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Zweieinhalb Jahre Synode in Trier: Die jüngste Teilnehmerin und der älteste Teilnehmer ziehen Bilanz

Zweieinhalb Jahre Synode in Trier: Die jüngste Teilnehmerin und der älteste Teilnehmer ziehen Bilanz

Sie haben über die Zukunft des Bistums Trier gegrübelt, diskutiert und abgestimmt: Monsignore Günther Becker (85) und Carolin Müller (22). Am Schluss der Synode resümieren die jüngste Teilnehmerin und der älteste Teilnehmer über Licht und Schatten der Beratung des Trierer Bischofs.

Ältester Teilnehmer der Synode: Günther Becker. Foto: (g_pol3 )

Statt am letzten Aprilwochenende in der italienischen Sonne zu fläzen, ist Carolin Müller (22) aus Bekond (Kreis Trier-Saarburg) in ihrer Studienstadt Rom in den Flieger gestiegen, Richtung Heimat. Seit Beginn der Synode im Dezember 2013 hat die Theologiestudentin an sechs von sieben Vollversammlungen und Treffen der Sachkommission teilgenommen. Mit der Unterschrift des Bischofs unter das mühselig erarbeitete Abschlussdokument hat sie nun weniger Verpflichtungen aber mehr Erfahrungen: Die Synode hat ihrer Meinung nach nicht den großen Wurf gebracht.

"Es war oft ein Wabern im Schwammigen", sagt die ehemalige Messdienerin, die Wangen noch rot vom stundenlangen Zuhören und Abstimmen. Einige Diskussionen - etwa über die Teilhabe von Randgruppen - hätten sich die Synodalen mit Blick ins Evangelium ersparen können. Das Gebot "Liebe deinen nächsten wie dich selbst" etwa sei selbstredend.

Nach Meinung der jungen, engagierten Katholikin braucht Kirche eine radikale Veränderung von innen heraus, die den Kern des Christentums wieder entschält. Dennoch: Der Austausch und die Diskussionen mit ihren Aufs und Abs sei wichtig und fruchtbar gewesen - und für sie persönlich sehr lehrreich, sagt Müller. Der demokratische Prozess, unter anderem mit zig Antragstellungen, habe von allen 280 Beratern des Bischofs seinen Tribut gefordert. "Aber so habe ich mitbekommen, wie es läuft, wenn man gemeinsam um etwas ringt", sagt das Mitglied der Schönstattbewegung, einer geistlichen Gemeinschaft.

Ein Punkt hatte Müller bei Synodenstart besonders am Herzen gelegen: Sie wollte in das Gremium aus Klerikern und Laien hin-eingeben, was junge Menschen bewegt. "Das war schwierig", resümiert sie. Diskussionen über abgehobene Themen seien nicht die Themen der Jugend und bauten Hemmschwellen unter den jungen Leuten auf. Auch einen intensiven Blick auf die klassische Familie habe sie vermisst. Gespannt ist Carolin Müller, was zukünftig umgesetzt wird. "Jetzt fängt es eigentlich erst an", sagt die jüngste Synodale.

Der Älteste im Gremium war Monsignore Günther Becker (86) aus Bad Kreuznach. Sechs Päpste und fünf Bischöfe hat er bislang miterlebt, am Samstagabend ist er erleichtert, dass es vorbei ist. Und froh und dankbar, "dass ich das am Abend meines Lebens mitmachen durfte und erfahren habe, was sich neu entwickelt". Man sei in einer ganz anderen Art, viel offener als früher, miteinander umgegangen. Mit Freude habe er festgestellt, dass das Selbstbewusstsein der Synodalen sich stetig gesteigert habe. Seinem Bischof zollt er Respekt, "dass er die Meinung der Einzelnen nicht nur hörte, sondern auch offensichtlich in sein Denken und seine Entscheidungen einfließen ließ".

Viel guter Wille aber auch Grenzen seien während der Synode ganz deutlich geworden: Die konnte sich dem Ruhestandsgeistlichen zufolge nur auf das konzentrieren, was im Bistum Trier Aufgabe ist. "und nicht ganz Deutschland und die Welt erneuern". Der Geistliche glaubt: "Die Kirche wird kleiner werden und manchen bisher gewohnten Einfluss verlieren." Laien nähmen zu Recht selbstbewusst manchen Platz ein. "Hier waren 280 Leute zusammen, die Kirche lieben und Kirche leben wollen und nicht warten, bis sie irgendwo versorgt werden", sagte Monsignore Becker.