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Fernseh-Krimi verlegt Serrig ins Saarland

Judith Mohn (Christina Hecke) ermittelt im Krimi „In Wahrheit – Mord am Engelgraben“ wegen eines Mordes an einer Prostituierten, die an der Cloef gefunden wird. Foto: Network Movie
Judith Mohn (Christina Hecke) ermittelt im Krimi „In Wahrheit – Mord am Engelgraben“ wegen eines Mordes an einer Prostituierten, die an der Cloef gefunden wird. Foto: Network Movie FOTO: Alexander Schumitz (itz) ("TV-Upload Schumitz"
Serrig/Mainz. Arte zeigt heute den Film "In Wahrheit - Mord am Engelsgraben". Zentrale Szenen wurden in der VG Saarburg gedreht. Doch eigentlich soll der Streifen das Nachbarland bekannter machen. Alexander Schumitz

Uwe Conradt liebt das Saarland. Eine der größten Sorgen des CDU-Politikers und Direktors der saarländischen Landesmedienanstalt ist die mangelhafte Medienpräsenz seines Bundeslandes im Zweiten Deutschen Fernsehen (ZDF). Deshalb hat er sich wiederholt dafür starkgemacht, dass der Sender entsprechend den Vorgaben des ZDF-Staatsvertrags "die Produktionsstandorte auf die Länder verteilt". Mit Erfolg!

Als der ZDF-Intendant Thomas Bellut im März 2013 den Medienausschuss des saarländischen Landtags besuchte, hatte er ein Geschenk dabei. Er versprach, dass ein Krimi im Saarland gedreht würde. Mit den Dreharbeiten für den 90-minütigen Spielfilm wurde im August 2016 begonnen (der TV berichtete). Produziert wurde er von Network Movie, einem ZDF-Tochterunternehmen. Heute, Freitag, 20.15 Uhr, läuft der Film mit dem Titel "In Wahrheit - Mord am Engelsgraben" in Arte.

Regie geführt hat Miguel Alexandre. Der 48-jährige Deutsch-Portugiese hat wiederholt Filme für das ZDF in Szene gesetzt. Mit "Grüße aus Kaschmir" gewann er 2005 den Adolf-Grimme-Preis, den höchstdotierten deutschen Fernsehpreis. Die Hauptrolle als Kommissarin spielt Christina Hecke. Sie gewann 2011 den Förderpreis Deutscher Film beim Münchner Filmfest. Bei den Schauspielern wurde also auf Qualität geachtet. Gedreht wurde der saarländische Streifen allerdings nicht nur im Nachbarland. Viele Filmszenen sind in der Verbandsgemeinde Saarburg entstanden, beispielsweise in Serrig und Taben-Rodt. So war das Team eine Woche lang auf Schloss Saarstein unterwegs und drehte dort zentrale Szenen. "Die Dreharbeiten zu verfolgen war sehr spannend", sagt Christian Ebert, Eigentümer des Weinguts oberhalb von Serrig.

Andere Szenen seien an der Staustufe Serrig gefilmt worden - im Krimi bieten sie die Kulisse für Szenen an der Staustufe Mettlach. Die Filmhandlung: Die Kommissarin Judith Mohn ermittelt mit ihrem Kollegen im Mordfall einer Prostituierten. Die Leiche wird in einem Waldgebiet an der Cloef gefunden. Schnell wird der Kommissarin bewusst, dass es einen Zusammenhang mit einem nie aufgeklärten Mordfall an einer 16-jährigen Tramperin geben könnte. Sie kontaktiert ihren Vorgänger, der den neun Jahre zurückliegenden Kriminalfall seinerzeit vergeblich untersuchte. Schnell entpuppen sich die Ermittlungen im Fernfahrer-Milieu als gefährlich. Und auch die Eltern der verschwundenen Tramperin reagieren aggressiv, als sie von der Wiederaufnahme der Ermittlungen erfahren.

Gerade als eine Abifeier eines ihrer Kinder im Gange ist, taucht der Freund des neun Jahre zuvor verschwundenen Mädchens in ihrem saarländischen Weingut in Seerig (in echt: Serrig in der VG Saarburg) auf.

Der Filmkritiker Rainer Tittelbach ist sich sicher, dass das ZDF keine Plakatwände mieten würde, um für den Film zu werben. "Er erzählt eine gewöhnliche Krimigeschichte nach dem Muster ,Die Spur führt in die Vergangenheit'", schreibt er in seinem Filmblog unter www.tittelbach.tv . Er kritisiert, dass die Geschichte, so wie sie verfilmt wurde, überall spielen könnte. Für ihn ist das Werk eine weitere Episode der von Miguel Alexandre für das ZDF verfilmten Gotland-Krimi-Reihe. Tittelbach mutmaßt, dass der Film mehr als ein einfacher Feld-Wald-und-Wiesenkrimi sei. Selbst für kleinste Rollen habe Miguel Alexandre namhafte Schauspieler, wie beispielsweise Ulrike Krumbiegel, Peter Kremer und Juer gen Maurer, engagieren können. Der Kritiker rechnet damit, dass die Kommissarin Judith Mohn demnächst häufiger im Auftrag des ZDF in schwierigen Mordfällen ermitteln darf. Und schon allein wegen Christina Hecke in der Rolle der "erfrischend positiven Ermittlerin" und der landschaftlich reizvollen Luftaufnahmen der Saarschleife lohne sich - so Tittelbach - der Film. Mit den Augen des Besitzers des Weinguts, auf dem gedreht wurde, sieht Christian Ebert das anders. Ihm hat der Film bei einer Vorführung im Saarbrücker Schloss gefallen. Er sagt: "Die Story ist spannend mit einem überraschenden Ende. Und es gibt grandiose Aufnahmen des Saartals. Der Film ist eine tolle Werbung für die Region."