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"Ein bisschen zu viel Rotstich..."

Im Gespräch mit Landwirt Alfons Linden: SPD-Bürgermeister-Kandidat Alois Zehren (links). Foto: Susanne Windfuhr
Im Gespräch mit Landwirt Alfons Linden: SPD-Bürgermeister-Kandidat Alois Zehren (links). Foto: Susanne Windfuhr
PALZEM-KREUZWEILER. Kein Wahlkampf ohne Hausbesuche: Auch Alois Zehren, SPD-Kandidat für das Amt des Bürgermeisters in der Verbandsgemeinde Saarburg, zieht zurzeit durch die Gemeinden, um sich persönlich bei den Wählern vorzustellen. Der TV begleitete den 45-Jährigen auf seiner Tour durch den Palzemer Ortsteil Kreuzweiler. Mit dabei war auch Ortsvorsteherin Eva Bröder. ARRAY(0x15bd4028)

"Sollen wir Platt schwätzen oder lieber Hochdeutsch?", fragt Alois Zehren vor dem Start seiner "Hausbesuche-Tour" in Palzem-Kreuzweiler die Ortsvorsteherin. "Ruhig Dialekt", rät Eva Bröder. "Kugelschreiber oder Feuerzeuge verteile ich aber nicht", erklärt Zehren schmunzelnd. "Ich finde das unsinnig. Von mir bekommen die Leute nur Postkarten mit ein paar Daten zu meiner Person." Er sei zunächst gar nicht begeistert gewesen von der Vorstellung, die Leute "an der Haustür zu überfallen". "Ich war ein bisschen skeptisch, so einfach in die Privatsphäre der Menschen einzudringen. Bei meinen ersten Besuchen musste ich mich wirklich überwinden.""Ich bitte Euch zu differenzieren"

Davon ist am Montagabend in Kreuzweiler nicht mehr viel zu spüren - zumal sich das Wetter "pro Zehren" zeigt, und der herrliche Sonnenschein viele vor die Haustür treibt. "Das macht es einfacher, wenn man die Leute draußen ansprechen kann", findet Zehren. So trifft er in Kreuzweiler einige beim Zupfen in den Vorgärten, Familien mit Kindern beim Spielen auf der Straße, andere beim Feierabendbier vor der Haustür. Landwirt Alfons Linden und Sohn Manfred sind im Hof zu Gange, als Eva Bröder den SPD-Kandidaten vorstellt. "Ich kandidiere nächsten Monat und wollte mich einfach mal persönlich zeigen", sagt Zehren und drückt Alfons Linden eine Postkarte in die Hand. "Hier habt Ihr noch ein paar persönliche Daten von mir. Wenn Ihr Fragen habt oder es sonst irgendwas gibt, stehe ich gerne zur Verfügung." Fragen hat Manfred Linden keine, dafür spontane Kritik: "Als Landwirte sind wir frustriert über die Tierhaltungsverordnung der Grünen." Auch die nach seinen Vorstellungen falsche Energiepolitik kommt aufs Tablett. Zehren geht kurz auf den kleinen "Rundumschlag" ein und meint: "Ich bitte Euch sehr zu differenzieren zwischen Bundes- und Kommunalpolitik. Ich bin auch nicht mit allem einverstanden, was da in Berlin entschieden wird." Er wolle das Bürgermeister-Amt unpolitischer als bisher gestalten, erklärt Zehren Familienvater Willkomm. Auch an anderer Adresse, wo eine ältere Frau im Vorgarten auf lustig-lockere Art deutlich macht, von "der Politik" nicht mehr viel zu erwarten und an Zehren gerichtet augenzwinkernd sagt: "Ihr seid ja auch mit einem Fuß am Treppchen", betont dieser: "Mir geht es nicht um eine politische Karriere. Man kann das Amt auch anders ausüben." Größere politische Diskussionen bleiben während Zehrens Besuchstour aus. Das decke sich mit der Erfahrung, die er in den übrigen Gemeinden gemacht habe. "Meist bleibt es bei einem kurzen Plausch." Abgewiesen worden sei er bislang nirgendwo. "Nur einer wollte neulich meine Karte erst nicht annehmen. Dann hat er gefragt, wo ich die noch überall verteile und hat schließlich doch nach einer gefragt." "Professionelle Kritik" zu seiner Karte bekommt Zehren ganz unverhofft vom luxemburgischen "Neu-Kreuzweilerer" Frank Stephany. Der ist gerade damit beschäftigt, das Fahrrad für Töchterchen Denise flott zu machen, nimmt sich jedoch trotzdem Zeit für ein Gespräch mit dem Bürgermeister-Kandidaten und betrachtet äußert interessiert Zehrens Postkarte: "Ihr Gesicht hat einen zu starken Rotstich. Da ist der Magenta-Anteil zu hoch", sagt er lachend und erklärt auf Nachfrage, als Drucker beim "Luxemburger Wort" zu arbeiten. Der "Rotstich" bringt den SPDler nicht aus der Fassung, und so bittet Zehren seine Parteikollegin Bröder zum Abschluss der Tour, die restlichen Karten in den nächsten Tagen im Ort zu verteilen.