Rom stoppt Trierer Synodengesetz: War’s das mit der Reform?

Kostenpflichtiger Inhalt: Katholische Kirche : Der Bischof und die Strukturreform: Jetzt auch noch Streit mit Rom (Update)

Die Pfarreienreform ist ins Stocken geraten. Noch kann niemand sagen, wann und wie es weitergeht. Bischof Ackermann hüllt sich noch in Schweigen. Nur einen Seitenhieb kann er sich nicht verkneifen.

Eigentlich sollte jetzt alles ganz rasch gehen: Nachdem der Trierer Bischof Stephan Ackermann zu Beginn der Woche die Dekrete für die ersten Großpfarreien im Bistum Trier erlassen hatte, war ein weiterer wichtiger Schritt in Richtung Strukturreform gemacht.

Anfang Januar, so die Planung, sollten die ersten 15 XXL-Pfarreien an den Start gehen, die restlichen 20 ein Jahr später. „Wir gehen den vorgeschlagenen Weg der Synodenumsetzung konsequent weiter“, lautete noch am Mittwoch die Parole aus dem Generalvikariat.

Zu diesem Zeitpunkt braute sich im Luftlinie knapp 1000 Kilometer entfernten Rom schon Ungemach zusammen, der 24 Stunden später auch in Trier seine volle Wucht entfalten sollte. Die vatikanische Kleruskongregation hatte mehreren Beschwerden und Anträgen gegen das sogenannte Synodengesetz stattgegeben und die Umsetzung der Strukturreform ausgesetzt. „Mit der Bitte um Verständnis und in der Hoffnung auf eine friedliche Lösung“, endet das an „Seine Exzellenz Hochwürdigsten Herrn Bischof Monsignore Stephan Ackermann“ adressierte Schreiben von Kardinal Beniamino Stella.

Mit diesem Schreiben legte Rom die von Bischof Ackermann geplante Strukturreform auf Eis. Foto: TV

Das unserer Zeitung vorliegende Schreiben schlug im Generalvikariat ein wie eine Bombe. Am Donnerstagabend hockten die Verantwortlichen des Bistums beim traditionellen Martinsempfang des katholischen Büros in Mainz beieinander und berieten, wie man die Entscheidung denn nun den Gläubigen kommunizieren sollte und überhaupt. Wie die Stimmung gewesen sein wird, kann man sich vorstellen.

Nachdem unsere Zeitung exklusiv über die Rom-Entscheidung berichtet hatte, veröffentlichte das Bistum noch in der Nacht eine Erklärung. „Rom setzt Umsetzungsgesetz zur Überprüfung aus“, heißt es in der Überschrift, der Bischof werde Stellung nehmen, und es gebe keine direkten Auswirkungen auf die Seelsorge. Alle weiteren Konsequenzen und Maßnahmen müssten nun erst einmal geprüft werden, heißt es am Ende der Pressemeldung.

Am Freitagmorgen teilte Kommunikationschefin Judith Rupp auf Anfrage zunächst mit, dass an diesem Tag mit keinen Neuigkeiten oder Erklärungen mehr zu rechnen sei, um zwei Stunden später dann doch noch eine kurze Mitteilung an die Medien zu verschicken: Als erste Maßnahme habe Bischof Stephan Ackermann verfügt, die geplanten Wahlen zum Rat der Pfarrei auszusetzen, weil deren Durchführung gegen die verfügte Aussetzung verstoßen würde.

Der Bischof selbst war zu diesem Zeitpunkt im neuen Bildungszentrum der Trierer Handwerkskammer, das er wie geplant einsegnete. Business as usual, alles wie geplant, sollte wohl die Botschaft von Ackermanns Auftritt sein, den der 56-Jährige sogar noch zu einem kleinen verbalen Schlenker nutzte. Die Azubis müssten sich auch darauf vorbereiten, dass im Leben manchmal nicht alles so laufe, wie man es sich vorstelle. Das kenne er als Bischof auch, flachste Ackermann.

Im Moment läuft es für den Trierer Bischof gar nicht gut. Manche werden sogar sagen, er habe eine Serie. Erst vor wenigen Tagen sorgte Ackermann mit seinen Äußerungen über die Entschädigung von Missbrauchsopfern durch Kirchensteuer und den unsäglichen Maut-Vergleich für einen Sturm der Entrüstung. Für den Maut-Vergleich entschuldigte er sich zwar später. Doch inzwischen drängen sich Parallelen zwischen dem unglücklich agierenden Verkehrsminister Andreas Scheuer und dem zuletzt ähnlich glücklosen Trierer Bischof fast schon auf.

Und nun? Über eine Antwort auf diese Frage dürfte man sich hinter den dicken Mauern des Generalvikariats das ganze Wochenende die Köpfe zerbrechen. Für Anfang kommender Woche hat Kommunikationschefin Judith Rupp jedenfalls am Freitag schon mal weitere Informationen angekündigt.

Schnell wird einstweilen wohl nichts mehr gehen. Fakt ist, dass es am ersten Januar kommenden Jahres noch keine Großpfarrei im Bistum geben wird. Und wohl auch nicht am ersten Februar oder ersten März. Ein solches Verfahren dauere „mindestens drei, eher sechs bis neun Monate“, sagt der Münsteraner Kirchenrechtler Thomas Schüller.

Insgesamt sei es für das Bistum Trier und für Bischof Ackermann im Speziellen eine schwierige Situation, die seinen Stand im Bistum sicher nicht erleichtere und die sorgfältig vorbereiteten Prozesse auf unbestimmte Zeit verzögere, sagt der Professor.

Und das ausgerechnet zu einem Moment, in der laut Katholikenrats-Vorsitzendem Manfred Thesing viele Menschen froh seien, dass es endlich losgehen könnte. „Die Aussetzung kommt zum absolut falschen Zeitpunkt“, sagt Thesing.

Bei der bistumskritischen Initiative Kirchengemeinde vor Ort dürften angesichts der Entscheidung im Vatikan die Sektkorken geknallt sein. Von Schadenfreude aber keine Spur. „Wir setzen jetzt auf eine Lösung, die alle Christen mittragen“, sagt Sprecher Harald Cronauer.

Auch nachdem er einen Dämpfer aus Rom erhalten hat, nimmt der Trierer Bischof Stephan Ackermann seine Termine wie geplant wahr. Hier spricht er bei der Handwerkskammer. Foto: Heribert Waschbüsch

Eine solche Lösung zu finden, dürfte aber viele Nerven und noch mehr Zeit kosten.

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