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Adler Chesco bleibt verschwunden - Besitzer rechnet nicht mit Rückkehr

Nach wie vor wird Adler Chesco (im Bild mit Janine Houston) im Saarburger Greifvogelpark vermisst. Foto: Greifvogelpark Saarburg
Nach wie vor wird Adler Chesco (im Bild mit Janine Houston) im Saarburger Greifvogelpark vermisst. Foto: Greifvogelpark Saarburg
Saarburg. An seiner Suche haben sich in den vergangenen zehn Monaten Hunderte beteiligt. Und noch immer wird über ihn geredet. Chesco, der Aguja-Adler aus dem Saarburger Greifvogelpark, ist jedoch weiterhin verschwunden. Inzwischen tendiert die Hoffnung des Besitzers ihn zurückzubekommen gegen Null. Julia Kalck

Saarburg. "Die Leute fragen in fast jeder Flugshow nach ihm." Wolfgang Klotzbücher, Chef des Saarburger Greifvogelparks, hat entgegen anderslautender Gerüchte aber keine gute Nachricht zu verkünden: Aguja-Adler Chesco bleibt verschwunden. Und das nun schon seit fast zehn Monaten. Im September 2010 war er während einer Flugshow im Greifvogelpark weggeflogen (der TV berichtete). "Es war an dem Tag starker Wind", erinnert sich Klotzbücher. "Und dann wurde er auch noch von zwei Mäusebussarden attackiert." Zudem habe er selbst an diesem Tag die Flugshow nicht selbst gemacht. "Chesco war vom Charakter her nicht so einfach, er war sehr eigenwillig. Er kam in der Regel auch nur zu mir auf den Handschuh."
In den vergangenen Tagen kursierte immer wieder das Gerücht, das Tier sei zurückgekehrt. "Woher diese Gerüchte kommen, kann ich mir nicht erklären", sagt Klotzbücher.
Die Suche nach dem einjährigen Tier mobilisierte im Herbst vergangenen Jahres die ganze Region. "Ich habe bis zu 100 Anrufe am Tag bekommen, kam kaum hinterher", sagt der Falkner. Sogar aus Spangdahlem in der Eifel und aus Saarlouis meldeten sich Menschen, die glaubten, den Adler gesehen zu haben.
Unter den Anrufern waren aber nicht nur Menschen, die helfen wollten. "Das Telefon klingelte um halb sechs morgens und jemand meldete sich, um mir zu sagen, dass mein Tier die Hühner gerissen hätte." Das schließt er aber aus. "Das war bestimmt ein Habicht." Außerdem habe er zu dem Zeitpunkt gewusst, dass Chesco sich an der Obermosel aufhält. Es kamen viele Hinweise von dort, vor allem entlang der Bahntrasse. Auch Fotos, auf denen Chesco zu sehen war, hat der Greifvogelpark-Chef bekommen. "Ich war aber nie schnell genug", sagt er.

Hinweis aus Wincheringen


Der Verlust von Chesco ist nicht nur ein ideeller, sondern vor allem auch ein finanzieller. 6000 Euro hat der Adler gekostet. Ein solches Exemplar ist gar nicht so einfach zu bekommen: Die Art ist selten, sagt Klotzbücher. Er selbst habe vier Jahre auf den Vogel gewartet - und hatte ihn dann gerade mal ein Jahr.
Der letzte Hinweis kam vor vier Wochen aus Wincheringen. Es war auch der einzige seit langem. Dort will jemand einen Greifvogel mit dem typischen Geschühriemen gesehen haben - einem Lederbändchen an den Klauen. Aber als Klotzbücher dort war, war der Vogel weg.
Inzwischen ist der Falkner nicht mehr optimistisch. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass er noch lebt." Selbst wenn er den Winter überstanden hätte - er wäre inzwischen verwildert. Dann wäre es auch schwierig, ihn zu fangen. "Er würde mich nicht mehr erkennen", sagt Klotzbücher. "Ich habe keine Hoffnung mehr, dass ich ihn wiederbekomme."