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Zwischen Hass, Aufrufen zur Lynchjustiz und breiter Anteilnahme

Zwischen Hass, Aufrufen zur Lynchjustiz und breiter Anteilnahme

Irgendwo zwischen Genugtuung und Ungläubigkeit bewegen sich die Reaktionen auf das Urteil gegen den Mörder von Laura-Marie. Seit der Tat bewegt der Fall die Menschen in der Region.

Kaum hat der Volksfreund das Urteil auf seiner Internetseite veröffentlicht, gibt es die ersten Reaktionen. Reaktionen, die zeigen, wie der Mord an Laura-Marie die Menschen in der Region noch immer aufwühlt. Eine Tat, die in ganz Deutschland für Schlagzeilen gesorgt hat.

Es sind aber auch Reaktionen, die zeigen, wie groß der Hass ist auf den Mörder der 16-Jährigen. "Das ist ein Witz. Nach spätestens 15 Jahren ist er wieder draußen und sucht sich neue Opfer … Das ist doch kein Wunder, dass die Gewaltverbrechen und Morde steigen bei solchen Urteilen. Und dann noch das Luxusleben im Knast. Unglaublich." So lautet ein Kommentar einer Frau auf der Facebook-Seite unserer Zeitung. "Solche Menschen gehören lebenslang in den Knast, und mit lebenslang meine ich: so lange, bis sie da drin verrecken", ist der Wortlaut eines anderen Eintrags.

In vielen Reaktionen zeigt sich der Zweifel einiger Menschen an der deutschen Justiz. Dass eine lebenslange Haft automatisch nach 15 Jahren ende, sei genauso falsch wie ein Luxusleben im Knast, echauffieren sich mehrere Leser mit Blick auf das Strafmaß.

Schon als die Tat im März vergangenen Jahres bekannt wird, bricht sich Hass im Internet Bahn, obwohl zunächst nicht feststeht, wer das Mädchen getötet hat. Allein die Nähe des Tatorts zur Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge in der Trierer Dasbachstraße löst eindeutige Schlussfolgerungen aus. Für viele Menschen steht zu dem Zeitpunkt bereits fest: Es kann nur ein Bewohner dieser Einrichtung die 16-Jährige erstochen und ihre Leiche anschließend verbrannt haben. Als zwei Tage nach der grausamen Tat der Nachbar von Laura-Marie festgenommen wird, herrscht Fassungslosigkeit. Und viele der Hetzer, die vorher gegen Flüchtlinge und Ausländer Front gemacht haben, dreschen nun verbal auf den damals 24-Jährigen ein. Er wolle, dass der Täter "in der Hölle schmort, in einer dunklen Kiste", sagt der Vater eines Freundes von Laura-Marie damals.

Es bleibt aber nicht bei solchen sprachlichen Entgleisungen. Per Facebook wird zur Hetzjagd und Lynchjustiz gegen die Familie des Mörders aufgerufen. Die Polizei schreitet ein, stellt gegen drei der Internet-Hetzer Strafanzeige.

Aus Angst vor Lynchjustiz am Täter hat der nun zu Ende gegangene Prozess unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen stattgefunden. "Bitte lasst die Familie des Jungen, der das gemacht hat, in Ruhe", ruft der Vater von Laura-Marie am Abend des 18. März vorigen Jahres den über 1000 Menschen zu, die sich vor dem Trierer Dom versammelt haben, um von dort zum Tatort in Trier-Nord zu ziehen.

Der gewaltsame Tod der 16-Jährigen hat zu einer bis dahin noch nicht gekannten, öffentlichen Anteilnahme der Menschen in der Region geführt. Ungewöhnlich aber auch der erstmals in dieser Form per Internet öffentlich gemachte Hass.