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111 Jahre und kein bisschen leise

Im Dirndl und der Krachledernen: Dirigent Klaus-Thomas Massem (rechts) hat eigens für den Musikantenstadl am 3. Oktober aus Aktiven des Musikvereins die „Polka-Stars“ rekrutiert. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Im Dirndl und der Krachledernen: Dirigent Klaus-Thomas Massem (rechts) hat eigens für den Musikantenstadl am 3. Oktober aus Aktiven des Musikvereins die „Polka-Stars“ rekrutiert. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Taben-Rodt. Normale Musiker werden zu Polka-Stars, das Bürgerhaus zum Wiesn-Zelt. Im Musikantenstadl wird Geburtstag gefeiert, als ob es ein Karnevalsverein wäre: 111. Ein Ehemaligen-Orchester wird gebildet, und es gibt eine Bayerische Olympiade mit urigen Disziplinen. Los geht\'s mit der Gaudi am Freitag, 3. Oktober, um 19 Uhr.

Taben-Rodt. Traditionen eines Kulturkreises südlich des Weißwurstäquators halten am 3. Oktober Einzug in Taben-Rodt. Das Bürgerhaus wird an diesem Tag zum Musikantenstadl. Nach dem Festreigen im letzten Jahr zum 110-jährigen Bestehen des Musikvereins wollen die Musiker nun auch die Schnapszahl feiern.
"Wir haben lange überlegt, was wir mit diesem Geburtstag anfangen können", verrät Vorsitzender Stephan Wagner. Angedacht wurde "Blech im Bruch" bei der Firma Düro. Doch die Firma zeigte sich wenig musikalisch und sagte ab.
Danach kam die Idee eines Oktoberfestes. "Doch wir durften diesen Namen nicht verwenden, weil der ja in München zu Hause ist", gibt der Vorsitzende zu bedenken. Nach intensivem Überlegen wurde der Musikantenstadl geboren.
Aber ein Name allein genügt nicht, weitere Ideen müssen her. So spielen 18 ehemalige Musiker am Nationalfeiertag ab 19 Uhr wieder auf. Exil-Musiker Norbert Hein und seine Posaune reisen dafür eigens aus Esslingen bei Stuttgart wieder in die alte Heimat. Dirigent Klaus-Thomas Massem hofft, 18 Musikanten in dieser Formation zusammenzubekommen.
Der Musikverein selbst spielt gar nicht, sondern vielmehr die Polka-Stars, in die sich 17 Aktive verwandeln, und das nicht nur, weil sie sich ins Dirndl oder in die Krachlederne schmeißen. "Polka", sagt der Orchesterleiter, "das ist gar nicht so einfach, wie es sich anhört." Diese Musik müsse sehr exakt gespielt werden und erfordert deshalb auch intensives Proben.
Dazu gehört auch eine gehörige Portion Gaudi, mit Wettnageln, Sägen oder Jodeln, eine Bayrische Olympiade. Deftige Kost wird mit Haxen, Weißwurst mit Brezn und natürlich Oktoberfestbier angeboten, ganz nach den Traditionen eines Volksstammes südlich des Weißwurstäquators.
Bis tief in die Nacht bringt Alleinunterhalter Egon Altenhofen noch mehr Stimmung in den Stadl. Nur gut, dass nach dem 3. Oktober Samstag ist. doth