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"Es ist einfach nur eklig!"

Iiihh….!: Betreten der Schultoilette der Grundschule Kenn ist nur mit zugehaltener Nase möglich. Die nach Urin stinkende und teilweise defekte Sanitäranlage wird von den Schülern weitestgehend gemieden.Foto: Katja Krämer
Iiihh….!: Betreten der Schultoilette der Grundschule Kenn ist nur mit zugehaltener Nase möglich. Die nach Urin stinkende und teilweise defekte Sanitäranlage wird von den Schülern weitestgehend gemieden.Foto: Katja Krämer
KENN/TRIER. Die Schultoiletten der Grundschule Kenn - ein ekliges Örtchen. Lehrer und Schüler sind angewidert von den nach Urin stinkenden und teilweise defekten Schul-WCs. Die Gemeinde als Träger hat die Notwenigkeit einer Sanierung erkannt. Doch frühestens im nächsten Jahr kann mit der Änderung begonnen werden. ARRAY(0x26bda0348)

Luft anhalten, Tür auf und dann schauen, dass man so schnell wie möglich wieder an die frische Luft kommt. Oder die Alternative wählen, die die meisten Schüler und Lehrer bevorzugen: erst gar nicht zur Schultoilette der Grundschule Kenn gehen. "Das ist viel zu eklig", sagt Stella (9) naserümpfend. Nicht aushalten kann Laura (9), wenn das Wasser aus der Kloschüssel beim Abspülen auf ihre Kleider spritzt, weil der Abzug defekt ist. Aus dem Seifenspender kann Pauline (9) nur Klumpen herauspressen. "Und es stinkt furchtbar", sagt Erstklässler Lukas. Er hat, wie viele seiner Schulkameraden, beschlossen, nur noch das heimische WC aufzusuchen.Betreten nur zu Kontrollzwecken

Auch die meisten Lehrer meiden das Betreten des Abscheu erregenden Örtchens. Außer: "Wir müssen einmal während der Pausenaufsicht die Toiletten kontrollieren", erzählt Lehrerin Sonja Würtz. "Das geht nur mit zugehaltener Nase." Auch die Lehrertoilette sei eine Zumutung, sagt die kommissarische Schulleiterin Anne Rausch. Vor allem im Sommer sei die Geruchsbelästigung, die von den sanitären Anlagen ausgehe, nicht mehr auszuhalten. "Wir sind schon seit Jahren dran, dass eine Änderung eintritt, doch wir hörten von der Gemeinde immer nur, dass keine Gelder da sind", sagt Rausch. Das Problem könne laut Schulleiterin nicht auf das Fehlverhalten der Kinder abgeschoben werden oder gar der Reinemachefrau - "Die tut mir leid, wenn sie da rein muss" - abgewälzt werden. Fakt ist, da ist sich das gesamte Lehrerkollegium einig, dass die 30 Jahre alte Anlage schlichtweg veraltet ist und es deshalb stinkt und einiges nicht mehr funktioniert. Harald Michels, Leiter des Gesundheitsamtes Trier, sagt: "Wenn in Urinalen Risse sind, kann die beste Putzfrau putzen, da wird nichts passieren." Und er sagt: "Wenn Toiletten da sind, dann müssen diese in Ordnung sein, und der im Infektionsschutzgesetz vorgeschriebene Hygieneplan muss eingehalten werden." Die Gemeinde Kenn hat die Dringlichkeit einer Sanierung erkannt. "Das Problem ist bekannt", sagt Ortsbürgermeister Manfred Nink. "Da bleiben wir dran." Nink prognostiziert: "Ich unterstelle mal, dass wir 2006 die Sache in Angriff nehmen werden." Bis dahin wird noch viel Wasser auf die Kleidung der Grundschüler spritzen, wenn sie die Schultoilette aufsuchen. In der jüngsten Gemeinderatssitzung sagte der Kenner Ortsbürgermeister, dass mit der Zeitspanne von etwa zwei Jahren gerechnet werden kann, weil Zuschüsse aus Programmen der Schulbauförderung beantragt werden sollen. Er glaube kaum, dass die Gemeinde es sich leisten könne, auf die Zuschüsse zu verzichten. Die Berücksichtigung dieser Zeitspanne sollte sich jeder bewusst machen.Wenigstens gut riechende Seife bereitstellen

Miriam Lange, Pressesprecherin der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD) Trier sagt: "Die Schulleiter sind verpflichtet, hygienische Mängel dem Schulträger zu melden. Seitens der Träger besteht eine Sanierungspflicht." Der ADD liegt laut Lange ein Schreiben der Gemeinde Kenn vor, in der sie um Beratung bezüglich der geplanten Sanierung bittet. Auch an das Gesundheitsamt können sich die Schulleiter wenden. Die Gesundheitsaufseher prüfen dann die so genannte Gemeinschaftstoilette und ob eine Gefahr für die Gesundheit besteht.Ein Vater, der namentlich nicht genannt werden möchte, sagt, dass die Kenner Schultoiletten kein Einzelfall sind. Der Besuch des WCs eines renommierten Trierer Gymnasiums während einer Theaterveranstaltung seiner Tochter, hat ihn ebenfalls schockiert. "Mit dem Fuß habe ich die Tür aufgestoßen. Ein ekelhafter Zustand hat sich mir dort präsentiert", sagt er. Er vermutet, dass einige Träger bewusst so lange mit einer Sanierung warten, bis Landeszuschüsse fließen. Die Kenner Grundschulkinder Stella, Carin und Leonie haben keine hohen Ansprüche an ihre Schultoiletten. Sie wünschen sich lediglich "saubere Klobrillen, dass es nicht mehr so stinkt und dass gut riechende Seife da ist, damit wir uns die Hände waschen können." ek/pr