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Franzosen gehen zu Fuß nach Hause

Lagebesprechung vor dem großen Marsch: Capitaine Thiery Chanson (links) erklärt seinen Rekruten die Strecke nach Bitche. Zweimal wird unter freiem Himmel übernachtet. TV-Foto: Herbert Thormeyer
Lagebesprechung vor dem großen Marsch: Capitaine Thiery Chanson (links) erklärt seinen Rekruten die Strecke nach Bitche. Zweimal wird unter freiem Himmel übernachtet. TV-Foto: Herbert Thormeyer
42 Jahre lang war das 16. Französische Jägerbataillon in Saarburg stationiert. Die Unterstützungskompanie dieser Einheit hat seit 1993 eine intensive Partnerschaft mit Irsch gepflegt. Jetzt haben sich die letzten 22 Soldaten von ihren Freunden verabschiedet. Von unserem Mitarbeiter Herbert Thormeyer

Irsch. Mit wachem Blick beugt sich Capitaine Thiery Chanson über die Karte des Südwestens der Republik. Gerade hat er mit 22 Soldaten, unter ihnen vier Frauen, Quartier in der Mehrzweckhalle in Irsch bezogen, wo die Truppe die Nacht verbringen will.

Es ist der letzte Abend der Unterstützungskompanie des 16. Jägerbataillons, die seit 1993 freundschaftliche Beziehungen mit dem Ort Irsch gepflegt hat. Es sind die letzten Soldaten des Standortes Saarburg, die abrücken. Der Grund: Die Einheit wurde ins französische Bitche verlegt.

Ein regionaltypisches Abschiedsfest, mit frischem Federweißen und Zwiebelkuchen, wurde den Gästen gegeben, bevor sich diese auf den Heimweg machen, zu Fuß über mehr als 140 Kilometer nach Bitche mit drei Übernachtungen. Zwei davon verbringen sie unter freiem Himmel.

"Wir haben uns so an diese Freundschaft gewöhnt. Die Franzosen waren Teil unseres kulturellen Lebens. Jetzt müssen wir umdenken", bedauert Ortsbürgermeister Jürgen Haag mit Wehmut in der Stimme. "Ich würde gern hier bleiben, denn in Irsch haben wir gute Freunde gefunden", erklärt Kompaniechef Chanson. Weinfeste und der Irscher Karneval werden dem französischen Offizier weiter in guter Erinnerung bleiben.

Die jungen Rekruten lernten ebenfalls nur Freunde kennen. "Wir haben nie über die Vergangenheit und Kriege gesprochen", erklärt Caporale-Chef Emanuel Braun (32), der seit seinem 18. Lebensjahr in Saarburg eingesetzt war. Seine Kameradin Amandine Beltrami war erst zwei Jahre in der Garnison Saarburg. "Es ist so schön hier, ich gehe ungern weg, denn die Leute waren immer froh, wenn sie uns trafen", sagt die 27-Jährige.

Wie gut sich die Freundschaft entwickelt hat, kann kaum einer so gut beurteilen wie Jeannot Dour. Der 64-Jährige war 27 Jahre in Saarburg stationiert und im doppelten Sinne "Dolmetscher" zwischen Deutschen und Franzosen. Er freut sich: "Sogar eine Ehe wurde 1988 geschlossen."

Die letzten Lichter sind in der Kaserne ausgeschaltet worden. "Es ist der letzte Akt einer langen Freundschaft", bedauert der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Saarburg, Leo Lauer. Das Abschiedsfest gebe noch einen Funken Hoffnung, dass die Freundschaft über eine größere Entfernung gepflegt werden kann.

Das wird jedoch schwierig, denn die Einheit, mit der Irsch so lange enge Kontakte pflegte, wird im August 2011 aufgelöst. Auch der französische Staat muss sparen und verkleinert seine Streitkräfte. Was bleibt, ist die Ehe zwischen Renate und Dany Helmstetter, dem dauerhaften Symbol der engen Beziehungen zwischen den französischen Soldaten und der Zivilbevölkerung.

Jetzt ist die kleine Truppe zu Fuß quer durchs Saarland unterwegs zu ihrem neuen Zuhause, dem Standort Bitche. Und der liegt 140 Kilometer von Saarburg entfernt.