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Die Kirche St. Laurentius ist wie sein Wohnzimmer

Edwin Fell steht im Inneren der Orgel und blickt auf die 1796 Orgelpfeifen. Im Hintergrund sind die letzten Bronzeglocken zu sehen, die von Wolfgang Hausen-Mabilon angefertigt wurden. TV-Foto: Alexander Schumitz
Edwin Fell steht im Inneren der Orgel und blickt auf die 1796 Orgelpfeifen. Im Hintergrund sind die letzten Bronzeglocken zu sehen, die von Wolfgang Hausen-Mabilon angefertigt wurden. TV-Foto: Alexander Schumitz
Saarburg. In loser Reihenfolge stellt der TV Künstler aus Saarburg und Umgebung vor. Das können Maler, Bildhauer, Musiker, Winzer oder Lebenskünstler sein. Fortgesetzt wird die Serie mit Edwin Fell, der Organist in der Kirche St. Laurentius und Dirigent des Musikvereins Saarburg ist. Alexander Schumitz

Saarburg. Wer an einem normalen Werktag die Kirche St. Laurentius betritt, hört oft, wie die Orgel gespielt wird. Dann sitzt Edwin Fell an dem Instrument und übt einen Choral für den nächsten Gottesdienst ein, oder er stimmt die Pfeifen. Die Orgel in St. Laurentius: Das ist sein Instrument. "So absehbar war das zunächst aber nicht", erzählt der 56-Jährige.
Saarburger Künstler


Als Fünfjähriger bekam Fell, der in Konz-Könen aufgewachsen ist, seinen ersten Klavierunterricht. Mit zwölf Jahren spielte er das erste Mal in einer Abendmesse. Ausgebildet wurde er zunächst vom Leiter der Bischöflichen Kirchenmusikschule des Bistums Trier, Klaus Fischbach, mit dem er heute noch befreundet ist. Anschließend studierte Fell an der Hochschule für Musik in Saarbrücken Orgel und Komposition. Der gläubige Katholik ist sich sicher: "Alles, was ich kann und was ich bin, habe ich meinen Eltern zu verdanken."
Stoff symbolisiert die Saar


Bereits mit 19 Jahren hat er die Stelle als Organist in St. Laurentius bekommen. "Seitdem ist sie eine Art Wohnzimmer für mich." Erst vor knapp neun Jahren wurde die Orgel, die nach dem Zweiten Weltkrieg eingebaut worden war, durch ein neues Instrument ersetzt. "Dass die Kirchengemeinde 2004 rund 500 000 Euro für die neue Weimbsorgel in die Hand genommen hat, zeugt auch von der hohen Wertschätzung meiner Arbeit als Organist." Er kennt die Geschichte des neuen Instruments in allen Einzelheiten. "Es gibt viele Elemente mit einem engen Bezug zur Geschichte der Stadt." So greife etwa die Form der Orgel die gotische Tradition der Kirche auf, und das blaue Tuch hinter den Pfeifen symbolisiere die Saar.
"In das Instrument wurde ein Glockenspiel eingebaut, das von der Glockengießerei Mabilon (siehe Hintergrund) angefertigt wurde", sagt Fell. Es waren die letzten 24 Glocken, die in der Saarburger Werkstatt gegossen wurden. Der Organist erzählt viel über die Geschichte der Laurentius-Kirche, etwa dass das Saarburger Gotteshaus die Säkularisation vor 210 Jahren nur überstanden habe, weil die Rechte der Trierer St. Laurentius-Kirche auf Saarburg übertragen wurden. Fell improvisiert gerne und liebt Jazz, aber auch Rockmusik. "Wenn ich morgens von Ayl nach Saarburg radle, höre ich oft auch Oscar Peterson oder Billy Joel." Vor einem Gottesdienst sei es dann aber doch eher Kirchenmusik. Als Organist leitet er auch die Kirchenchöre St. Laurentius aus Saarburg und St. Bartholomäus aus Ayl. Auch den Frauenchor Belcanto betreut Fell. Dazu kommt der Musikverein Saarburg, den er seit 1995 dirigiert. "Bei all diesen Projekten muss ich viel im Hintergrund organisieren", sagt der Musiker.
Gerne erinnert sich Fell an die Aufführung der Missa Katharina von Jacob de Haan in Saarburg und im Kloster Ottobeuren (Bayern). "Neben den Auftritten im Petersdom war das sicherlich einer der musikalischen Höhepunkte meines Lebens."Extra

In der Glockengießerei Mabilon wurden vor elf Jahren die letzten Glocken gegossen. Sie bilden heute das 24-stimmige Glockenspiel in der Saarburger St.-Laurentius-Kirche. Gegründet wurde das Saarburger Unternehmen 1770 von dem Glocken- und Kanonengießer Urbanus Mabilon, der Anna Maria Stocky, die Tochter eines Glockengießers aus Niederleuken heiratete. Damit er vor der Stadtmauer seine Werkstatt einrichten durfte, musste er für die Kirche drei Glocken gießen; eine davon hängt heute noch in der Kirche. Der letzte Saarburger Glockengießer Wolfgang Hausen-Mabilon hat die Werkstatt an die Stadt Saarburg übertragen. Heute befindet sich darin ein Museum. itz