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Zum Klauen in die Kirche: Im Osten schlagen die Langfinger häufiger zu als im Westen

Zum Klauen in die Kirche: Im Osten schlagen die Langfinger häufiger zu als im Westen

Mit Alarmanlagen, Tresoren und mehr Kontrollen schützen sich die Gemeinden vor zunehmenden Diebstählen aus kirchlichen Gebäuden. Oft haben Langfinger leichtes Spiel. Doch warum schlagen sie im Norden und Osten Deutschlands häufiger zu als im Rest der Republik?

Anfang Juni vergangenen Jahres traf es die Gemeinden der sächsischen Evangelisch-Lutherischen Landeskirche besonders hart. Innerhalb von nur einer Woche registrierten die Kirchenverantwortlichen sieben Einbrüche. Jeden Tag ein Einbruch - das war selbst für die kriminalitätsgebeutelten sächsischen Protestanten ein bisschen viel des Guten. Zuvor hatte es in der Gegend laut Statistik "nur" alle drei Tage einen Einbruch in ein Kirchengebäude oder Pfarramt gegeben.

Verglichen mit diesen Zahlen leben die katholischen und evangelischen Gläubigen im Bistum oder Kirchenkreis Trier auf einer Insel der Glückseligkeit. Pro Jahr zählen die Verantwortlichen hier insgesamt gerade mal drei Dutzend Einbrüche und Einbruchsversuche. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn häufig müssen Langfinger nicht mal eine Tür oder ein Fenster aufbrechen, um an Beute zu kommen, sondern es reicht aus, wenn sie durch die vielerorts tagsüber geöffnete Kirchentür in das Gotteshaus hineinspazieren. Dort haben es die Kriminellen meist auf Bargeld aus den Opferstöcken, Spendenboxen oder Kerzenkassen abgesehen.

Da ist zwar in der Regel nicht das große Geld zu holen. Doch wer mehrere Opferstöcke hintereinander aufbricht, dürfte nach dem Motto "Kleinvieh macht auch Mist" rasch ein paar Hundert Euro zusammenbekommen.

In der Region Trier verging im vorletzten Jahr kaum ein Monat, in dem unsere Zeitung nicht über aufgebrochene Kirchenkassen berichtet hätte. Im Februar 2015 traf es die Gladbacher Kirche, im März war Manderscheid an der Reihe, im Mai Morbach, im Juni Weiperath und im September Bollendorf. Die Reihe ließe sich mühelos fortsetzen.
Auch in diesem Jahr gab es in der Region schon den ersten Aufbruch eines Opferstocks. In der Kapelle am Weinfelder Maar in der Vulkaneifel schlugen in der vergangenen Woche unbekannte Täter das Schloss kaputt und stahlen das Opfergeld. Es war nicht das erste Mal, dass die Kapelle von Dieben heimgesucht wurde.

Da passt die Aussage eines Fahnders des bayerischen Landeskriminalamts ins Bild, der sagt: "80 Prozent der Diebstähle in Kirchen entfallen auf Opferstöcke." Wenn es die Langfinger nicht schaffen, die oft fest verankerten Behälter aufzubrechen, fingern sie die Scheine und Münzen aus den Geldschlitzen. Die Aufklärungsquote ist wie bei den meisten Diebstählen gering. Wird ein Täter gefasst, kann häufig gleich eine ganze Serie an Aufbrüchen geklärt werden.
Dabei haben auch viele Kirchengemeinden in puncto Sicherheit nachgerüstet. Mal wurden Alarmanlagen installiert, die etwa losheulen, wenn eine wertvolle Christusfigur von ihrem Platz bewegt wird. Andernorts wird das Gotteshaus nur noch geöffnet, wenn auch ein Verantwortlicher da ist, der alles im Blick hat. Oder der Opferstock wird so platziert, dass man ihn beim Öffnen der Haupteingangstür gleich sieht.

"Viele Gemeinden haben auch Prävention gemacht, indem sie in den Kirchengebäuden einfach Gegenstände abgeräumt haben", sagt Lutz Dettmer vom Ecclesia Versicherungsdienst, der katholische Bistümer und evangelische Landeskirchen betreut. Eine denkbar einfache Methode: Wo nichts ist, da kann auch nichts gestohlen werden.
Der Versicherungsexperte hat auch eine Erklärung dafür, warum Einbrecher und Diebe im Norden und Osten deutlich häufiger zuschlagen. "Wo die Kirche noch ein fester Bestandteil des Gemeinwesens ist, liegt die Hemmschwelle für Kriminelle deutlich höher", sagt Dettmer.