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Zweifel können nicht ausgeräumt werden

Zweifel können nicht ausgeräumt werden

Die Staatsanwaltschaft fordert den Freispruch von drei Angeklagten, denen mehrfache Vergewaltigung und Zwang zur Prostitution einer 16-Jährigen vorgeworfen werden. Nach acht Monaten Prozess gibt es keine stichhaltigen Beweise für die Vorwürfe des Opfers.

Trier. "Im Zweifel für den Angeklagten." Ein Satz, der nicht unüblich ist in Gerichten. Wenn die Schuld eines Angeklagten nicht ausreichend bewiesen werden kann, darf er nicht verurteilt werden. Wenn aber die Staatsanwaltschaft, die schließlich den Beschuldigten aufgrund eines ausreichend begründeten Tatverdachts auf die Anklagebank gebracht hat, einräumen muss, dass nach jahrelangen Ermittlungen und achtmonatigem Prozess die Beweise für eine Verurteilung nicht ausreichen, ist das schon etwas Besonderes. Doch nach dem Glaubwürdigkeitsgutachten des Dortmunder Psychologen Burkhard Schade, der dem vermeintlichen Opfer bescheinigt hat, dass dessen Anschuldigungen nicht glaubhaft seien, bleibt Staatsanwältin Frauke Straaten nichts anderes übrig, als am Ende ihres fast einstündigen Schlussvortrags zu fordern: Freispruch für die drei Angeklagten.

Kein leichter Stand für Anwältin



Eine 22-Jährige hat den zwei Männern und einer Frau vorgeworfen, sie vor sechs Jahren in einem Haus in Traben-Trarbach gefangengehalten, sie vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen zu haben. Dass es überhaupt zur Anklage der drei Beschuldigten kam, ist auf ein vorläufiges Gutachten zurückzuführen, das Schade vor vier Jahren abgeliefert hatte. Darin hatte er das vermeintliche Opfer noch für glaubwürdig gehalten. Doch die "Haufen Zeugenaussagen" (Straaten) konnten während des acht Monate dauernden Prozesses keine stichhaltigen Beweise dafür liefern, dass etwas an den Vorwürfen dran ist. "Unbefriedigend" sei das, stellt Straaten in ihrem Plädoyer treffend fest. Zu viele Fragen seien offen. Nicht nur die Schuld der drei Angeklagten sei nicht ausreichend bewiesen, auch ihre Unschuld nicht, meint die Staatsanwältin.

Kein leichter Stand für die Anwältin der 22-Jährigen. Karin Adrian macht keinen Hehl daraus, dass sie Probleme mit dem psychologischen Gutachten hat. Sie könne sich den "Sinneswandel" von Schade nicht erklären, zumal er ihrer Mandantin bescheinige, dass sie ein traumatisches Erlebnis gehabt habe - immerhin wurden jede Menge blaue Flecken bei der damals 16-Jährigen entdeckt. Für Adrian steht fest, dass das Mädchen damals von den drei Angeklagten vergewaltigt worden ist. Beweise für die Prostitutions-Vorwürfe gebe es allerdings nicht, sagt Adrian. Die Anwälte der drei Angeklagten plädieren erwartungsgemäß auf Freispruch. Das Urteil soll am 22. Dezember gefällt werden.