Zoff und Zickenalarm

TRIER/SCHWEICH. Ärger mit der besten Freundin, Sorge um die kranke Oma: Mit der "Offenen Sprechstunde" sollen Probleme von Kindern und Jugendlichen frühzeitig aufgegriffen und gemeinsame Lösungsmöglichkeiten gefunden werden.

Ein Multifunktionsraum in der Keune-Grundschule, gefüllt mit Regalen, Tischen und Stühlen. In einer Ecke ist besonderes Mobiliar arrangiert: Ein kleines Regal, gefüllt mit Flyern und Informationsbroschüren, eine Stehlampe, die warmes Licht verbreitet, ein Tisch, auf dem ein Stein, eine Feder, Holzpüppchen und Taschentücher drapiert sind. Eine frische Rose in der Vase und eine flackernde Kerze runden das Ensemble ab, dessen Utensilien Diplom-Pädagogin Clarissa Schmithüsen alle 14 Tage mittwochvormittags in einem "Einsatztäschchen" in die Schule bringt. Hier ist der Ort, zu dem die Keune-Kinder (und mitunter auch Eltern und Lehrer) unter improvisierten Bedingungen kommen können, wenn ihnen danach ist, Probleme zu besprechen - unter Zusage von Verschwiegenheit und Vertrauensschutz. Daher ist folgendes Fallbeispiel nur fiktiv, kommt den tatsächlichen Gesprächsinhalten aber recht nahe. Eine junge Schülerin - wir nennen sie Sara - , deren Eltern getrennt leben, ist traurig, weil sie ihren Papa vermisst. Während die Eltern die Situation gut im Griff haben, leidet Sara massiv darunter, ihren entfernt lebenden Vater nur selten zu sehen. "Ich möchte einen Termin bei dir", habe das Mädchen gesagt, um dann im Gespräch seine Trauer zu formulieren, dass Mama und Papa nicht mehr zusammenleben. Recht vorsichtig, auch mitunter ängstlich, seien die Kinder anfangs in die Beratung gekommen. Für viele sei es nicht selbstverständlich, überhaupt über ihre Probleme zu sprechen, sagt Clarissa Schmithüsen. Seit Einführung der "Offenen Sprechstunde" im Dezember 2004 nahmen 54 Schüler das Gesprächsangebot in der Keune-Grundschule an. Ebenfalls regen Gesprächsbedarf gibt es im Schulzentrum in Schweich. "Der Auftrag des KSB ist es, an die Kinder heranzukommen", berichtet Schmithüsen. Mit der "Offenen Sprechstunde" wird den Kindern ein Beratungsangebot "vor Ort" gegeben. Sie entscheiden von sich aus, ob sie Hilfe wollen. An erster Stelle stehen Trennungsprobleme. Wie die von Sara, die in der "Offenen Sprechstunde" von Schmithüsen auf die "Trennungsgruppe" im KSB aufmerksam gemacht wird - und nun an den Gruppentreffen von Kindern, deren Eltern getrennt leben, teilnimmt. Alltägliche Probleme mit Freunden und Familie stehen an zweiter Stelle, um Leistungsfragen in der Schule geht es fast gar nicht. Mut machen, sich einer Beratungsstelle anzuvertrauen, Impulse setzen, wie das Problem gelöst werden kann, einfach nur Zuhören und da sein: Mit der "Offenen Sprechstunde" wird auf niedrigschwelligem Niveau mit Fachwissen ein präventives Angebot gemacht, um Probleme zu beseitigen, bevor sie richtig groß sind. Eine Vielzahl von Beratungsmöglichkeiten - für Lehrer-, Eltern- oder Kindergruppen - kann sich Schmithüsen vorstellen, die aus den Einzelgesprächen in der Sprechstunde resultieren. Aber für Ausstattung und Personal im KSB fehlten bislang die Finanzen. Ein Lichtstreif am Horizont ist eine Spende der Nikolaus-Koch-Stiftung. Damit soll der Beratungsraum in der Keune-Grundschule behaglicher ausgestattet werden. Vielleicht mit einem Sofa und Vorhängen, hofft Schmithüsen. Und es muss ja nicht allein bei der Keune-Schule bleiben.

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