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Benefiz
Dröhnendes Gedenken an Marius

Markus Betz zieht seine Warnweste an, um anschließend die DGM-Sternfahrt anzuführen.
Markus Betz zieht seine Warnweste an, um anschließend die DGM-Sternfahrt anzuführen. FOTO: Elisabeth Jäckel
Oberbillig. Unter dem Motto „You’ll never walk alone“ starten Hunderte Biker bei der DGM-Sternfahrt Von Elisabeth Jäckel

Sonntagmorgen, 11 Uhr, in Oberbillig: Bereits jetzt sind einige Biker auf den Straßen in dem kleinen Ort an der Mosel zu sehen – und vor allem zu hören. Mit ihren Motorrädern fahren sie am Ufer entlang, lassen ihre Motoren kurz aufheulen und stellen ihre Fahrzeuge in die immer länger werdene Schlange.  Bereits eine knappe Stunde später ist das Durchkommen am Moselufer fast unmöglich. Überall stehen Motorräder, dazwischen tummeln sich Biker, Besucher und Bewohner.

Es ist das achte Mal, dass sich mehrere Hundert Motorradfahrer aus der Region in Oberbillig treffen, um gemeinsam an der DGM-Sternfahrt teilzunehmen. Diesmal steht die Sternfahrt unter dem Motto „You’ll never walk alone“ (zu Deutsch: Du wirst nie alleine gehen). Das gleichnahmige Lied war eines der Lieblingslieder von Marius Betz, für den seine Eltern ursprünglich die Sternfahrt ins Leben gerufen haben. Nun steht es als Motto über der diesjährigen Sternfahrt. Marius starb im November letzten Jahres, und mit diesem Wochenende, mit dieser Sternfahrt, soll an ihn erinnert werden.

Es ist kein einfaches Wochenende für Markus und Dorothee Betz, die ihren Sohn an die Krankheit Muskeldystrophie Duchenne verloren haben.  Ständig ringen die beiden mit ihren Gefühlen, ziehen sich kurz zurück oder umarmen Freunde und Bekannte. Bernd Schreiner, ein Freund von Markus Betz, sagt: „Er macht das hier alles für seinen Sohn, für Marius.“

Die Stimmung in Oberbillig dennoch keinesfalls traurig. Am Samstag seien knapp 1000 Menschen in dem kleinen Ort an der Mosel gewesen, um gemeinsam zu feiern. Neben Konzerten der Sängerin Cheyenne Janas und der Band Los Manolos gab es eine Travestie-Show und ein Feuerwerk. „Es war unglaublich“, sagt Markus Betz, „die Leute haben auf der Straße getanzt.“

Beeindruckt von der Veranstaltung ist auch Joachim Sproß, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Gesellschaft für Muskelkranke (DGM).  „Was Familie Betz auf die Beine stellt, ist ein tolles Zeichen. Auch für Menschen, die nicht mehr unter uns sind“, sagt er.  Das Engagement der Gemeinde, der Vereine, der Polizei und der unzähligen Helfer sei großartig. Das Motto „You’ll never walk alone“ gilt nämlich auch bei der Hilfsbereitschaft der Anwohner. Sie verkaufen Getränke, spenden Kuchen oder verteilen die Teilnehmerbändchen. Tatsächlich hilft das ganze Dorf bei der Veranstaltung, bestätigt Betz.

Wenn einige Anwohner nicht mithelfen, dann nur, weil sie selbst mitfahren. So wie Stefan Elenz. Mit seiner Harley Davidson fährt er seit Anfang an bei der Sternfahrt mit, sagt er. „So was muss man unterstüzten.“  Wie die meisten hat auch er an seiner Harley ein schwarzes Band befestigt. Darauf ist ein Herz gemalt, daneben steht „Marius“.

Kurz vor dem eigentlichen Höhepunkt des Wochenendes, der rund 75 Kilometer langen Motorradfahrt, wird es noch einmal ganz still in Oberbillig, als Pfarrer Bollig eine kurze Andacht hält. Zwischen den Hunderten Motorrädern stehen ihre Fahrer, die meisten von ihnen Männer mit schwarzen Lederjacken und Vollbart, und halten für einen Moment inne.  „Es ist beeindruckend, wie viele Biker und Gäste gekommen sind“, sagt Bollig, „umso deutlicher wird es, dass einer fehlt.“ Damit spricht er aus, was viele Besucher an diesem Wochenende denken.  Das Ehepaar Betz steht neben Bollig und hält sich an den Händen. Davor eine Gruppe von Menschen, die gemeinsam mit ihnen Marius’ gedenken. Anschließend geht Bollig durch die Reihen, segnet die Motorräder und die Fahrer. Währenddessen steht der Sänger Miloud Rabah auf der Bühne und singt Marius’ Lieblingsslied: You’ll never walk alone.

Um Punkt 13 Uhr fällt der Startschuss für die achte DGM-Sternfahrt in Oberbillig. Die Biker fahren in Richtung Trier, durch Igel, Wasserbillig, Born, Rosport und wieder zurück nach Oberbillig. Allen voran Markus Betz, hinter ihm eine scheinbar endlose Reihe von Bikern. Er ist eben nicht alleine.

Gemeinsam mit dem Maskottchen des DGM suchte Joachim Sproß, Bundesgeschäftsführer der DGM (rechts), den Fahrer, der am gefährlichsten aussieht. Fündig wurde er bei Stefan Elenz (links).
Gemeinsam mit dem Maskottchen des DGM suchte Joachim Sproß, Bundesgeschäftsführer der DGM (rechts), den Fahrer, der am gefährlichsten aussieht. Fündig wurde er bei Stefan Elenz (links). FOTO: Elisabeth Jäckel