Zuversicht ja, Begeisterung nein

Zuversicht ja, Begeisterung nein

Es geht aufwärts mit Deutschland: Es kommen wieder mehr Kinder auf die Welt. Nur in der Region ging die Zahl der Geburten im vergangenen Jahr offenbar zurück.

Trier/Berlin. Warum im November und Dezember 2007 weniger Kinder in der Region gezeugt wurden, weiß man nicht. Das Ergebnis dieser Flaute jedenfalls hat sich neun Monate später gezeigt. Die Zahl der Geburten in der Region ging nach Angaben des Statistischen Landesamtes im August vorigen Jahres deutlich zurück - 47 Kinder kamen in dem Sommermonat weniger auf die Welt als noch im gleichen Monat ein Jahr zuvor. Im September waren es dann wieder 25 mehr. Doch unterm Strich bleibt im Gegensatz zum gestern von Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen vorgestellten Trend zu mehr Kindern in Deutschland in der Region ein Minus. Zumindest bis September wurden weniger Kinder geboren, 3053 Babys kamen hier auf die Welt, ein Jahr zuvor waren es bis dahin 3088 - ein Rückgang von 1,1 Prozent. Außer in Trier (plus 16 Geburten) und Trier-Saarburg (plus 53) wurden in den restlichen Kreisen der Region weniger Kinder geboren. Im Vulkaneifelkreis kamen in den ersten neun Monaten des Jahres 2008 sogar 64 Kinder weniger auf die Welt, im Eifelkreis Bitburg-Prüm waren es 36 weniger, in Bernkastel-Wittlich vier.

Landesweit stieg die Zahl der Geburten in diesem Zeitraum von 23 656 auf 23 877 (plus 0,9 Prozent). Das Statistische Bundesamt schätzt, dass im vergangenen Jahr rund 690 000 Kinder in Deutschland auf die Welt gekommen sind, knapp 6000 mehr als noch 2007. Die Zahl der durchschnittlichen Kinder pro Frau hat sich seit 2004 von 1,33 auf 1,37 erhöht.

Ministerin von der Leyen warnte gestern bei der Vorstellung des Familienreports in Berlin aber vor allzu großem Optimismus. Die Zahlen seien "kein Grund zur Euphorie", jedoch "ein Grund zur Zuversicht". Um die Zahl der Geburten noch weiter zu steigern, will von der Leyen Paare mit unerfülltem Kinderwunsch stärker unterstützen. Sie hat dabei auf Sachsen verwiesen, wo Betroffene finanzielle Unterstützung erhalten, um die zum Teil hohen Kosten der Behandlung auszugleichen. In Rheinland-Pfalz ist laut Auskunft aus dem Mainzer Sozialministerium eine solche Hilfe nicht geplant. Man strebe eine bundeseinheitliche Regelung zur Finanzierung von künstlichen Befruchtungen an, da sei das Bundesfamilienministerium gefordert, sagte eine Ministeriumssprecherin auf Anfrage unserer Zeitung.

Doch der Familienreport zeigt auch Schatten. Vor allem bei alleinerziehenden Müttern und Vätern reicht das eigene Geld oft nicht zum Leben aus. Rund 40 Prozent von ihnen sind auf Hartz IV angewiesen.

Einer der Hauptgründe dafür: Noch immer hapert es mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Vor allem in Westdeutschland ist das Betreuungsangebot nicht ausreichend. Rheinland-Pfalz scheint da eine Ausnahme zu sein. 15 Prozent der Unterdreijährigen wird laut Statistischem Landesamt in Rheinland-Pfalz in Kindertagesstätten oder von Tagesmüttern betreut. Spitzenreiter unter den Städten im Land ist Trier mit einer Betreuungsquote von 25,6 Prozent, der Landkreis Trier-Saarburg liegt unter den Kreisen der Region mit einer Betreuungsquote von 14,7 Prozent vorne.

Meinung

Konjunkturpaket für Familien

Die Familienministerin weist zu Recht darauf hin, dass gerade in Zeiten von Wirtschaftskrisen die Familienpolitik nicht hintenanstehen darf. Im Gegenteil: Familien brauchen gerade jetzt noch mehr Unterstützung. Es ist schwer begreiflich, dass derzeit in Berlin mit Milliarden nur so um sich geschmissen wird, um angeschlagene Banken und Unternehmen zu retten, während man sich monatelang um zehn Euro mehr Kindergeld streitet. Von Hilfe für Familien ist im Konjunkturpaket nicht die Rede. Noch immer herrscht in der Großen Koalition Uneinigkeit über eine echte Steuerreform, die die Bürger und damit auch die Familien entlastet. Die Regierung müsste jetzt aber möglichst rasch ein Zeichen setzen, um der starken Verunsicherung durch Jobangst und Furcht vor Einkommensverlusten durch mehr Netto im Geldbeutel entgegenzuwirken. b.wientjes@volksfreund.de