Zwei Drittel wollen lieber von Menschen als von Robotern gepflegt werden

Kostenpflichtiger Inhalt: Gesundheit : Pflege durch Roboter? Das sagen Menschen in der Region

Eine Morscheiderin fragte in ihrer Masterarbeit, wie akzeptiert Maschinen im Raum Trier wären, den der Fachkräftemangel besonders plagt.

Die Lage ist dramatisch – und sie spitzt sich weiter zu: Bereits jetzt werden in der Region Trier Hunderte Pfleger händeringend gesucht, weil Kräfte nach Luxemburg abwandern, wo sie deutlich mehr Geld verdienen.  Japan, wo ebenfalls Pflege-Notstand herrscht, setzt daher in Heimen schon Roboter ein, die Haare waschen, Menschen in die Badewanne hieven und mit Senioren spielen. Anja Braun aus Morscheid (Landkreis Trier-Saarburg) hat nun in ihrer Masterarbeit erforscht, wie akzeptiert Pflegeroboter in der Region Trier wären.

Das Ergebnis: 66,4 Prozent von 215 Befragten sprechen sich klar dafür aus, im Alter lieber von einem Mensch als von einem Roboter betreut zu werden, sagt Braun, die als Pflegekoordinatorin in Luxemburg arbeitet. „Ältere und Jüngere, die mit Technik aufwachsen, waren sich in der Antwort überraschend einig“, sagt Braun. 52 Prozent der Befragten lehnten Pflegeroboter völlig ab – mehr als in bundesweiten Vergleichen. Braun führt das darauf zurück, „dass in der Region Trier immer noch konservative Werte wie das soziale Miteinander und Familienzusammenhalt groß geschrieben werden“.

Je intimer die Pflege, desto eher weisen die Befragten in der Masterarbeit die Roboter zurück. „Das Waschen und Essen anreichen ist kaum akzeptiert, obwohl es dem Roboter egal ist, ob ein Pflegebedürftiger dick oder dünn ist“, sagt Braun. „Aber durch menschliche Berührung werden Botenstoffe ausgeschüttet, wodurch Wohlbefinden entsteht. Bei Robotern nicht. Für manche Menschen ist die Körperpflege die einzige Zuneigung, die sie am Tag erleben“, vermutet Braun.

Völlig lehnen Befragte im Raum Trier die Technik aber nicht ab: Wo Roboter helfen, selbstbestimmt und länger in den eigenen vier Wänden zu leben, akzeptieren Menschen sie mehrheitlich, sagt Braun. Das fange beim staubsaugenden Roboter an und reiche bis zu dem Gerät, das Senioren in die Wanne helfe und Pfleger entlaste. Sorge bereite den meisten Teilnehmern in der Umfrage aber der Datenschutz: „Mit Kameras und Mikrofonen ausgestatteten Robotern, die frei agieren, könnten die Hersteller in die Wohnungen sehen. Das wird ganz deutlich abgelehnt“, sagt Braun, die strenge Gesetze verlangt, die es der Technik künftig verhindern, Privatsphäre zu verletzen.

Inakzeptabel seien für Befragte über alle Generationen hinweg Roboter, die Senioren bei Therapien helfen. Viele Länder setzen Tierroboter bereits bei Demenzkranken ein, die auf Streicheln reagieren – wie Katzenkissen oder eine Robbe. „Ich persönliche halte das für Betrug an den Gefühlen von an Demenz erkrankten Pflegebedürftigen, weil es sich nicht um echte Lebewesen handelt. Aber der Markt dafür wächst und hat großes Potenzial“, sagt die Morscheiderin.

Das dürfe wiederum nicht dazu führen, Personal in Pflegeheimen einzusparen, fordert Braun. Sie ist sich zwar sicher: „Roboter werden in den nächsten Jahrzehnten nicht die Pfleger ersetzen.“ Um den Fachkräftemangel zu beheben und das Abwandern nach Luxemburg zu stoppen, müssten die Pflegeinstitutionen in der Region Trier aber schnell reagieren. „Ich habe vor jedem Menschen Respekt, der den Job länger als zehn Jahre ausübt. Es braucht bessere Bezahlung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie und weniger Stress.“