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Feuerwehr
Außergewöhnlicher Löscheinsatz: Fachmagazin berichtet Details zum Saarburger Rathaus-Brand

 Die Feuerwehr hat mit Hilfe einer Drohne den Brand des Saarburger Verwaltungsgebäudes auch von oben beobachtet.
Die Feuerwehr hat mit Hilfe einer Drohne den Brand des Saarburger Verwaltungsgebäudes auch von oben beobachtet. FOTO: TEL Trier-Saarburg
Saarburg. Das Feuer im Saarburger Rathaus hielt im Sommer 2018 die Menschen in Atem. Der Löscheinsatz gilt als so außergewöhnlich, dass ihn ein Fachmagazin zur Titelstory gemacht hat. Der Fall hat den Wehren sogar Zuwachs beschert. Von Marion Maier
Marion Maier

E-Mail-Adresse: m.maier@volksfreund.de

Mit einem friedlichen Stimmungsbild beginnt der Artikel des Feuerwehr-Magazins über den verheerenden Brand des Saarburger Verwaltungsgebäudes: „Am Sonntag, 19. August 2018, genießen zahlreiche Menschen den schönen Abend in Cafés und Bistros der historischen Weinstadt Saarburg.“ Dort hinein platzt die Nachricht vom Brand. „Um 18.45 Uhr melden Passanten bei der Polizeidirektion Saarburg eine Rauchentwicklung am Dach des Verwaltungsgebäudes.“ Mit vielen Fachdetails und dennoch spannend schildert Sven Buchenau, Redakteur des in Bremen produzierten Feuerwehr-Magazins, auf zwei Doppelseiten den Einsatz, den er aus mehreren Gründen für außergewöhnlich hält (siehe Info). Das Magazin, das deutschlandweit und auch im angrenzenden Ausland verkauft wird, hat eine Auflage von 45 000 bis 50 000.

Großbrand Saarburger Verbandsgemeindeverwaltung FOTO:

In zehn Minuten am Einsatzort So geht es weiter im Text: Die Polizei informiert die Leitstelle der Berufsfeuerwehr Trier. Die alarmiert die Freiwilligen Feuerwehren Saarburg und Beurig, den Wehrleiter der Verbandsgemeinde Saarburg, Bernhard Hein, und die Feuerwehreinsatzzentrale auf Gemeindeebene. Um 18.55 Uhr ist die Beuriger Wehr mit dem ersten von drei Fahrzeugen vor Ort. Die Saarburger Wehr, ebenfalls mit drei Fahrzeugen, folgt eine Minute später. Der Saarburger Wehrführer Christof Leinenbach lässt die Fahrzeuge am Kreisel in der Graf-Siegfried-Straße halten und geht zu Fuß auf den Schlossberg hinauf. Oben sieht er, wie dichter Rauch aus dem Hauptgebäude der Verwaltung aufsteigt. Umgehend lässt er die Drehleiter im Innenhof positionieren. Mit den restlichen Fahrzeugen wird eine Wasserversorgung aus dem Hydrantennetz aufgebaut.

Passanten helfen Leinenbach geht derweil um das Gebäude herum zum Boemundhof. Er wird zitiert mit den Worten: „Da saßen überall Leute. Es waren schon zwei Polizisten vor Ort, die damit begonnen hatten, den Platz zu räumen. Das lief glücklicherweise alles diszipliniert ab.“ Sogar Passanten hätten mitgeholfen, an Türen geklingelt und Bewohner gebeten, ihre Autos wegzufahren. Währenddessen dringt der Atemschutztrupp der Beuriger Wehr ins Gebäude ein. Allerdings nur für kurze Zeit. Als ein Teil der Holzdecke im Dachgeschoss einstürzt, brechen die Einsatzkräfte den Vorstoß ab.

 Unsere Grafik zeigt die Positionen der Feuerwehrfahrzeuge während des Löscheinsatzes vom 19. August 2018 am Saarburger Verwaltungsgebäude.
Unsere Grafik zeigt die Positionen der Feuerwehrfahrzeuge während des Löscheinsatzes vom 19. August 2018 am Saarburger Verwaltungsgebäude. FOTO: TV / TMVG

Das Feuer schwillt an. „Um 19.08 Uhr zündet plötzlich das Dach durch. Einsatzleiter Hein lässt daraufhin die Freiwilligen Feuerwehren Konz, Mettlach und Merzig sowie die Berufsfeuerwehr Trier alarmieren“, heißt es im Magazin. Alle vier rücken mit Drehleitern an. Hein lässt zudem die Wehren aus Ayl, Biebelhausen, Trassem und Freudenburg für die Wasserversorgung anfordern.

Dachgeschoss im Vollbrand „Um 19.36 Uhr steht das Dachgeschoss in Vollbrand“, heißt es weiter. Laut Hein werden Löschtrupps auf den Terrassen der benachbarten Wohngebäude eingesetzt, um zu verhindern, dass sich der Brand ausbreitet. Da die Löschwassermenge aus den Hydranten auf Dauer nicht ausreichen wird, nutzt man die natürlichen Wasserläufe mit. Per Tragkraftspritzen wird das Nass aus der Leuk beim Wasserfall hochgepumpt. Wehrleiter Hein lässt zudem den Zug Wasserförderung Süd, an dem die Wehren Kell am See, Heddert, Greimerath und Mandern beteiligt sind, nach Saarburg beordern. Dieser verlegt zwei Leitungen von 1000 Metern Länge bis zur Saar.

Die Innenstadt wird derweil komplett gesperrt. Von Erkundungsfahrzeugen aus wird die Luft im Bereich der Rauchwolken untersucht. Es werden keine gefährlichen Rauchgase aufgespürt. Trotzdem werden die Anwohner per Radio und Warnsystemen wie Katwarn aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten. Um 20.17 Uhr, eineinhalb Stunden nachdem das Feuer gemeldet wurde, ist der Brand unter Kontrolle. Doch es dauert weitere drei Stunden, bis die Flammen gelöscht sind. Und auch dann sind vereinzelte Nachlöscharbeiten notwendig. Die 18 Einsatzkräfte der nächtlichen Brandwache müssen ebenfalls immer wieder kleinere Glutnester von den beiden verbliebenen Drehleitern aus löschen.

Löscharbeiten eine Woche später Das geht am Montag so weiter. Das technische Hilfswerk und ein Zimmereibetrieb sichern das Gebäude an diesem Tag. Die Feuerwehr hilft, Bauzäune aufzubauen und unterstützt die Kripo beim Ermitteln der Brandursache. Auch am Dienstag und am Sonntag kommt es nochmals zu Nachlöscharbeiten.

Im Resümee von Wehrleiter Bernhard Hein wird deutlich, dass es ein Glück war, dass der Brand, den vermutlich ein Nager mit dem Durchbeißen einer Leitung ausgelöst hat, an einem Sonntag ausgebrochen ist. Zum einen waren keine Mitarbeiter vor Ort, so dass sich die Feuerwehr auf das Löschen konzentrieren konnte. Zum anderen konnten so viele Feuerwehrleute schnell zum Einsatz kommen. Hein wird zitiert mit den Worten: „Durch die schnelle Entscheidung, vier Löschzüge mit Drehleitern anzufordern, konnte die Brandausbreitung schnell und gezielt verhindert werden.“ Der Wiederaufbau des historischen Gebäudes wird laut Magazin wohl zwei bis drei Jahre dauern.