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Gesucht: Reste-Verwerter fürs Leben

Ungeliebte Mitbewohnerin im Haushalt der Hufnagels: Tante Bertas Eskapaden (Monika Baldus, vorne) gehen Mathilde Koch (Christiane Kirchen, hinten links) und Karola Hufnagel (Petra Strupp) entschieden zu weit.Foto: Ludwig Hoff
Ungeliebte Mitbewohnerin im Haushalt der Hufnagels: Tante Bertas Eskapaden (Monika Baldus, vorne) gehen Mathilde Koch (Christiane Kirchen, hinten links) und Karola Hufnagel (Petra Strupp) entschieden zu weit.Foto: Ludwig Hoff
IRSCH. Die Laienspielgruppe "Die Feurigen" zeigte hat anlässlich ihres 75-jährigen Bestehens den Mundart-Dreiakter "Der ledige Bauplatz". Vor ausverkauftem Haus machten die zehn Akteure den 500 Zuschauern Laune. Von unserem Mitarbeiter <br>LUDWIG HOFF

Lügen haben kurze Beine. Diese leidvolle Erfahrung macht auch Karl-Otto Hufnagel (Jürgen Schu), als er seine ledige Schwägerin als "Restposten, weit über das Verfallsdatum" verkuppeln will. Der Bauer ist die Eskapaden der Berta Greulich (Monika Baldus), die gerne Bier und Schnaps trinkt und zu viele Zigarren raucht, leid.Auch mit Wasser und Seife nimmt es das "lästige Übel" zum Leidwesen aller nicht sehr genau. Wenn bloß das Testament nicht wäre: Denn Berta Greulich hat so lange "Kost und Logie" in Hufnagels Haushalt oder beim Schwager, Metzger Hugo Koch (Dietmar Adam) und Ehefrau Mathilde (Christiane Kirchen) frei, bis sie sich verheiratet.Tante durchschaut Verwandtschaft

Was liegt also näher, als eine Heiratsanzeige aufzugeben - im TV , der Saarbrücker Zeitung ("Die Saarbrücker suchen öfter so alte Objekte an der Saar") und im Irscher Pfarrbrief (Dechant Klaus Feid, unter den Zuschauern, erkannte schon eine weitere Einnahmequelle für die strapazierte Kirchengemeinde).Dieser Plan von Karl-Otto Hufnagel, Sohn Kurt (Dirk Benzschawel) und Metzgermeister Hugo Koch aber geht am Ende nicht auf.Denn die listige Tante heckt einen eigenen Plan aus. Zupass kam ihr dabei ein größerer Lottogewinn und der Umstand, dass Nachbar Franz Scharf (Michael Kirchen) Öl auf dem Baugrundstück entdeckt. Jetzt will auf einmal niemand mehr Tante Berta loswerden, sondern alle umsorgten und bedienten sie, wo sie nur können. Damit das "liebe Tantchen" nicht aufstehen muss, wird sie beispielsweise auf dem Stuhl sitzend zum Telefon getragen.Die Irrungen und Wirrungen erreichen ihren Höhepunkt, wobei insbesondere Jürgen Schu und Monika Baldus mit gekonntem Schauspiel überzeugen.Der Schlußgag fällt Berta Greulich zu. Der vermeintliche Ölmulti "Scheich Abdul el Aral" entpuppt sich als verkleideter Nachbar Franz Scharf und die Ölquelle ist nur ein kleines Rinnsal. Karl-Otto Hufnagel sieht sein Geld "baden gehen in Baden-Baden" und ist am Ende der Gelackmeierte - und um 170 000 Euro ärmer.Zwei alte Hasen nehmen Abschied

Überzeugend agierte Newcomer Silke Rommelfangen (alias eingeheiratete Irmi Hufnagel). Das Publikum war mehr als einmal aus dem Häuschen und spendete nicht nur kräftigen Schlussapplaus, sondern immer wieder Szenenapplaus. Seine Abschiedsvorstellung als Regisseur gab Günter Fisch und auch für Johannes Groß war es die letzte Produktion.Das Laientheater hat in Irsch eine mittlerweile 75-jährige Tradition und überdauerte auch Krisenzeiten Ende der 60er Jahre, als das dörfliche Volkstheater einen weniger großen Stellenwert hatte.Günter Fisch begleitete die Schauspiel-Aktivitäten der "Feurigen" von der Feuerwehr mehr als 35 Jahre. Wenn zwei so alte Fahrensmänner nun Abschied nehmen, sei dies eine "schmerzliche Angelegenheit", bedauerte Wehrführer Franz-Josef Benzschawel."Bleibt dem Laientheater treu", lautete Fischs Appell an das Publikum, "es war eine schöne Zeit".