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Zur Entspannung auf den Acker

Zur Entspannung auf den Acker

DAUN. Wenn Leo Blum Abstand braucht vom Job als Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau oder seinen zahlreichen anderen Ämtern, entspannt er, wie es einem Bauernpräsidenten angemessener kaum sein könnte: Er melkt auf seinem Hof in Niederbettingen (Kreis Daun) Kühe und pflügt Felder. Heute, Dienstag, wird Blum 60 Jahre alt.

"In meinem Leben war immer Bewegung." Wenn Leo Blum von den sechs Jahrzehnten erzählt, die am 31. Oktober hinter ihm liegen, ist vom jungen Genossenschaftler die Rede, der es bis zum Vorstand einer Bank bringt und zum Vorstandsvorsitzenden der Hillesheimer Molkerei Eifelperle. Es geht um den Politiker, der 1969 in die Junge Union eintritt ("Die 68er-Zeit hat mich angewidert") und in Kreistag, Verbandsgemeinde- und Gemeinderat sitzt, bis er 20 Jahre später die Partei wegen Querelen und Ärgers über die Abwahl Bernhard Vogels verlässt. Sein Engagement in den Selbstverwaltungsgremien der landwirtschaftlichen Sozialversicherungen kommt zur Sprache, das 2001 in den Bundesvorsitz mündet. Vor allem aber spricht Leo Blum über das wichtigste Amt seiner Karriere: Seit Januar 2000 ist er Präsident des Bauern- und Winzerverbands Rheinland-Nassau. Seine Amtszeit habe mit einem Paukenschlag begonnen, berichtet er: der Schweinepest in der Eifel. Auch wenn Probleme wie BSE und Maul-und-Klauenseuche folgten - von agrarpolitischen Herausforderungen ganz zu schweigen -, hat der Bauernpräsident Spaß an seinem Job: "Man muss zwar manchmal dicke Bretter bohren, aber es gibt auch Erfolgserlebnisse." Als prägend in seinem Leben beschreibt Blum vor allem die Nachkriegsjahre. Die Zeit, in der die Menschen der Not zum Trotz die Ärmel hochkrempelten ("Dieser Mut! Diese Energie!"). In der der Vater an einer Kriegsverletzung starb, und die Mutter drei kleine Kinder alleine großzog. In der ihn der Großvater an die Landwirtschaft heranführte, bis er mit 18 Jahren den Hof übernahm. Acht Hektar zählte er damals, heute bewirtschaftet Blum zusammen mit seinem Sohn 180 Hektar. Mit 19 begann er mit dem Bau des Aussiedlerhofs ("ein gewaltiges finanzielles Risiko"), auf dem heute vier Generationen zusammenleben. Mit 23 heiratete er seine Frau Brunhilde, 1970 und 1972 kamen die beiden Söhne zur Welt. Ebenfalls 1972 legte Blum die Meisterprüfung ab, 1978 besuchte er die Deutsche Landjugend-Akademie ("eine Art Kaderschmiede"). Rückblickend sagt er: "Ich habe meiner Familie einiges zugemutet." Zum runden Geburtstag gibt es heute in Koblenz einen Empfang, gut 200 Gäste sind geladen. Was wünscht sich ein Bauernpräsident? "Geldspenden an den bäuerlichen Hilfsfonds für unverschuldet in Not geratene Landwirte. Und privat eine Bücherwand für mein Büro." Dort werden vor allem Biografien und Werke über deutsche Geschichte stehen. Ihnen will sich Leo Blum widmen, wenn er einmal Bauernpräsident a.D. ist. Ob er bei der nächsten Wahl - er wäre dann 63 - noch einmal antritt, lässt er offen. "Ich werde aber auf keinen Fall bis 70 im Amt bleiben." Bis er nach Herzenslust lesen, mit dem Enkel Fußball spielen und seine geliebte Instrumentalmusik hören kann, sucht Leo Blum wohl noch ein paar Jährchen lang auf einigermaßen ausgefallene Weise Ausgleich zum stressigen Funktionärs-Dasein: Indem er Kühe melkt und Äcker pflügt. "Es gibt wenig Entspannenderes", beteuert er, "als den ganzen Tag die Furche rauf und runter zu fahren."