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Ende einer sinnvollen Einrichtung

Ein Bild, das es bald nicht mehr geben wird. Zusammen mit Altenpflegerin Dorothee Hamm bastelt Seniorin Anni Zingen an einem Schneeglöckchen-Motiv.Foto: Kerstin Smirr
Ein Bild, das es bald nicht mehr geben wird. Zusammen mit Altenpflegerin Dorothee Hamm bastelt Seniorin Anni Zingen an einem Schneeglöckchen-Motiv.Foto: Kerstin Smirr
SCHWEICH. Schlechte Nachricht für hilfsbedürftige Senioren und ihre Angehörigen: Die Tagespflege im Schweicher Altenheim wird geschlossen. Der Einrichtung fehlen finanzielle Mittel. ARRAY(0x15ae4208)

Seit über drei Jahren besucht Agnes Seywert, die an Alzheimer erkrankt ist, die Tagespflege in Schweich. Angelegt als Konzept zwischen ambulanter Pflege und Seniorenheim, ermöglichte die Einrichtung der 83-Jährigen bisher, den Tag mit anderen Senioren zu verbringen und nachts sowie am Wochenende in ihrer heimischen Umgebung zu bleiben. Auch für ihren Mann Nikolaus Seywert die ideale Lösung: "So lange ich zurechtkomme, möchte ich mich soweit wie möglich selbst um meine Frau kümmern." Mitte Dezember flatterte dann die Kündigung der Tagespflege ins Haus. Wie die Betreuung seiner Frau nach der Schließung aussehen soll, weiß der 82-Jährige noch nicht.Jährliches Defizit geht in die Zehntausende

Für die beiden Träger ist die Tagespflege in Schweich nicht mehr finanzierbar. Seit 1996 trugen der Caritasverband für die Region Trier und die Franziskanerinnen vom heiligen St. Josef in deren Altenheim die Einrichtung gemeinsam und damit auch, je nach Auslastung, das jährliche Defizit von 30 000 bis 50 000 Euro. Zuvor hatte die Caritas die Tagespflege in ihrer Einrichtung Haus Kobenbach untergebracht. Aber auch dort war die Pflege nicht kostendeckend. Durch eine Zusammenarbeit mit dem Altenheim St. Josef hoffte sie auf Synergie-Effekte. Während in Haus Kobenbach vor allem aktive Senioren die Tagespflege besuchten, sind heute viele der 25 Gäste pflegebedürftig. Für die Träger entstanden höhere Personalkosten, die Rahmenbedingungen für die Tagespflege änderten sich indes kaum. So entschied der Caritas-Rat im November, die Tagespflege zu schließen. Bernd Kettern, Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Region Trier, bedauert diesen Schritt: "Es war leider nicht möglich, dem Rat in Aussicht zu stellen, dass in den nächsten zwei bis drei Jahren eine Änderung eintreten wird." Auf Eigenmittel zum Ausgleich des Defizits wie in den vergangenen Jahren könne der Verband nicht mehr zurückgreifen. Dass es ausgerechnet die Tagespflege trifft, liegt zudem daran, dass sie als komplementäres Angebot zu den ambulanten Diensten der Caritas gilt. In Zukunft müsse sich der Verband verstärkt auf seine ursprünglichen Aufgaben konzentrieren, sagt Kettern. Zwar ging der erste Schritt zur Schließung von der Caritas aus, doch auch der Kooperationspartner St. Josef konnte das Ende der Tagespflege nicht verhindern. Heimleiter Anno Frings: "Zwar hätten wir sie nicht direkt aufgegeben, aber auch für uns stellen die unzureichenden Mittel zunehmend ein Problem dar." Bis zuletzt hätten sich beide Träger bemüht, weitere Finanzmittel zu erschließen, sagt Bernd Kettern: "Wir haben mit Unternehmen und Privatleuten gesprochen und auch im öffentlichen Bereich versucht, Geld zu beschaffen. Das ist uns aber nicht gelungen." Die Besucher und ihre Angehörigen suchen nun mit den Mitarbeitern der Caritas individuell nach geeigneten Betreuungsmöglichkeiten. Doch Kettern ist sich sicher, dass die Tagespflege eine Lücke hinterlassen wird: "Es wird nicht in jedem Fall eine Lösung geben, die dem Besucher und seinen Angehörigen gerecht wird."VG-Rat spricht sich gegen Schließung aus

Die Senioren und ihre Familien kämpfen immer noch mit einer Unterschriftenaktion für den Erhalt der Tagespflege. Für Kettern ein Zeichen dafür, wie zufrieden die Gäste mit dem Einsatz seiner Mitarbeiter sind. "Doch an den Fakten ändert es nichts", sagt er. Mittlerweile hat sich auch der Verbandsgemeinderat Schweich mit der Thematik beschäftigt. Das Gremium sprach sich für den Erhalt der Tagespflege aus. Bürgermeister Berthold Biwer kündigte an, dies auch schriftlich kundzutun. Den drei Teilzeitkräften hat die Caritas andere Stellen angeboten. Auch sie bedauern, dass die Tagespflege geschlossen wird. Gerhild Sihr, Leiterin der Tagespflege, in Schweich: "Es ist traurig, dass etwas zu Ende sein soll, das wir für gut heißen."