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"Ein Wunder, dass nichts passiert ist"

Da steht 30, aber keinen interessiert's: Die Konzer Anwohner Gerd Martin (links) und Peter Feltes sind sauer.Foto: Hans Krämer
Da steht 30, aber keinen interessiert's: Die Konzer Anwohner Gerd Martin (links) und Peter Feltes sind sauer.Foto: Hans Krämer
KONZ. Seit mehr als einem Jahrzehnt doktern die Konzer an einer Lösung für die Roscheider Straße herum. Dort wird in der Nähe der Wohnbebauung ständig zu schnell gefahren. Doch Abhilfe ist schwer zu finden. Von unserem Redakteur <br>DIETER LINTZ

"Sie brauchen sich nur so aufzustellen, dass man Sie nicht sieht". Gerd Martin ist seiner Sache ziemlich sicher. Und in der Tat: Ein Auto nach dem anderen rast durch die 30er-Zone an dem kleinen Überweg zwischen der Wohnsiedlung und dem Bolzplatz auf der Waldseite der Roscheider Straße - und keines fährt auch nur annähernd 30. "Wenn sie wenigstens nicht über 50 fahren würden, wären wir ja schon zufrieden", schimpft Anwohner Martin, der gemeinsam mit seinen Nachbarn schon seit Jahren für eine wirksam bremsende Verkehrsregelung kämpft. Derweil brummt ein Kleinbus mit geschätzten 80 Stundenkilometern lautstark an einem Kind vorbei, das die Straße überqueren will. "Ein Wunder, dass noch nichts passiert ist", sagt Peter Feltes, der unmittelbar oberhalb des Gefahrenpunktes wohnt. "Morgens laufen Dutzende von Schulkindern hier durch", erzählt er. Die Lärmbelästigung und die Gefährdung von Passanten - beide Probleme bestehen schon seit Jahren. Manfred Wollscheid, der gerade mit seinem Hund vorbeikommt, berichtet von Gesprächen mit der Verwaltung in den 80er Jahren. Nie sei eine ernsthafte Verbesserung herausgekommen, aber das Verkehrsaufkommen habe sich ständig erhöht. Ginge es nach ihm, würden dauerhafte Tempokontrollen, so genannte "Starenkästen", über die Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzungen wachen. Unterdessen fährt nach einer halben Stunde zum ersten Mal ein Fahrzeug vorbei, das sich halbwegs an die 30 hält - ein Fahrschulauto. An seiner hinteren Stoßstange hängt schon ein ungeduldiger Drängler. Die Stadt Konz kennt das Problem. Vor zwei Jahren versuchte man, Abhilfe zu schaffen, mit "handgebastelten" Schwellen. Angesichts der Beschaffenheit sei der Versuch "zwecklos", befand der ADAC - und behielt recht. Was ein Hindernis sein sollte, erwies sich als abbröckelndes, massiven Lärm verursachendes Debakel. Die gebeutelten Anwohner, die zuvor für eine Neuregelung Unterschriften gesammelt hatten, forderten nun die Rücknahme der unglücklichen Maßnahme. Nach angemessener Schamfrist und allerlei Debatten im Stadtrat ließ die Stadt die Überreste der Schwellen Anfang 2003 entfernen und baute stattdessen eine Mittelinsel in die Fahrbahn, offenbar in der optimistischen Einschätzung, damit ließen sich die Raser bremsen. Ende März gab es ein Gespräch mit den skeptischen Anwohnern und das Versprechen, auffällige Markierungsstreifen anzulegen, um die Autofahrer optisch auf das Tempolimit aufmerksam zu machen. Zudem verabredete man mit Bürgermeister Manns, nach drei Monaten "Probezeit" ein weiteres Gespräch zu führen. "Seither haben wir nichts mehr gehört", sagt Gerd Martin frustriert. Auch von der Markierung ist nach einem Jahr noch fast nichts zu sehen. Das könne man in den nächsten Monaten ändern, sagt Bürgermeister Winfried Manns. Eine auffälligere Markierung sei "mit Sicherheit machbar". Aber ansonsten kann der Verwaltungschef nicht viel anbieten. Bringe man etwa neue Schwellen an, "beschweren sich die Anwohner nachher wieder über den Lärm". Immerhin: Mit der Polizei will er über verschärfte Geschwindigkeitskontrollen ab dem Frühjahr reden. SPD-Fraktionschef Alfons Maximini hält dagegen weitere Maßnahmen für "wünschenswert", glaubt aber, dass die Mehrheit im Stadtrat "dafür kein Geld ausgeben will". Er plädiert für eine größere Lösung für die gesamte Roscheider Straße. Da müsse man "was ordentliches hinmachen", eventuell noch einmal Schwellen "mit der richtigen Beschaffenheit und vernünftigen Abständen". Aber all zu viel Hoffnung macht er den Anwohnern nicht. Er habe "das Gefühl, für den Bürgermeister ist die Sache abgehakt". Das sieht Winfried Manns anders und weist darauf hin, "dass es kein Durchgangsverkehr, sondern Anwohner aus dem Stadtteil" seien, die an den Häusern vorbei rasen. Da könne man nur "an den Nachbarschaftsgedanken appellieren".