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Fremde Vorhänge und schwedische Gardinen

SAARBURG. Mehr als ein halbes Jahr lang beschäftigte eine Einbruchserie in der Region die Ordnungshüter. Massive Polizeipräsenz und die Mithilfe der Bevölkerung bereiteten dem überwiegend nächtlichen Treiben übler Zeitgenossen ein Ende. ARRAY(0x1d485c1e0)

Die Polizei, dein Freund und Helfer - jeder kennt die liebevolle Umschreibung für die Frauen und Männer in Uniform, die für Sicherheit und Ordnung im Land sorgen. Helfer können allerdings auch jene sein, zu deren Berufung nicht die Jagd nach Gesetzesbrechern gehört. Ihre Hilfe ist mitunter entscheidend.Selbst Pfarrhaus blieb nicht verschont

Mitte November 2003 hatte alles begonnen. Zahlreiche Einbruchsdelikte in verschiedenen Gemeinden auf dem Saargau sowie in Konz, Saarburg, Freudenburg, Wawern, Tawern und Palzem beschäftigten die Polizei und sorgten für Angst in der Bevölkerung (der Trierische Volksfreund berichtete). In den meisten Fällen handelte es sich um so genannte Tageswohnungseinbrüche: Wohnungen oder Häuser wurden nach Einbruch der Dunkelheit und überwiegend am Wochenende aufgesucht. Doch auch vor Gasthäusern, Werkstätten und selbst vor einem Pfarrhaus machten die Täter nicht Halt. Recht schnell sprachen die Ordnungshüter von einer Serie. Denn: Ein immer gleiches Schema legte die Vermutung nahe, dass es sich in allen Fällen um dieselben Täter handelte. Alles, was sich ohne große Schwierigkeiten aus dem Haus tragen ließ, schleppten die Diebe davon - darunter Schmuck, Bargeld und sogar Tresore. Lange Zeit tappte die Polizei im Dunkeln. Im Juni 2004 riss die Einbruchserie plötzlich ab - und das hatte seinen Grund. "Um die Täter zu finden, haben wir mit massiven Polizeikontrollen im betroffenen Gebiet reagiert", berichtet Günter Schander, Leiter der Polizei-Inspektion Saarburg. Daran beteiligt waren auch Kräfte von Bereitschaftspolizei und Bundesgrenzschutz. "Im Lauf der Ermittlungen, die sich auch auf Hinweise aus der Bevölkerung stützten, konnten wir uns in etwa ein Bild vom Täterkreis machen." Das habe es erlaubt, zielgerichtet bestimmte Personengruppen unter die Lupe zu nehmen, erklärt Schander. Im Klartext heißt das: Autos wurden angehalten, die Insassen auf Herz und Nieren geprüft und die Fahrzeuge "links gemacht". Die Polizisten hofften, Hinweise auf die Täter zu finden. Grund für die Sonderkontrollen war allerdings nicht nur der erhoffte Fahndungserfolg. "Die verstärkte Polizeipräsenz sollte auch eine abschreckende Wirkung haben", sagt Günter Schander. Über einen Zeitraum von mehreren Wochen rollten grün-weiße Fahrzeuge zu jeder Tages- und Nachtzeit durch die Straßen der Gemeinden. Schließlich der Erfolg: Während einer Kontrolle klickten die Handschellen. Mehrere mutmaßliche Täter konnten festgesetzt werden. Derzeit beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft Trier mit ihnen.Hinweise waren extrem wichtig

Seither habe es keinen Einbruch nach dem bekannten Muster mehr gegeben, berichtet Schander, nachdem er sich durch einen Blick in den Computer vergewissert hat. Worauf er den Fahndungserfolg zurückführt? "Letztlich auf unsere verstärkte Präsenz vor Ort und die hartnäckigen Kontrollen." Extrem wichtig seien allerdings die Hinweise aus der Bevölkerung gewesen. Das sei in solchen Fällen das A und O. Doch nicht nur, wenn bereits die Fensterscheiben geklirrt haben, komme es auf genaue Beobachtungen an. Mancher Bösewicht könne bereits im Vorfeld an seinem Tun gehindert werden. "Hat man eine Person mit auffälligem Verhalten oder ein Auto, das nicht zugeordnet werden kann, beobachtet, braucht man sich nicht zu scheuen, nach dem Telefonhörer zu greifen und die Polizei zu informieren." Das gelte auch, wenn man sich nicht sicher sei, ob das Gesehene von Belang ist, ermutigt Schander. Hilfreich sei in diesem Zusammenhang, außer Autonummern auch Personenbeschreibungen zu notieren, um bei einer späteren Aussage bei der Polizei genaue Informationen geben zu können. Genau solche Aussagen waren es, die dazu beigetragen haben, dass jene, die ihr Glück hinter fremden Vorhängen wähnten, die nächste Zeit hinter schwedischen Gardinen verbringen.