den rheinland-pfälzischen Stand: „Ich wünsche mir hier aus Sicht unserer Heimat künftig ein bisschen mehr Lebendigkeit!“  Dazu postete die CDU-Politikerin ein eher trostlos wirkendes Foto des nahezu verwaisten Rheinland-Pfalz-Standes. Darunter ist ein Foto der Präsentation von Sachsen-Anhalt zu sehen. Das ostdeutsche Bundesland belegte auf der diesjährigen Grünen Woche gleich eine ganze Halle. Und der Besucherandrang, so suggeriert es jedenfalls das Foto auf der Dickes-Seite, war enorm. „Man kann sich als Bundesland unterschiedlich darstellen“, so die dazugehörige Anmerkung der Bad Kreuznacher CDU-Politikerin.

Das Internet-Statement löste heftige Reaktionen aus. „Sieht karg aus wie ein Obststand im tiefsten Sozialismus“, lästerte Kommentator Olaf Rieger. „Es ist und bleibt beschämend, wie sich Rheinland-Pfalz auf der Internationalen Grünen Woche präsentiert“, kritisierte der Cochemer Agrar-Staatssekretär und Dickes-Parteifreund Peter Bleser.

Ähnlich äußerte sich auch der Schweicher CDU-Landtagsabgeordnete und Agrarausschussvorsitzende Arnold Schmitt. Der rheinland-pfälzische Auftritt sei „alles andere als repräsentativ“ und „im Sparschwein der Landesregierung gelandet“. Er selbst, so Schmitt, sei in diesem Jahr schon nicht mehr nach Berlin gefahren, „weil ich mich bei den Agrar-Kollegen aus den anderen Bundesländern für unseren Stand nicht mehr rechtfertigen wollte“.

Harsche Kritik, die das Land auf Anfrage unserer Zeitung zurückweist. Rheinland-Pfalz habe sich auf der Grünen Woche „offen und modern im Schulterschluss mit unseren Winzern“ gezeigt, kommentierte der zuständige Landwirtschaftsminister Volker Wissing (FDP). Er habe für die Präsentation hochwertiger Weine im zeitgemäßen Ambiente sehr viel positive Resonanz bekommen.

Facebook-Post der CDU-Landrätin Bettina Dickes. Foto: Bettina Dickes/Dickes

Rheinland-Pfalz hatte auf  der diesjährigen Grünen Woche zum zweiten Mal in die sogenannte Weinlounge eingeladen. Dabei präsentierten elf Winzer, darunter der Trier-Olewiger Peter Terges,  am Stand des Agrarministeriums ihre Weine. Aber auch Terges, immerhin seit 34 Jahren in Berlin mit dabei, kann dem  rheinland-pfälzischen Stand nichts Positives abgewinnen. „Eine Katastrophe und ein Armutszeugnis“, meint Terges, „das sah aus wie der Stall von Bethlehem.“

„Gut gelungen“ und „besser als im Vorjahr“ lautet dagegen das Urteil des Eifeler SPD-Landtagsabgeordneten Nico Steinbach, der auch Vize-Vorsitzender des Agrarausschusses ist. Ebenso wie Steinbach lobt auch die grüne Agrarexpertin Jutta Blatzheim-Roegler die diesjährige Konzentration auf das Thema Wein. Damit habe sich Rheinland-Pfalz von anderen Bundesländern abgehoben. Für die Kritik der Bad Kreuznacher Landrätin haben die beiden Parlamentarier kein Verständnis. „Unpassend und wenig konstruktiv“, meint Steinbach.

Man dürfe den Auftritt des Landes nicht in Bausch und Bogen verdammen, sagt der Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau, Michael Horper. Das Land sei bemüht, auch wenn die Präsentation in der Vergangenheit „schon mal besser, aber auch schon schlechter gewesen“ sei. Und teurer dazu. Laut Horper hat die zehntägige Präsentation früher 350 000 Euro gekostet. In diesem Jahr sind es nach Angaben des Ministeriums zwischen 160 000 und 180 000 Euro.

Rheinland-Pfalz ist bei der Grünen Woche erst seit zwei Jahren wieder mit am Start. Zuvor hatte man eine Zeitlang „aufgrund von Einsparzwängen auf diese teure Selbstdarstellung verzichtet“, wie es die damalige Landwirtschaftsministerin Ulrike Höfken (Grüne) ausdrückte.