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Erste Frauen-Hochzeit in der Saarburger Kirche

Maria (links) und Elisabeth Nitsche geben sich am Samstag das Ja-Wort in der evangelischen Kirche in Saarburg. Der Altersunterschied zwischen ihnen sei bislang kein Problem, sagen die beiden. TV-Foto: Marion Maier
Maria (links) und Elisabeth Nitsche geben sich am Samstag das Ja-Wort in der evangelischen Kirche in Saarburg. Der Altersunterschied zwischen ihnen sei bislang kein Problem, sagen die beiden. TV-Foto: Marion Maier FOTO: (h_sab )
Saarburg. Es ist eine Premiere: Zwei Frauen werden am heutigen Samstag in der evangelischen Kirche in Saarburg getraut. Die beiden freuen sich über diese Offenheit. Sie haben auch schon anderes erlebt. Marion Maier

Saarburg Die Kleider bei der heutigen Trauung in der evangelischen Kirche in Saarburg muten traditionell an: hier ein weißes Kleid und dort eine Art schwarzer Anzug. Doch die Trauung an sich ist es nicht. In dem Gotteshaus auf dem Schlossberg heiraten erstmals zwei Frauen: Elisabeth (55) und Maria Nitsche (28) aus Saarburg.
Die beiden haben sich gefreut, als der Bundestag Ende Juni dieses Jahres für die Ehe für alle gestimmt hat. Elisabeth Nitsche erinnert sich: "Das erste, was ich gesagt habe, war: Jetzt gehen wir richtig heiraten." Denn in einer eingetragenen Partnerschaft haben die beiden zu diesem Zeitpunkt bereits gelebt. Diese Partnerschaft sind sie just vor einem Jahr eingegangen: am 18. November auf dem Standesamt und am 19. November in der Kirche.
Zumindest in der Kirche war auch das eine Premiere. Pfarrer Peter Winter sagt: "Es war das erste gleichgeschlechtliche Paar überhaupt, das ich gesegnet habe." Elisabeth Nitsche lobt den Pfarrer für seine Offenheit. Ohne Vorbehalte habe er zugestimmt, die Trauung zu übernehmen. "Das ist ein super Zeichen der evangelischen Kirche und von Pfarrer Winter!" Er sei es auch gewesen, der sie dazu gebracht habe, in die evangelische Kirche einzutreten. Der Geistliche freut sich, das zu hören. Generell sagt er: "Für mich geht es bei der Trauung um die Beziehung der Menschen miteinander und um den Segen Gottes. Und um diesen zu bitten, ist für jede gleichberechtigte Partnerschaft möglich - egal ob homosexuell oder heterosexuell." In der evangelischen Kirche werden seit Anfang vergangenen Jahres homosexuelle Paare getraut. Da sei die Kirche ein Jahr früher dran gewesen als der Staat, sagt Winter. Diskussionen über die Trauung Homosexueller habe es in seiner Gemeinde bislang nicht gegeben. Er sei zwar sicher, dass es auch Gemeindemitglieder gebe, die dies kritisch sähen, doch hätten sie sich noch nicht zu Wort gemeldet. Lediglich über eine Formalie macht Pfarrer Winter sich Gedanken: Die Partnerschaft der Nitsches hat er bereits in das Kirchenbuch eingetragen. Macht er dies für die Ehe nun ein zweites Mal?
Das Neuland Ehe für alle hat an anderer Stelle zu Überraschungen geführt. Elisabeth Nitsche berichtet: "Als wir zum Standesamt gegangen sind, dachten wir, die schreiben das einfach um. Aber die nette Standesbeamtin hat dann eine kleine Zeremonie gemacht. Das war sehr spontan." Sie schaut zu ihrer Ehefrau und sagt: "Sie in Leggings, ich in Arbeitskleidern." Beide lachen. Maria Nitsche ergänzt: "Das war schon ein bisschen peinlich, aber auch schön." Schön soll es auch wieder in der Kirche werden. Die Nitsches wollen wieder "ihr" Lied hören: "When I need you" von Leo Sayer. Gefeiert wird anschließend mit 20 bis 30 Leuten. Wie das bei einer Hochzeit eben üblich ist.
Doch wie normal ist ein homosexuelles Paar heutzutage im ländlichen Raum? Probleme hätten sie als lesbisches Paar keine, sagen die Nitsches, die als Reinigungskräfte arbeiten und sich über das Internet kennengelernt haben. Doch das war nicht immer so. Maria Nitsche, die aus Ludwigshafen stammt, sagt: "Meine Eltern haben das gar nicht akzeptiert, dass ich mit einer Frau zusammen bin." Mittlerweile hat sie keinen Kontakt mehr zu ihnen. Elisabeth Nitsche erinnert sich: "Ich habe schon immer gemerkt, dass ich eher Frauen mag, aber zu meiner Jugendzeit konnte man dazu nicht stehen." Ende der Siebziger sei das schwierig gewesen. Ihr sei gesagt worden, Homosexuelle müssten vernichtet werden. Sie habe auch den Paragraf 175 drohend im Kopf gehabt, ohne ihn genau zu kennen. Dieser Paragraf des Strafgesetzbuchs hat zwar sexuelle Handlungen zwischen Personen männlichen Geschlechts unter Strafe gestellt, doch hat er damals wohl die Atmosphäre vergiftet. 1973 wurde er gelockert und erst 1994 abgeschafft. Vor diesem Hintergrund probierte Elisabeth Nitsche es zunächst mit Männern, wurde auch Mutter, trennte sich vom Vater und zog ihre Tochter alleine groß. Die 55-Jährige sagt: "Mit der Zeit ist die Stimmung besser geworden." Mit 25 habe sie dann die erste feste Freundin gehabt. "Zu dieser Beziehung habe ich vom ersten Tag gestanden. Man sollte sich in der Öffentlichkeit zeigen, wie man ist."Extra: EHE FÜR ALLE IM GESETZ


