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Schilder
Der Lapsus, den keiner gesehen hat

Die fehlerhafte Aufschrift auf dem Schild am Stadtteileingang Niederleuken ist trotz vieler Autofahrer pro Tag lange Zeit nicht bemerkt worden.
Die fehlerhafte Aufschrift auf dem Schild am Stadtteileingang Niederleuken ist trotz vieler Autofahrer pro Tag lange Zeit nicht bemerkt worden. FOTO: Gerhard Becker
Saarburg. Es war nur ein kleiner Fehler. Aber immerhin auf einem Saarburger Ortsschild, an dem täglich mehr als 1000 Autos vorbeifahren. Doch ein halbes Jahr lang hat ihn niemand bemängelt. Von Marion Maier
Marion Maier

Schreibfehler können überall und jedem passieren. Ein Beispiel dafür war das Ortsschild am Eingang von Saarburg-Niederleuken. Es steht gut sichtbar am Straßenrand der Kreisstraße 130 von Ayl-Biebelhausen kommend. Saarburg steht oben drauf. Bei der Unterzeile hatte sich allerdings ein zusätzliches „r“ eingeschmuggelt, so dass dort „Kreis Trier-Saarbrurg“ zu lesen war. Und das eine ganze Zeit lang.

Laut Arnold Eiden von der Masterstraßenmeisterei Hermeskeil ist das Schild im März 2018 aufgestellt worden. Ein halbes Jahr lang sind täglich mehr als 1000 Autofahrer daran vorbeigefahren. Denn laut Eiden sind dort täglich 2700 Fahrzeuge auf der Kreisstraße 130 unterwegs, macht in Richtung Saarburg-Zentrum, in der das Schild zu sehen ist, 1350. Das Kuriose: Anscheinend ist keinem der Autofahrer der Lapsus bislang aufgefallen. Zumindest teilt der Leiter der Masterstraßenmeisterei mit: „Bisher hat uns niemand auf den Schreibfehler hingewiesen.“

Das war so bis zur Nachfrage der TV-Redaktion, die den Hinweis auf das Missgeschick von Gerhard Becker erhalten hatte. Der Saarburger hat lange gebraucht, um es wahrzunehmen. Denn wie wohl viele andere fährt er täglich an dem Schild in Niederleuken vorbei. „Mich ziehen Fehler magisch an“, sagt Becker. Das könnte immerhin eine Erklärung dafür sein, dass er ihn nach Monaten dann doch noch entdeckt hat. Becker achtet von Berufs wegen auf Verschreiber. Denn er stellt die Druckplatten beim TV her – und fischt immer wieder noch kurz vorm Andruck Schreibfehler, die trotz mehrfacher Kontrolle durchrutschen, aus der Zeitung.

Die Straßenmeisterei hat nach dem Hinweis des TV umgehend reagiert und Mut zur Lücke bewiesen. Wenige Stunden nach dem Hinweis meldet Eiden: „Das „r“ wurde entfernt.“ Stattdessen ziert nun ein Freiraum an dieser Stelle den Schriftzug, also „Trier-Saarb urg“. Doch das soll so nicht bleiben. Der Schilderhersteller wird laut Eiden nun aufgefordert, eine neue Ortstafel auf eigene Kosten zu fertigen, schließlich sei die Vorlage korrekt gewesen. Eiden räumt ein, dass es öfter vorkomme, dass Schilder mit Fehlern im Ortsnamen geliefert würden. Der Leiter der Masterstraßenmeisterei sagt: „Nur fällt der Fehler in der Regel bei der Lieferkontrolle auf. Hier wurde er aber leider übersehen.“ Dass ein Schild mit Fehler aufgestellt werde, komme selten vor – vielleicht alle zehn Jahre, schätzt Eiden.

Dass niemand vor Schreibfehlern gefeit ist, zeigt eine Panne einer chinesischen Fluggesellschaft, die am Donnerstag durch die Medien ging. Das Unternehmen hatte beim Schriftzug für einen Flieger ein „f“ vergessen, so dass auf der Maschine groß Paciic“ statt „Pacific“ zu lesen war. Und allen, die sich schon mal verschrieben haben, zum Trost: Das Hirn legt auf einzelne Buchstaben offensichtlich nicht sonderlich großen Wert. So hat ein englischer Wissenschaftler laut Wikipedia festgestellt, dass die Reihenfolge der Buchstaben innerhalb von Wörtern – sofern ein oder mehrere Anfangs- und Endbuchstaben korrekt blieben – das Leseverstehen nur begrenzt beeinflusst. Die Studie einer englischen Universität, die dazu seit 2003 immer wieder in einem Text mit lustig verdrehter Buchstabenfolge (siehe Info) zitiert wird, soll es so allerdings nicht gegeben haben.