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Saarburg/Trier
Windräder an zwei Stellen möglich

Elf Windräder drehen sich derzeit bei Kirf. Das reicht dem dortigen Ortsgemeinderat. 
Elf Windräder drehen sich derzeit bei Kirf. Das reicht dem dortigen Ortsgemeinderat.  FOTO: Herbert Thormeyer (doth), HERBERT THORMEYER / HERBERT THORMEYER
Saarburg. Die Behörde hat entschieden, dass in der Verbandsgemeinde Saarburg Windkraft an zwei Standorten bei Palzem, Wincheringen und Kirf zugelassen werden kann. Orte in der Naturparkkernzone gehen leer aus.
Marion Maier

Seit Jahren ist der Saarburger Verbandsgemeinderat mit der Planung etwaiger Standorte für Windräder beschäftigt. Diese sogenannte Fortschreibung des Flächennutzungsplans zog sich auch deshalb in die Länge, weil  sich zwischenzeitlich Bedingungen wie Mindestabstände und ein Verbot in der Kernzone des Naturparks geändert haben. Mehr als ein Jahr lang hat die VG aktuell auf Antworten zu Anträgen gewartet. Nun hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Nord entschieden.

Zulassung und Hintergründe Demnach kann die Verbandsgemeinde in ihrem Flächennutzungsplan zwei Standorte als Sonderbauflächen für Windkraft zulassen. Diese Flächen liegen bei Palzem, Wincheringen und Kirf. Sie sind grundsätzlich mit den Zielen des künftigen regionalen Raumordnungsplans Region Trier vereinbar, wie es in einer Pressemitteilung der SGD heißt. Die Vorgaben des Landesentwicklungsprogramms (LEP) IV von 2017 müssen berücksichtigt werden, beispielsweise, dass Windräder unter 200 Metern nur in einem Mindestabstand von 1000 Metern zu Wohngebieten errichtet werden dürfen. Größere Anlagen müssen mindestens 1100 Meter entfernt stehen. Zudem schreibt das Programm vor, dass mindestens drei Windräder im räumlichen Verbund planungsrechtlich möglich sein müssen.

Ablehnung von drei Standorten Drei weitere mögliche Windenergiestandorte in der VG Saarburg  hat die SGD Nord abgelehnt. Sie liegen bei Freudenburg, Irsch, Serrig und Taben-Rodt. Der Grund: Sie befinden sich in der Kernzone des Naturparks, und die ist laut den Vorgaben des LEP IV für solche Anlagen tabu.

Reaktionen auf Zusagen Die Entscheidung der SGD Nord dürfte nicht im Sinne der Kirfer sein. Wie Ortsbürgermeister Josef Krug berichtet, hat sich der Kirfer Rat einstimmig gegen weitere Windräder ausgesprochen. Krug sagt: „Die Einwohner wollen das nicht mehr.“ Laut Ortschef drehen sich bereits jetzt elf Windräder von verschiedenen Betreibern auf Kirfer Gemarkung, nur eins davon auf gemeindeeigenen Flächen. Die Gemeinde nehme dadurch nicht besonders viel ein, da das Rad relativ alt und niedrig sei. Laut Krug könnten bei Kirf theoretisch nun noch drei Windräder auf Privatgelände gebaut werden.

Palzems Ortsbürgermeister Florian Wagner bewertet die Nachricht der SGD Nord positiv. Die Gemeinde könne davon profitieren, sagt er. So könne auf ihren Flächen bei Kreuzweiler ein Windrad gebaut werden, sagt der Ortschef. Weitere Anlagen seien auf Privatflächen bei Kreuzweiler (eins) und bei Bilzingen/Helfant/Wincheringen (etwa sechs) möglich. Wincheringens Ortsbürgermeister Elmar Schömann kann hingegen nichts zu konkreten Windkraftplänen in seinem Ort sagen. Vor zweieinhalb Jahren habe sich der Rat zuletzt mit dem Thema beschäftigt, sagt Schömann. Eine einheitliche Meinung habe es da nicht gegeben. Derzeit seien keine konkreten Flächen ausgewiesen, dies geschehe erst mit dem Inkrafttreten des Flächennutzungsplans. Und dem seien weitere Schritte vorgeschaltet, teilt Schömann mit.

Reaktionen auf Absagen In Irsch und Freudenburg hoffen die Ortsbürgermeister trotz Absagen darauf, doch noch Windräder aufstellen zu können. Diese beiden Gemeinden haben bereits Vorverträge mit an diesen Flächen interessierten Firmen abgeschlossen. Sie haben beide eine Herabstufung der Naturparkschutzzone in den betroffenen Gebieten beantragt. Irsch hat dies laut Ortsbürgermeister Jürgen Haag unter anderem damit begründet, dass auf dem Irscher Höhenrücken die für die Kernzone geforderte Stille durch die benachbarte Bundesstraße nicht gegeben sei. Sechs bis sieben Windräder seien auf dem Höhenzug technisch möglich. Haag hofft auf den Gewinn durch den Verkauf der Flächen, denn der Rat möchte die Kita für 1,7 Millionen Euro ausbauen, und die Gemeinde müsste einen Großteil dieses Betrags schultern. Haag verweist darauf, dass die Gemeinde schon vor zehn Jahren auf Geld aus der Windkraft gehofft hat – für die Sanierung der Grundschule. „Mit mir nicht“, habe der Landrat damals gesagt, und es sei auch nichts daraus geworden. Für Haag sind die Windräder auch wichtig, um die Energiewende zu schaffen.

Das sieht auch der Freudenburger Ortsbürgermeister Bernd Gödert so. Gödert schätzt, dass sechs bis sieben Räder auf Freudenbuger Gemarkung entstehen könnten, drei davon auf Gemeindegrund. Wie Haag betont er, dass bislang kein Gemeindegeld in die Vorverträge in diesem Fall mit der Firma Juwi geflossen sei. Allerdings ergänzt er: „Da steckt viel Arbeit und Herzblut im Hinblick auf die Energiewende drin, die leider jetzt zurückgefahren wird.“

Geld investiert hätten bislang Juwi (für Voruntersuchungen) und die VG, die die Fortschreibung des Flächennutzungsplans beauftragt habe. Die VG-Ausgaben würden letztlich auf die Ortsgemeinden umgelegt. Gödert will abwarten, bis das Umweltministerium über den Antrag auf Herabstufung der Schutzzone entschieden hat. Eine rechtliche Überprüfung der Ergebnisse schließt er nicht aus. Egbert Adam, Ortsbürgermeister in Serrig, hat nach den letzten Gesprächen mit der Entscheidung der SGD Nord gerechnet. Er bedauert, dass die Gemeinde nun nicht von zwei bis drei Windrädern profitieren kann. Allerdings hat Serrig auch keine Vorverträge abgeschlossen. Und außerdem meint Adam: „Wir werben auch mit ,Erholung in der Stille’. Das beißt sich schon ein bisschen.“