Seit 1. Oktober gibt es die Ehe für alle. Dafür wurde in einem Paragrafen des Bürgerlichen Gesetzbuchs klargestellt, dass auch gleichgeschlechtliche Menschen eine Ehe eingehen können. Rechtlich hat sich für die verheirateten Homosexuellen im Vergleich zur eingetragenen Partnerschaft, die es vorher gab (jetzt nicht mehr), wenig verändert. Denn in der Vergangenheit waren die beiden Formen von Lebensgemeinschaft großteils rechtlich gleichgestellt worden, ob im Unterhaltsrecht, der Hinterbliebenenversorgung oder der Erbschaftssteuer. Neu ist, dass verheiratete Schwule und Lesben das gleiche Recht haben, Kinder zu adoptieren, wie andere Ehepaare. Sie können sich zudem offiziell Ehepartner nennen. In der Verbandsgemeinde Saarburg existieren bislang drei Ehen Homosexueller. Die der Nitsches ist eine davon. Alle drei Paare haben laut Susanne Rendenbach, Pressesprecherin der Verbandsgemeindeverwaltung, zuvor in einer eingetragenen Partnerschaft gelebt. Die Umwandlung einer solchen Partnerschaft in eine Ehe erfolge per formalen Akt am Schreibtisch. Die richtige Eheschließung unterscheide sich bei Homo- und Heterosexuellen ansonsten nicht. Die Synode der Evangelischen Kirche im Rheinland hat laut Maike Roeber, Sprecherin des Kirchenkreises Trier, die Gleichstellung homosexueller und heterosexueller Paare bereits 2016 beschlossen. Damit können sich gleichgeschlechtliche Paare in der rheinischen Kirche trauen lassen. Pfarrer können die Trauung schwuler und lesbischer Lebenspartner aus Gewissensgründen ablehnen, auch Kirchengemeinden können dies. Sie haben dann aber dafür zu sorgen, dass die Trauung in einer anderen Gemeinde stattfinden kann. Die katholische Kirche hat starke Vorbehalte gegen die Ehe für alle. Für die deutsche Bischofskonferenz ist die Ehe "die Lebens- und Liebesgemeinschaft von Frau und Mann". Der Saarburger Pastor Georg Goeres betont: "Klar ist, dass den Menschen mit Respekt zu begegnen ist."