1. Region
  2. Rheinland-Pfalz

Zu den Angeklagten führt keine eindeutige Spur

Zu den Angeklagten führt keine eindeutige Spur

Bei der Neuauflage des Prozesses gegen vier mutmaßliche Geldautomatenknacker vor dem Trierer Landgericht ist gestern herausgekommen, dass die Polizei kaum Anhaltspunkte dafür hat, dass die Angeklagten an allen ihnen zur Last gelegten Aufbrüchen beteiligt waren.

Trier. Der Ermittler der Kriminalinspektion Wittlich soll eigentlich Anhaltspunkte dafür liefern, dass die vier auf der Anklagebank sitzenden Männer zumindest an zwei von insgesamt acht Geldautomatenaufbrüchen in der Eifel und an der Mosel beteiligt waren. Doch eindeutige Anhaltspunkte kann der 61-jährige Polizist nicht liefern. Keine der an den mit Schweißbrenner und hydraulischem Spreizer geknackten Automaten gefundenen Spuren, wie etwa ein Schuhabdruck, habe den vier Männern zugeordnet werden können, sagt er. Die meisten Spuren an den Tatorten seien vernichtet worden mit Sprudel, Putzmittel oder Schaum aus einem Feuerlöscher. Fingerabdrücke wurden nicht entdeckt. Nur so viel steht fest: Alle Geldautomaten wurden auf ähnliche Art und Weise aufgebrochen - mit brachialer Gewalt.
Die Trierer Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass allein in der Region insgesamt 16 Geldautomatenaufbrüche auf das Konto der Bande gehen. Geschätzte Beute: über eine Million Euro. Doch belegen lässt sich das offenbar nur schwer.
Daher werden den Männern in der Anklageschrift lediglich zwei Aufbrüche in der Region vorgeworfen: im April 2010 in Longkamp (Bernkastel-Wittlich) und sechs Monate später in Reil an der Mosel. Rund 285 000 Euro wurden dabei erbeutet. Die beiden Fälle seien "ausermittelt" sagte der Leitende Trierer Oberstaatsanwalt Jürgen Brauer im Mai dem TV.
Doch ausgerechnet zwischen den beiden Tatorten gibt es anscheinend wenig Zusammenhänge. "Warum Longkamp in den Komplex genommen worden ist, weiß ich nicht", sagt der Wittlicher Ermittler. Wackelt damit die von Staatsanwalt Felix Huth vorgetragene Anklage? Bereits im Juni musste der Prozess gegen die vier Männer ausgesetzt werden. Dabei ging es zunächst nur um die Aufbrüche in Reil und Longkamp sowie einen versuchten Aufbruch im nordrhein-westfälischen Dülmen, bei dem die vier Männer im November vergangenen Jahres festgenommen wurden. Während des Verfahrens bekam die Trierer Staatsanwaltschaft von den Kollegen aus dem niedersächsischen Verden 500 Seiten Ermittlungsakten über drei der mutmaßlichen Geldautomatenknacker. Sie sollen auch Automaten in Stuhr in der Nähe von Bremen und im ostfriesischen Esterwegen auf ähnliche Weise gewaltsam geöffnet haben. Weil sich die acht Verteidiger durch die weiteren Ermittlungen überrumpelt fühlten, beantragten sie, den Prozess auszusetzen. Seit gestern wird wieder verhandelt. Der gesamte Prozess muss von Neuem aufgerollt werden. Neben den drei bereits im ersten Verfahren angeklagten Fällen wird nun auch über die beiden Aufbrüche aus Norddeutschland verhandelt.
Indizien, dass die vier Angeklagten etwas mit den Aufbrüchen in der Nähe von Bremen und in Ostfriesland zu tun haben könnten, ergeben sich aus der Auswertung von Mobilfunkdaten und der Telefonüberwachung der Männer. Demnach hat sich einer der Angeklagten, ein 55-jähriger in Bosnien geborener Deutscher aus Frankfurt, zur Zeit der Aufbrüche in der Nähe von Suhr und Esterwegen aufgehalten und dort mit einem Handy telefoniert. Die gleiche Handynummer wurde auch zum Zeitpunkt des Aufbruchs in Reil geortet. Außerdem habe die Telefonüberwachung ergeben, dass die Angeklagten miteinander mehrmals telefoniert hätten - auf Bosnisch. Wie die Polizei herausgefunden habe, welcher der vier Männer gerade am Telefon war, wollte der Verteidiger des 55-Jährigen wissen. "Durch die Dolmetscher", sagt der Ermittler. Die hätten irgendwann die Stimmen zuordnen können. Der Prozess wird in zwei Wochen fortgesetzt.