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130 Jahre Wirtschaftsgeschichte

Seit 130 Jahren Gaststätte, erst als Gasthaus Dühr (alte Postkarte oben links), seit 30 Jahren als Rodter Eck (oben rechts). Gemeinsam erinnern sich Gabriele Beving, Lorchen Schreiner, Josef Stoffel und der heutige Wirt Hans-Walter Dühr (Foto unten, von links) an alte Zeiten, zum Beispiel große Feste im Gasthaus (historisches Foto unten rechts). TV-Fotos: Herbert Thormeyer (2), privat (2)
Seit 130 Jahren Gaststätte, erst als Gasthaus Dühr (alte Postkarte oben links), seit 30 Jahren als Rodter Eck (oben rechts). Gemeinsam erinnern sich Gabriele Beving, Lorchen Schreiner, Josef Stoffel und der heutige Wirt Hans-Walter Dühr (Foto unten, von links) an alte Zeiten, zum Beispiel große Feste im Gasthaus (historisches Foto unten rechts). TV-Fotos: Herbert Thormeyer (2), privat (2) FOTO: Herbert Thormeyer (doth), HERBERT THORMEYER ("TV-Upload Thormeyer"
Taben-Rodt. Ein besonderes Jubiläum wird am 1. und 2. April gefeiert: 100 Jahre Gasthaus Dühr in Taben-Rodt, plus 30 Jahre Rodter Eck Herbert Thormeyer

Taben-Rodt Alle nennen sie nur Tante Lorchen. Die 87-jährige Lorchen Schreiner sitzt zusammen mit Gabriele Beving, Josef Stoffel und Hans-Walter Dühr im Rodter Eck und schaut sich alte Fotos an. Sie ist bei vielen der Bilder die Einzige, die noch weiß, wer drauf zu sehen ist. Die Gaststätte feiert am 1. und 2. April ihren 130. Geburtstag. Ihren heutigen Namen trägt sie erst seit 30 Jahren.
"Nach dem Hochamt am Sonntag kamen die Leute immer zum Frühschoppen", erinnert sich Lorchen Schreiner an ihre Kindheit. In den 30er Jahren kamen die ersten Gäste von außerhalb, Jagdpächter aus dem saarländischen Lebach. "Damit fing quasi der Tourismus im Ort an", erklärt der heutige Inhaber, Hans-Walter Dühr, Gastronom in fünfter Generation. Damals gab es noch drei Kneipen im Dorf, und überall war immer gut Betrieb, weiß er aus Erzählungen seiner Vorfahren. Reich konnte man dennoch nicht werden. "Da war zusätzlich Landwirtschaft nötig, um über die Runden zu kommen", sagt Dühr.
Seine Schwester Gabriele weiß noch von der Oma: "Die Leute kamen, um eine oder zwei Flaschen Bier zu trinken, sich zu unterhalten und gingen dann wieder." Gezapftes Bier kam erst viel später.
Aber an den großen Festen war viel los. Besonders an Kirmes und Fastnacht. "An der Kirmes gab es eine Prozession bis hoch an die Kapelle, und dann kamen alle in die Wirtschaft", erzählt Lorchen. Die Kirmes war ein Familienfest, zu der auch die Verwandtschaft von weit her "nach Hause" kam.
"In den 70er Jahren wurden hier rund ums Haus die Schiffschaukel, ein Karussell und die Schießbude aufgebaut", erinnert sich Josef Stoffel. Als Feuerwehrmann war der 66-Jährige immer mitten drin. 1952 wurde im Gasthaus Dühr sogar die Feuerwehrkapelle gegründet. "Die Proben gingen oft die ganze Nacht durch bis zur Frühmesse. Das war immer fast wie ein Konzert", erzählt Stoffel.
Alle drei Wochen übte die Feuerwehr. Sonntagmorgens wurde irgendwo im Dorf ab 6 Uhr gelöscht, und dann ab in die Wirtschaft. "Früher hat es niemanden gestört, wenn es mal ein bisschen laut wurde", sagt Lorchen. Die Nachforschungen der Familie Dühr haben ergeben, dass die früheste Erwähnung ihres Hauses im Jahr 1887 zu belegen ist. Deshalb wird das Fest jetzt gefeiert. "Anfang der 1970er ging es los mit dem Fremdenverkehr", sagt der heutige Inhaber. 1972 baute sein Vater, Hans Dühr, das Haus um, bot Essen auch für größere Veranstaltungen wie Hochzeiten an, und es gab Fremdenzimmer. "Einige Leute kommen bis heute", freut sich Hans-Walter Dühr.
Neun Zimmer kann der 56-Jährige heute anbieten. 1987 hat er das Haus übernommen und in Rodter Eck umgetauft. "Am Anfang gab es sogar längere Urlaube hier. Aber wir haben das Pech, so hoch zu liegen. Den Wanderern und Radfahrern ist das zu anstrengend", bedauert er. Dass in Gaststätten nicht mehr geraucht werden darf, die Gefahr von Alkohol am Steuer, Computer, die Unterhaltung bieten, und viele andere Freizeitangebote: Die Zeiten seien härter geworden für Landgaststätten wie das Rodter Eck.
Doch für Familienfeste und als Restaurant ist das Rodter Eck weiterhin beliebt, nicht zuletzt wegen seiner Spezialität, dem Tabener Griebenschmalz. "Man fühlt sich hier wie in einer großen Familie", beschreibt Josef Stoffel die besondere Atmosphäre.AM WOCHENENDE WIRD GEFEIERT:


Extra

Samstag, 1. April, 19 Uhr: Musikverein Taben-Rodt. Ab 21 Uhr: Band Langer Mütze. Sonntag, 2. April, ab 11 Uhr: Musikverein Taben-Rodt, ab 13 Uhr "Egon und Manni" sowie der Chor Die neue Generation.

FOTO: Herbert Thormeyer (doth) ("TV-Upload Thormeyer"
FOTO: Herbert Thormeyer (doth), HERBERT THORMEYER ("TV-Upload Thormeyer"
FOTO: Herbert Thormeyer (doth), HERBERT THORMEYER ("TV-Upload Thormeyer"