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Der Rolladen bleibt weiter unten

Seit 1. Januar geschlossen: die Post-Filiale in Oberemmel.Foto: Susanne Windfuhr
Seit 1. Januar geschlossen: die Post-Filiale in Oberemmel.Foto: Susanne Windfuhr
KONZ-OBEREMMEL. Unzufriedene Mienen in Oberemmel: Seit Anfang des Jahres ist die Filiale der Deutschen Post geschlossen. Bemühungen des Ortsvorstehers sowie des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Konz, die Schließung rückgängig zu machen, waren bislang vergeblich. Wie in vielen weiteren Orten (der TV berichtete) läuft die postalische Versorgung inOberemmel seither über den Mobilen Post-Service (MoPS). ARRAY(0x16278240)

Ortsvorsteher Hermann-Josef Benzkirch ist sauer. "Zunächst wurde vor ein oder zwei Jahren die Postbank geschlossen, jetzt ist auch die Postfiliale dicht." Was ihn über die Entscheidung hinaus besonders ärgere, sei "die Art und Weise, wie die Gemeinde darüber informiert worden ist".Information aus der Zeitung erfahren

Einem Bericht des Trierischen Volksfreunds vom 24. September vergangenen Jahres habe Benzkirch die Pläne des Unternehmens entnommen. "Dass man einen solchen Schritt über die Presse erfährt, ist nicht das Gelbe vom Ei", findet Benzkirch. So habe es auch kein Informations-Gespräch darüber gegeben, wie nach der Schließung das System des Mobilen Post-Services - kurz MoPS - funktioniert. Fakt ist: Zum 31. Dezember löste die Post ihre Filiale in dem 1600-Einwohner-Stadtteil auf. Ein Briefträger bringt nach wie vor täglich die Post. Umgekehrt ist es jedoch komplizierter geworden, Briefe oder Pakete auf den Weg zu bringen. Wer das tun möchte, wirft eine Benachrichtigungskarte für den Zusteller in den Briefkasten an der Kirchstraße. Der Zusteller wird daraufhin den Postkunden aufsuchen. "Dadurch sind die Bürger sehr eingeschränkt, müssen zu einem bestimmten Termin zu Hause sein", meint Franz-Josef Benzkirch. Postversendung sowie der Kauf etwa von Briefmarken ist auf diese Weise möglich. Große Palettensendungen hingegen nimmt der Zusteller nicht mit. Ein großes Problem sieht Benzkirch deshalb vor allem für die Winzer der Gemeinde. 15 Betriebe mit Selbstvermarktung gibt es noch, die nach Auskunft Benzkirchs regelmäßig Wein-Pakete verschicken. "Die Winzer konnten bislang auch in ihrer verschmutzten Arbeitskleidung schnell zur Post gehen und die Sachen aufgeben. Nun müssen sie bis Konz in die Postagentur im Rewe-Markt." Diese spezielle Situation hat Anfang Oktober auch Maria Willems, Vorsitzende des Landfrauenverbands Saarburg und selbstständige Winzerin, in einem Schreiben an die Post erläutert. "Die Aufhebung der Poststelle würde den Wein-Versandhandel per Post stoppen", schrieb sie damals. "Außerdem ist für die Frauen, die in der Regel die Vermarktung vornehmen, die Poststelle inOberemmel bequem und kräftesparend zu erreichen." Auch Stadtbürgermeister Winfried Manns hat in einem Schreiben an die Post Mitte November vergangenen Jahres die Position Willems' unterstützt. Darüber hinaus hat Manns aufgezeigt, dass inOberemmel "nicht ausschließlich auf die Einwohnerzahl dieses Stadtteils bei der Ermittlung der 2000 Einwohnergrenze der Post-Universaldienstleistungsverordnung abgestellt werden kann".Enge Verflechtung mit übrigen Ortsteilen

Es gebe vielmehr "einen engen Verflechtungsbereich mit den angrenzenden Stadtteilen Niedermennig, Obermennig und Krettnach und Kommlingen. Nach Berechnung der Verwaltung komme man somit auf eine Gesamt-Einwohnerzahl von 3574. In allen zusammenhängend bebauten Wohngebieten mit mehr als 2000 Einwohnern will die Post mit einer stationären Filiale präsent sein. Heinz-Jürgen Thomeczek,Pressesprecher der Deutschen Post, erklärt: "Das System, wie es jetzt mit MoPS umgesetzt wird, besteht unter der Bezeichnung Landzusteller bereits seit den 50er-Jahren und existiert mehr als 22 000-mal bundesweit. Es hat sich meist gut eingespielt und ist eigentlich für die Postkunden auch bequemer." Die Filiale in Oberemmel sei seit langer Zeit nicht mehr wirtschaftlich gewesen. Konkrete Zahlen veröffentliche die Post jedoch grundsätzlich nicht. Bezüglich des Vorwurfs, das Unternehmen habe im Vorfeld nicht mit den Oberemmelern gesprochen, sagt Thomeczek: "Das wundert mich, denn unser regionaler Politik-Beauftragter Friedhelm Schlitt kümmert sich intensiv um diese Dinge." Was das spezielle Problem der Oberemmeler Winzer betrifft, meint der Pressesprecher: "Das ist eine Frage der Vertriebsstruktur. Darüber kann man mit uns reden." Winfried Manns hingegen ist nicht mehr gewillt, sich mit der Post zu unterhalten und erklärt gegenüber dem Trierischen Volksfreund : "Es gibt ja durchaus auch andere Anbieter als die Post. Da werden wir uns jetzt mal umsehen."