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Hilfe
Saarburger Ärzte behandeln Kinder aus Kriegsgebiet

Memory spielen, eine völlig neue Erfahrung: Chefarztsekretärin Maria Tabone und Dolmetscher Hamid Rahmoni wechseln sich mit anderen ab, um die beiden Achtjährigen, Qzadimulla (links) und Hamza, von ihrem Heimweh abzulenken.
Memory spielen, eine völlig neue Erfahrung: Chefarztsekretärin Maria Tabone und Dolmetscher Hamid Rahmoni wechseln sich mit anderen ab, um die beiden Achtjährigen, Qzadimulla (links) und Hamza, von ihrem Heimweh abzulenken. FOTO: Herbert Thormeyer
SAARBURG. Zwei achtjährige Jungen aus Afghanistan sind in ein Saarburger Kreiskrankenhaus gebracht worden. Eins der beiden Kinder hat eine Schussverletzung.

Hamza und Quadimulla aus Afghanistan sind zwei schweigsame Jungen. Quadimulla hat eine Schussverletzung am linken Oberarm, Hamza eine schwere Verbrennung im Gesicht, ein Unfall. „Sie plagt das Heimweh“, sagt Dolmetscher Hamid Rahmani, den die Kulturgießerei ins Saarburger Kreiskrankenhaus schickte, weil er die Landessprache Paschtu spricht. Die beiden Achtjährigen stammen aus Paktika und Ghazni im Südwesten des Landes, einem Gebiet, das von Kämpfen der Armee mit den Taliban gebeutelt ist.

Chefarzt und Unfallchirurg Dr. Thomas Poss hat sie gerade im Saarburger Krankenhaus operiert. „Die Kosten teilen sich die Organisation Friedensdorf International, unser Förderverein und der Landkreis als Träger. Unser Personal versucht, für die Kinder eine Art Familie zu sein“, sagt der Mediziner, der selbst schon in Afghanistan Menschen mit Operationen geholfen hat.

Seine Sekretärin, Maria Tabone, sagt: „Wir wollen die beiden aufmuntern, damit sie nicht ständig an den Krieg in ihrer Heimat denken müssen.“ Ob Sekretärin, Krankenschwester, Pfleger oder Laborant – reihum spielen sie mit den Jungen oder gehen mit ihnen spazieren. Sogar auf dem Krankenhausflur mit dem Ball kicken dürfen die kleinen Patienten.

Auch die ersten deutschen Wörter können die Achtjährigen schon. „Hallo“, „Brot“, „essen“ „gut“ kommen ihnen über die Lippen. Sie freuen sich über neue Kleider und Spielsachen. Sobald die Heilung weit genug fortgeschritten ist, sollen Hamza und Quadimulla auch deutsche Kinder kennenlernen und mit ihnen spielen – über alle Sprachgrenzen hinweg.

Vor drei Wochen landete die Maschine mit 83 Kindern an Bord in Düsseldorf. Sie wurden – organisiert von der Hilfseinrichtung Friedensdorf International – auf verschiedene deutsche Krankenhäuser verteilt. Auch die Bundesregierung unterstützt diese Arbeit.

Friedensdorf International ist mit Ärzten vor Ort und sucht die Kinder aus, denen in ihrer Heimat nicht geholfen werden kann, denn, so Poss: „Für arme Leute gibt es in Afghanistan keinerlei medizinische Versorgung.“

Die Verbrennungen müssen weiter behandelt werden. Dafür haben sich die Hals-, Nasen- Ohrenärzte Dr. Peter Boost von Kreiskrankenhaus und Dr. Friedrich-Peter Schwerdtfeger (im Ruhestand) bereiterklärt.

Immer wieder fragen die Jungen: „Wann dürfen wir wieder nach Hause?“ Die Trennung von den Eltern tut weh, egal wie gefährlich die Heimat geworden ist. Vor der Heimreise werden die Kinder, die in Deutschland behandelt wurden, jedoch erst wieder im Friedensdorf in Oberhausen-Dinslaken betreut, bis alle wieder zusammen nach Hause geflogen werden können. Bis dahin ist aber das Saarburger Kreiskrankenhaus das vorläufige Zuhause für die beiden.