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Die Spur führt von Vierherrenborn nach Portugal

Vierherrenborn/Silveiras. Das Landhaus in Vierherrenborn ist offenbar nicht das einzige, auf dessen Grundstück Robert W. Adriaansen nach seinem Auszug Altlasten zurückließ. Der Investor war 2012 aus dem Hochwald nach Portugal umgezogen. Seine Frau lebte auf der dortigen Finca noch bis vor wenigen Monaten. Inzwischen ist es den Eigentümern gelungen, das Landgut zurückzubekommen - in einem verheerenden Zustand. Alexander Schumtz

Vierherrenborn/Silveiras. Eines hat die portugiesische Gemeinde Silveiras mit der Hochwald-Gemeinde Vierherrenborn gemeinsam: In beiden Kommunen dominieren Landwirtschaft und Viehzucht. Allerdings stehen in der Gemeinde 90 Kilometer östlich der Hauptstadt Lissabon auch mehrere Hunderttausend Olivenbäume."Einst ein kleines Paradies"


Dort kaufte Wolfgang Delfs 1989 einen Bauernhof mit 122 Hektar Land. Er baute Wein und Oliven an, schälte Korkeichen und hielt etliche afrikanische Wildtiere auf seiner Finca. Gemeinsam mit einer Winzergenossenschaft produzierte er Bio-Wein. 2012 zog Robert W. Adriaansen (siehe Extra) mit seinen mehr als 100 Pferden in die Finca, nachdem er zuvor in einer Blitzaktion aus dem Landhaus in Vierherrenborn ausgezogen war. Auf dem Grundstück in Vierherrenborn soll er rund 300 Tonnen teerhaltigen Schutt, der entsorgungspflichtig ist, vergraben haben (der TV berichtete am 31. Juli).
Delfs Tochter Brigitte Davidow beschreibt ein kleines Paradies, um das sie sich nach dem Tod ihres Vaters 2010 gemeinsam mit ihrer Schwester Petra Dillmann kümmerte. "Davon ist heute nichts mehr übrig", sagt Davidow im TV-Gespräch. "Die Reben und Olivenplantagen sind kaputt, die Bewässerungsanlage ist herausgerissen. Der ganze Hof ist ein Müllplatz, und das Haus ist verseucht."

Und das kam so: Da beiden Eigentümerinnen die Wege von ihren Wohnorten in Namibia und Berlin nach Portugal auf Dauer zu weit waren, wollten sie die Farm verkaufen. Über einen Makler meldete sich im Sommer 2011 Adriaansen bei den zwei Schwestern. Der - laut eigenen Angaben - Steuerexperte suchte dringend eine Bleibe für seine mehr als 100 Pferde, die er in Vierherrenborn hielt.

Auf Empfehlung Adriaansens übertrugen die Schwestern, um Steuern zu sparen, die Finca in eine Gesellschaft, die sie ihm dann später verkaufen sollten. Als Abschlagszahlung erhielten sie 200 000 Euro, zu einer Übertragung der Gesellschaft ist es allerdings nie gekommen. Parallel gründete Adriaansen in Portugal eine GmbH, die Royal Blue Equi Lda. Die Gesellschaft war die Tochter einer in Luxemburg registrierten Holding. Letztere gehört zur Adriaansen Management GmbH mit Sitz in der Schweiz. Die Royal Blue Equi Lda. musste im Januar 2013 Insolvenz anmelden.
Zuletzt hat laut Davidow auf der Farm in Portugal Robert W. Adriaansens Ex-Frau Anna gelebt, bis sie das Landgut vor drei Monaten mit mehr als 100 Pferden, etlichen Hunden und Katzen fluchtartig geräumt habe. Bevor sie ausgezogen ist, soll sie noch Maschinen und Fahrzeuge, die zum Inventar der Finca gehörten, zu Geld gemacht haben.
"Damit endete für uns ein dreijähriger Alptraum", sagt Davidow. Mit Hilfe mehrerer portugiesischer Anwälte hatte sie zuvor mehrere Jahre lang versucht, die Familie vor die Finca-Tür zu setzen. Allerdings soll Adriaansen kürzlich mit zwei Komplizen gewaltsam in die Farm eingedrungen sein, um sich Zugang zu Dokumenten zu verschaffen.
Die drei mutmaßlichen Einbrecher seien zwar gestellt und von der Polizei festgenommen worden. Sie sollen sich aber zwischenzeitlich aus Verfahrensgründen nicht mehr in Haft befinden. Auf eine Anfrage des TV reagierte Adriaansen bis Redaktionsschluss nicht.Extra

Robert W. Adriaansen hat in Luxemburg und in Zug (Schweiz) eine Anwaltskanzlei. Laut seiner Internetseite arbeitet er vorwiegend im Bereich des Internationalen Steuer- und Gesellschaftsrechts. Ab Ende der 2000er Jahre kaufte er in der Region mehrere Immobilien, darunter neben seinem Landsitz in Vierherrenborn die Alte Schule in Waldweiler sowie das Stammhaus der Glockengießerfamilie Mabilon in der Saarburger Unterstadt. Anfangs versprach er, dass er als Investor die Kulturdenkmäler sanieren und weitervermarkten wolle. Inzwischen hat die Gemeinde Waldweiler die Alte Schule zurückgekauft. Makler bieten weiterhin die Häuser im Hochwald und an der Saar zum Kauf an. itz